Würselen - Volkston und Rock-Röhre

Volkston und Rock-Röhre

Von: Sabine Rother
Letzte Aktualisierung:
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Eigenwillig und facettenreich: Rebekka Bakken. Foto: Dagmar Meyer

Würselen. Wie schön. Spätestens, als Rebekka Bakken bei ihrem Auftritt auf der Freilichtbühne von Burg Wilhelmstein zusätzlich zu englischsprachigen und norwegischen Songs ein Lied des österreichischen Liedermachers Ludwig Hirsch in erstaunlich einwandfreier Mundart singt, fliegen ihr die Herzen des begeisterten Publikums zu.

Oder war das in den Momenten, als sie wild, frech rockig und jazzig an Janis Joplin erinnerte? Oder in den meditativen Szenen, bei denen sie in der Sprache ihrer Heimat Songs so interpretierte, dass aus dem volksnahen schlichten Lied große, starke Klanggebilde wurden?

Sie liebt Bühne und Publikum

Die norwegische Sängerin ist eine besondere Frau, unkompliziert und sympathisch. Sie liebt die Bühne, sie liebt ihr Publikum, und die Wechselwirkung bleibt nicht aus. Rund zwei Stunden gibt sie zusammen mit ausgezeichneten Musikern ohne Pause, was sie hat. Und das ist eine Menge.

Die Frau, die zur neuen Generation der skandinavischen Jazzvokalistinnen gehört, hat ihre Erfahrungen mit Folklore- und Kirchenliedern, Pop und Jazz zu einer eigenwilligen, facettenreichen Stilistik entwickelt. Welches Genre sie auch wählt - sie bestimmt es neu.

Und so berührt den Zuhörer die Hinwendung zum innigen volksnahen Song, gibt es Momente, da genießt sie es, von der Rolle einer beschwörenden Priesterin in die der frechen, kessen Chansonette oder Rockröhre zu wechseln. Das geht nur mit einer fabelhaften Sound-Technik und ausgezeichneten Musikern. Die stehen Bakken nicht nur zur Seite, sie haben bei Auftritten wie denen auf Burg Wilhelmstein ihr Eigenleben: Jesper Nordenström ist ein Pianist mit klassisch-intuitivem Talent, Staffan Astner ein grandioser Mann an der E-Gitarre mit atemberaubenden Soli, Sven Linvall ein einfühlsamer Bassist und Per Lindvall am Schlagzeug ein Mann, der sich immer wieder neu einbringt.

Schon nach dem ersten Song hat Rebekka Bakken ihre Sandaletten ausgezogen. Danach ist sie ganz frei, breitet die schlanken Arme aus und nimmt alle mit hinein in ihre hochmusikalische Welt der Balladen, die meist in Kummer und in Erinnerung an romantische Lieben entstanden sind. Ihre guten Texte erzählen vom Leben einer vitalen, kritischen, selbstironischen Frau, die ihre Stärken gefunden und ihre Träume nie verraten hat.

Eine Sängerin voller Überraschungen, die ihr Herz mit kraftvoller, schöner Stimme sprechen lässt. Euphorischer Beifall aus der vollbesetzten Arena. „Time after time” - alle singen mit, hingebungsvoll und sogar tonschön, ein kleines Geschenk für die große Sängerin.

„Und der Schnee draußen schmilzt”, würde Ludwig Hirsch den sommerlich gestimmten Menschen in die Nacht mitgeben.
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