Verstörende Materialschlachten: Gereon Krebber in Kornelimünster

Von: Verena Müller
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Gereon Krebber mit einer Schal
Gereon Krebber mit einer Schale aus Bauschaum und Dachlack. Im Hintergrund gespannte Lackfolienbahnen von Martin Pfeifle. Foto: V. Müller

Kornelimünster. Die Skulpturen von Gereon Krebber sind ekelerregend. Sie stoßen ab, faszinieren, verstören. Was aussieht wie eine riesige Schale aus verkohlten glänzenden Spaghetti ist tatsächlich Bauschaum, der mit 40 Litern schwarzem Dachlack besprüht wurde.

Das ist nicht nur fürs Auge eine Zumutung, sondern auch für die Nase. Es stinkt nach Lack und Teer. Bandwurmartig schlingert und wimmelt der Bauschaum an den Seiten hoch, in der Mitte scheint ein organischer Vulkan zu brodeln. Massiv und schwer wirkt die Skulptur, dabei wiegt sie nur 50 Kilogramm und ist biegbar.

„Nicht materialgerecht” und „leicht pervers” nennt Gereon Krebber seinen Umgang mit den Werkstoffen, von bewusster „Verrätselung” spricht er gerne. Zusammen mit Martin Pfeifle, beide Förderpreisträger für bildende Kunst des Landes NRW 2009, stellt er in der Sammlung „Kunst aus NRW” in Kornelimünster aktuelle Werke aus. Ab diesem Samstag, 17. Juli, sind sie zu sehen. Titel: „Ichoderduoderduoderich”.

Beide haben bei Tony Cragg und Hubert Kiecol an der Kunstakademie in Düsseldorf studiert, haben einen starken Bezug zu Architektur und Form und geben gerne andere Materialien vor, als sie verwendet haben. Sie gehen aber ganz unterschiedlich mit Räumen um. Während Gereon Krebber eine massive Setzung vornimmt und die Skulptur als Gegenpol zum Raum denkt, bindet Martin Pfeifle die Skulptur in den Raum ein. Durch mehrere Räume hat er in Kornelimünster straffe Lackfolienbänder gespannt. In glossig-glänzendem Rot, Lila und Pink. Das hat was von Rotlicht-Lack-und-Leder-Romantik oder langgezogenem knatschbuntem Kaugummi.

Für das Treppenhaus, wo noch ein Kronleuchter fehlt, lässt Pfeifle Neonröhren untereinander und versetzt von der Decke baumeln.

Ein paar Räume weiter hat sich Gereon Krebber Materialschlachten mit Styropor, rosa Toilettenpapier, Wachs und Klebeband geliefert. Das klingt nach wüstem Chaos, mündet tatsächlich aber in klare Formen. Drei fleischige Quader stehen da aufeinander, ein riesiger Biss verunstaltet die glatte Oberfläche. Oder daneben: Länglicher Metallschrott, wie aus einer Zerstörungsszene aus „Terminator”.

An der Wand hängt ein eckiges Gebilde, das von einer undefinierbaren Gewebestruktur überzogen zu sein scheint. Tatsächlich ist es Klebeband, das mit dem Fön erhitzt, zerlöchert und farbig besprüht wurde. „Die Filme ,Aliens und ,Terminator habe ich erst letztens gesehen”, sagt Krebber. Diese Ästhetik habe ihn zu den Transformationsmotiven angeregt.

Wie viel hat sich der Künstler dabei wohl gedacht?, mag sich der Betrachter ähnlich wie bei den Readymades von Marcel Duchamp fragen. Eine Auflösung gibt Krebber aber nicht. Er schickt den Betrachter zwiegespalten nach Hause.

Öffnungszeiten und Informationen „Ichoderduoderduoderich” in der ehemaligen Reichsabtei Korneli münster, Abteigarten 6, läuft noch bis zum Sonntag, 29. August. Öffnungszeiten: Di. und Mi. 10 bis 13 und 15 bis 17 Uhr, Sa. 15 bis 18.
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