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Was die Euregio sein kann und sein will

Von: Hermann-Josef Delonge
Letzte Aktualisierung:

Maastricht/Aachen. Es ist ein gutes Zeichen, wenn man alles nicht immer wieder neu erklären muss. Johannes J. Arens erfährt das gerade, wenn er in der Region unterwegs ist und über die europäische Kulturhauptstadt 2018 redet.

„Die Leute wissen mittlerweile, was gemeint ist. Und niemand sagt: Das wollen wir nicht”, sagt Arens. Er arbeitet bei der Regio Aachen und ist dort der Verbindungsmann für die Bewerbung, die von Maastricht federführend betrieben wird. Am Dienstag wird der Rat der niederländischen Stadt offiziell die Dinge auf den Weg bringen. Der Zug ist in Bewegung, die Strecke ist lang - selbst bis zur endgültigen Entscheidung über die Vergabe im September 2013. Und mit Den Haag, Leeuwarden und vor allem Utrecht und Brabant/Eindhoven gibt es starke Konkurrenz.

Die Fäden der Bewerbung laufen in einer Büroetage im Centre Ceramique in Maastricht zusammen. Dort sitzt Guido Wevers mit seinem Team. Alle sind in Bewegung, denn gerade wird an der zweiten Version der Bewerbungsschrift, dem Bidbook, gearbeitet. Die deutschen Partner werden darin stärker repräsentiert sein als in der ersten Version. Das Bidbook soll Ende Oktober vorgelegt und dann eingereicht werden, zusammen mit einem umfangreichen Frage-und-Antwort-Katalog; Ende November steht dann das erste Treffen mit der Jury auf der Agenda. Anfang Dezember wird das Feld der Bewerber auf zwei, höchstens drei Kandidaten reduziert.

Dass Wevers felsenfest davon ausgeht, dabei zu sein, versteht sich von selbst. „Unser Thema ,Europa wiederentdecken ist ein Alleinstellungsmerkmal, gerade in Zeiten wie diesen, in denen die europäische Idee wieder massiv hinterfragt wird.” Optimismus ist ein Teil seiner Jobbeschreibung, Begeisterungsfähigkeit ein anderer. Der künstlerische Leiter der Stiftung „Via 2018” ist in den vergangenen Monaten viel unterwegs gewesen zwischen Lüttich, Hasselt, Sittard, Aachen und St. Vith, zu den euregionalen Partnern, die mit im von Maastricht gesteuerten Boot sitzen.

Er hat dabei viel von den Chancen der Bewerbung gesprochen und immer wieder deren „Prozesscharakter” hervorgehoben. „Ständig ergeben sich neue Informationen, neue Möglichkeiten, neue Perspektiven, die wir in die Bewerbung einfließen lassen können”, sagt er. Von dieser „Prozesshaftigkeit” spricht auch Johannes Arens: „Via 2018” stehe „nicht für das, was die Region ist, sondern für das, was sie sein will und sein kann”.

Visionen und Begeisterung

Das klingt alles ein bisschen schwammig, muss es aber auch. Denn zum jetzigen Stand der Bewerbung sind keine konkreten Programmpunkte gefragt, sondern Leitlinien, Visionen, ein theoretischer Überbau. Nicht nur Aachens Kulturdezernent Wolfgang Rombey weiß, dass dies nur schwer zu vermitteln ist. „Die richtige, überall spürbare Begeisterung bei den Bürgern wird erst kommen, wenn der Zuschlag da ist”, sagt er.

Eine andere Verfassung hat er bei den hauptamtlich Verantwortlichen und auch bei einigen Kulturschaffenden festgestellt. „Die sind schon vom Virus infiziert.” Arens lobt in diesem Zusammenhang vor allem die Stadt Düren. „Da ist man mit Feuereifer dabei und sieht die Chance, Teil und nicht Peripherie der Euregio zu sein.”

Für Rombey kann das Projekt im Idealfall zu einem Identifikationspunkt für die Menschen in der Euregio werden. „Wenn es uns gelingt, die Themenfelder mit Leben zu füllen, wenn wir so zeigen können, dass wir hier über die Grenzen hinweg gemeinsame Wurzeln haben, dann wächst diese Region tatsächlich zusammen.”

Für die Ausgestaltung dieser Vision ist auch Rick Takvorian zuständig, der mit im künstlerischen Team der Stiftung sitzt. Er hat bereits ganz praktisch erfahren können, welche Früchte das Bewerbungsverfahren schon jetzt trägt. Takvorian organisiert für die Stadt Aachen Kulturevents wie das renommierte Tanzfestival „Schrittmacher” oder das Kunstfestival „across the borders”. Schon fast selbstverständlich sind die in die Nachbarländer Belgien und vor allem Niederlande ausgeweitet worden. „Via 2018” könne also die Krönung einer Entwicklung sein, die schon jetzt viel Schwung bekommen habe, sagt Takvorian. Wie Wevers ist er aber davon überzeugt, dass die Idee verpuffen wird, wenn sie auf ein vielleicht riesiges und trinationales, aber singuläres Festival hinausläuft.

Hier kommt neben der Prozesshaftigkeit die Nachhaltigkeit ins Spiel. Beispiel Infrastruktur: Als größtes Problem im Rahmen des Bewerbungsverfahrens benennen Wevers und Takvorian unisono den miserablen ÖPNV in der Euregio. Schlechte Bus- und Zugverbindungen, wenn überhaupt: für eine Region, die sich als Einheit präsentieren will, ein Unding. „Das steht ganz oben auf unserer Agenda”, versichert Wevers. „Wenn keine Verbesserung erreicht wird, kann unsere Bewerbung nicht funktionieren.” Ein positives Resultat dieser Bemühungen wäre von großer Nachhaltigkeit - und käme der Region übrigens auch zugute, wenn Maastricht doch nicht den Zuschlag erhalten würde.

Die Euregio mit ihren fast vier Millionen Einwohnern hat sich also auf den Weg gemacht. Und am Ende dieses Wegs steht ein Versprechen.

Ein Leitmotto, vier Programmlinien und Gesamtkosten von 80 Millionen

Unter dem Leitmotto „Europa wiederentdecken” formuliert das Bidbook vier Programmlinien:

„Speaking in Tongues” mit dem Schwerpunkt Kommunikation in Sprachen aller Art,

„Remembering the Future” als Verbindung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in der Euregio,

„Mirroring Europe” als Reflektion europäischer Identität mit den Mitteln der Künste,

„Living Europe” als Verwirklichung der Vision „Europa leben”.

Die Gesamtkosten werden auf rund 80 Millionen Euro taxiert, die Hauptlast tragen die Stadt Maastricht und die Provinz Niederländisch-Limburg. Regio und Stadt Aachen steuern fünf Millionen Euro bei, wobei sie auf Zuschüsse von Land und Landschaftsverband hoffen.

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