Aachen - Virtuose des Kleinformats: Johannes Thopas in Aachen

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Virtuose des Kleinformats: Johannes Thopas in Aachen

Von: Hermann-Josef Delonge
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Ein filigraner Meisterzeichner: Werke des gehörlosen Niederländers Johannes Thopas, zu sehen im Suermondt-Ludwig-Museum. Die Zeichnung im Originalrahmen oben befindet sich in Besitz des Aachener Hauses, das Werk unten ist Thopas‘ einziges bekanntes und erhaltenes Ölgemälde. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Man muss schon sehr tief graben, um Näheres über Johannes Thopas zu erfahren. Bis vor wenigen Jahren kursierten vor allem Vermutungen über sein Leben und Schaffen – und das auch nur in eingeweihten Zirkeln. Der niederländische Meisterzeichner ist von der Forschung bislang eher stiefmütterlich behandelt worden. Peter van den Brink ist davon überzeugt, dass sich dies bald ändern dürfte.

Der Direktor des Aachener Suermondt-Ludwig-Museums sieht die von ihm in seinem Haus kuratierte Ausstellung mit 38 zum Teil winzigen Zeichnungen und einem (dem einzigen bekannten) Gemälde des Künstlers als idealen Ausgangspunkt für weitere, detailliertere Forschungen. Und er glaubt: „In so manchem Museumsdepot und in so mancher Privatsammlung wird sich wohl noch das ein oder andere Thopas-Blatt finden.“ Bislang werden dem Künstler 66 erhaltene Zeichnungen auf Pergament zugeschrieben.

Geboren 1626 in Arnheim

Das ist über diesen aus mehreren Gründen besonderen Künstler bekannt: Geboren wurde Thopas 1626 in Arnheim. Sein Elternhaus war nicht arm, die Mutter heiratete in zweiter Ehe den Bürgermeister von Emmerich. Dort verbrachte Thopas seine Kindheit, später wohnte und arbeitete er in Utrecht, Amsterdam, Haarlem und Assendelft; er starb irgendwann zwischen 1688 und 1695.

Thopas war taub, deshalb verbrachte er sein ganzes Leben unter Vormundschaft (deshalb steht die Ausstellung unter der Überschrift „Deaf, dumb & brilliant“ – taub, stumm und brillant). Und er war Autodidakt. Zu seiner Zeit dürfte er ein bekannter und gefragter Künstler gewesen sein. „Das zeigen uns die Familien, für die er Porträts gezeichnet hat. Da sind sehr bekannte Namen darunter, wohlhabende Mensch von einiger Reputation“, sagt van den Brink.

Wie die Haarlemer Familie van Valkenburg, für die er sein einziges bekanntes Ölgemälde geschaffen hat: ein Mädchen aus der Familie auf dem Totenbett. Doch Thopas‘ wahre Meisterschaft zeigt sich in seinen Graphit-Zeichnungen auf Pergament: gestochen scharfe, detailverliebte, psychologisch ausgefeilte Porträts (nur „Mars, Venus und Cupido“, ebenfalls in Aachen zu sehen, hat ein mythologisches Thema), am Anfang kleinformatig, später größer, gerne mit einem Durchblick in der Rückwand, wo eine Stadt- oder Dorfansicht oder eine Landschaft sichtbar wird.

Thopas experimentierte in Maßen, das ein oder andere Trompe-l’œil findet sich. In seiner Amsterdamer Zeit entdeckte er die (Wasser-)Farbe kurzzeitig für sich, doch auch diese Bilder bleiben hinter den meisterhaften Schwarz-Weiß-Zeichnungen zurück.

Man kann die zeitgenössische Begeisterung für diese Werke verstehen. Thopas‘ Zeichnungen funktionieren wie Gemälde; es gibt keine Linien, Umrisse oder Schraffuren, die Übergänge von Porträt zu Hintergrund sind fließend. Sie wurden auch wie Gemälde genutzt; oft wurden sie in wertvollen Rahmen und nicht nur in Passepartouts gehängt. So wie das Porträt eines unbekannten Ehepaares aus dem Jahr 1664, das einzige Thopas-Bild im Besitz des Suermondt-Ludwig-Museums.

Der herrliche Rahmen wurde erst zuletzt aufwendig in Köln restauriert. Die anderen Werke hat van den Brink von Leihgebern (Museen und Privatsammlungen) aus der ganzen Welt organisiert – unter anderem auch von David Thomson, einem steinreichen kanadischen Medienunternehmer (Nachrichtenagentur Reuters) und passionierten Kunstsammler, der auch den Katalog der Ausstellung finanziert hat – weshalb dessen Hauptsprache auch Englisch ist.

Die Thopas-Ausstellung ist eine hervorragende Visitenkarte für Aachen zur Amsterdamer Kunstmesse Tefaf, die am Wochenende startet. Im Anschluss geht sie an das Amsterdamer Rembrandthuis. Dass die Ausstellung nicht so groß ausfällt wie die Tefaf-Parallelausstellungen vergangener Jahre, hat mit den umfangreichen Vorbereitungen zu der anstehenden großen Schau zum 1200. Todestag Karls des Großen zu tun. Was an der Qualität aber nichts ändert.

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