AN App

Walzer trifft akrobatischen Step

Von: Sabine Rother
Letzte Aktualisierung:
neubild
Spielfreunde und große Vielseitigkeit: Das Sinfonieorchester unter seinem Dirigenten Marcus R. Bosch beim Neujahrskonzert.

Aachen. Mit einem Neujahrskonzert, das in allen musikalischen Farben schillerte, überraschte das Sinfonieorchester unter Generalmusikdirektor Marcus R. Bosch sein Publikum im nahezu ausverkauften Aachener Eurogress.

Die einen freuten sich auf Neues, die anderen auf Vertrautes. Alle durften ein glasklar und mit sichtlicher Freude temperamentvoll musizierendes Orchester erleben, bei dem es sich immer wieder lohnt, auch dem Dirigenten bei der Arbeit zuzuschauen, denn Bosch signalisiert in Blick, Gestik und Körperhaltung sehr kreativ, was dann aufklingt. Mit der Steptänzerin Marijke de Braal und einer außergewöhnlichen Gegenwartskomposition sorgte er zudem für eine besonderes Highlight.

Zunächst hatte allerdings Oberbürgermeister Marcel Philipp das Wort. „Was kann es Schöneres geben, als das neue Jahr mit dem Sinfonieorchester zu beginnen”, überbrachte Philipp gute Wünsche von Rat und Verwaltung. Er erinnerte auch an die unangenehmeren Überraschungen zum Jahresende. „Unsere Winterdienste haben bis Heiligabend um Mitternacht gearbeitet, sie sind für mich die Mitarbeiter des Jahres.”

Vom Feuer in der Aachener Kirche St. Nikolaus, in der das Sinfonieorchester häufiger Gast war und dort auch seine Bruckner-Produktionen aufgenommen hat, erfuhren einige Zuschauer erst durch Marcus Bosch, der hier schon versprach: „Wir werden ein Benefizkonzert geben, um zu helfen.” Weitere Nachrichten: Das Orchester hat endlich einen neuen Probenraum, und die Sinfoniekonzerte werden künftig sonntags und montags im Eurogress erklingen - ob am Sonntag zur Matineezeit um 11.15 Uhr oder um 18 Uhr bestimmt das Publikum demnächst per Abstimmung.

„Die Fledermaus” als Auftakt

Schon mit den ersten Tönen der Ouvertüre zur Operette „Die Fledermaus” (Johann Strauß Sohn) lebte es dann auf - das festliche und zugleich nachdenkliche Neujahrsgefühl, das diese so hintergründig von Bosch interpretierte Musik weckt. Mit ein paar interessanten Details aus der „Walzerfirma” der Familie Strauß würzte er das abwechslungsreiche Programm.

Der Strauß-Sohn Josef - eigentlich ein Ingenieur, der für Wien sogar zwei Straßenkehrmaschinen konstruiert hat? Wer hätte das gedacht? Vielleicht klingt sein Dynamiden-Walzer deshalb leicht zackig-metallisch (tatkräftiger Großeinsatz der Orchesterschlagzeuger bei allen Werken), mit viel Schwung und Blech vom Orchester umgesetzt.

Und das Hauptthema? Reizvoll die Anklänge an Richard Strauss´ „Rosenkavalier”, danach ein Orchester im Polka-Rhythmus „Ohne Sorgen” und einem „ha-ha-ha”-Text-Einsatz als Bonbon für die amüsierten Zuhörer. Das mit Spannung erwartete Konzert von Morton Gould (1913-1996) enttäuschte nicht. Die zierliche Niederländerin Marijke de Braal - begehrter internationaler Star der Szene - begeisterte vom ersten Step-Schritt an. Graziös und kraftvoll gestaltete sie in scheinbar müheloser Kooperation mit dem Orchester ihren Part - prasselnde Performance und exotisches Klangelement zugleich. Das Ergebnis: eine faszinierende Symbiose und ein völlig neues Konzerterlebnis mit amerikanischem Flair, das entsprechend gefeiert wurde.

Nach der Pause hätte sich bei Josef Lanners Walzer „Die Mozartisten” ein Musik-Quiz unter dem Motto „Aus welche Oper ist das?” gelohnt: „Nicht erst in unseren Tagen haben Komponisten bei anderen geklaut”, versprach Bosch ein originelles Vergnügen - und wirklich, ob „Zauberflöte”, „Entführung aus dem Serail” oder „Don Giovanni” - überall hat sich Lanner bedient, ein Werk, das höchste Konzentration verlangte.

Mit Fingerspitzengefühl sorgte die Pizzicato-Polka für glitzernden Klängen, bevor eine Folge von Johann-Strauß-Werken das glänzende Finale prägte. Da stürmte die Jagdgesellschaft schießend und galoppierend durch den Wald (Polka op. 273), löste „Accelerationen” wirbelnde Walzer-Schwindelgefühle aus, gab es Blitz und Donner (Polka op. 324) bis das Parkett für den stimmungsvollen „Kaiser-Walzer” freigegeben wurde. Ohne Zugaben durfte niemand von der Bühne: Gefühlvoll „An der schönen blauen Donau”, mit einem Augenzwinkern der „Radetzky-Marsch”, und zum Schluss im Foyer prickelnder Sekt für alle als Gruß der Casino-Gastronomie. Ein flotter Start ins neue Jahr.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert