Aachen - Vorschusslorbeeren auf Marmor: „Andreas Fogarasi - 1998”

Vorschusslorbeeren auf Marmor: „Andreas Fogarasi - 1998”

Von: Verena Müller
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Wie geht man mit Raum um? Andreas Fogarasi im Ludwig Forum mit seiner Rauminstallation aus rotem Marmor. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Ein stumpfer Winkel aus zwei dünnen Marmorplatten scheint aus seinem Ausstellungsraum herausgesprungen zu sein. Um Aufmerksamkeit buhlend steht er im Hauptraum des Ludwig Forums, einen Meter hinter ihm scheinen die neun restlichen Exemplare ebenfalls aus dem Seitenraum herausdrängen zu wollen.

Ihre Beschaffenheit ist immer gleich: Sei bestehen aus rotem, dicht mit weißen Adern durchzogenen Marmor, dem Rosso Levanto. Auf jeweils einer der beiden Platten klebt plan ein Foto, auf dem ein Detail einer modernen architektonischen Meisterleistung zu sehen ist. Oft befinden sich die fotografierten Gebäude noch im Bauzustand.

Sie werden somit durch den Marmorgrund, der an Gedenktafeln oder ältere Monumentalbauten erinnert, schon vor ihrer Fertigstellung geadelt. Der österreichische Künstler Andreas Fogarasi, der die zehn Marmorwinkel speziell für seine Ausstellung im Ludwig Forum angefertigt hat, deklariert sie gewissermaßen jetzt schon zu Meilensteinen der Architekturgeschichte.

Wie dauerhaft dieser Anspruch sein kann, ist die Frage. Die Platten wirken zwar von vorne stabil, müssen aber aufgrund ihrer geringen Dicke von zwei Zentimetern durch ein Kunstharznetz auf der Rückseite stabilisiert werden. Die moderne Architektur - mehr Schein als Sein?

Raum und Inszenierung

Die Auseinandersetzung mit Architektur im städtischen Raum, ihre historische, fast museale Dimension und die Grenzen von Drinnen und Draußen sind der rote Faden der Wechselausstellung „1998”. Im Raum nebenan läuft Fogarasi etwa in einem Video durch das Freilichtmuseum Folkemuseum in Oslo. Schluffende Schritte auf Schotter, die Kamera wackelt, während Fogarasi einen Hügel erklimmt. Die Idee: „Wie man mit einem Raum umgeht, der einen interessiert”, sagt der Österreicher.

Im grauen Pulli, darunter ein blau-grün-weiß kariertes Hemd, und verwaschener schwarzer Jeans steht er mit leicht hängenden Schultern da und verfolgt durch die randlose Brille kurz das eigene Werk. Um „museale Inszenierung, Geschichte und Atmosphäre und die dokumentarische Praxis allgemein” ginge es, sagt er schließlich. Dann geht´s weiter zum nächsten Werk, „Cité de Refuge”.

Gegenstand: eine Gedenktafel mit den Namen der Förderer eines Obdachlosenheims, die er abgepaust hat. Aber nicht komplett, sondern die Nachnamen ausgelassen. Ein Spannungsfeld zwischen Erinnerung und Informationsverlust sieht Kuratorin Anna Schultz darin.

Geschichte, Jahreszahlen und ihre kollektive Wahrnehmung bilden den Ausgang der Ausstellung - übrigens Bezug nehmend auf ein weiteres Video, das im Vorführsaal des Museums zu sehen sein wird.

Die Ausstellung „Andreas Fogarasi - 1998” ist bis zum 25. April im Ludwig Forum Aachen an der Jülicher Straße zu sehen. Öffnungszeiten: dienstags, mittwochs, freitags 12 bis 18 Uhr, donnerstags 12 bis 20 Uhr, samstags und sonntags 11 bis 18 Uhr. Wer mehr über Künstler und Werk erfahren möchte, kann am 25. April um 12 Uhr die Finissage im Ludwig Forum besuchen, bei der Andreas Fogarasi anwesend sein wird.
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