Und selig badet er im Jubel: Hartmut Engler und Pur in Köln

Von: Susanne Schramm
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Wunschlos glücklich: Pur mit Frontmann Hartmut Engler füllten an zwei Abenden die Kölner Lanxess Arena. Foto: Thomas Brill

Köln. Jetzt, so kurz vor Weihnachten, können alle Wünsche wahr werden. Vielleicht sogar die von Hartmut Engler, der sich mehr Lohn und Dank für Krankenschwestern wünscht, einen Siegeszug der Liebe durchs Leben und ein dickes Fell für Mutter Erde.

27.000 Fans sind in diesem Moment wunschlos glücklich. An zwei Abenden in der Kölner Arena, wo Pur auf ihrer „Wünsche”-Tour Station machten.

Dass dabei das gleichnamige Album im Mittelpunkt stand, war logisch. Wieder aufgetaucht aus dem Tal der Tränen - nach der Trennung von Partnerin Nubya durchlitt Engler eine Depression mit allen Nebenwirkungen - präsentiert sich der 48-Jährige strahlend und singt sich, mitunter vor lauter Seligkeit tremolierend, durch ein Repertoire, das von der aktuellen Bestandsaufnahme „Gesund” über den gefährlichen Trip ins „Abenteuerland” bis hin zum alkoholfreien Rausch der frühen Tage reicht: „Hab´ mich wieder mal an dir betrunken”.

Begleitet wird er dabei von der bewährten Tourband, die einmal mehr unter Beweis stellt, dass man Pur-Texte zwar nicht unbedingt mögen muss, aber zumindest die musikalische Qualität der Bietigheim-Bissinger über manchen Zweifel erhaben ist. Von einer quadratischen Mittelbühne aus, deren Untergrund als raffiniert-integrierte Leinwand fungiert, sorgen Pur in zweieinhalb Stunden für jede Menge Funkelperlenaugenblicke.

Das bisschen Glück, von dem Engler singt, liegt nicht „irgendwo in dieser Welt” versteckt, sondern für die Fans im Hier und Jetzt. Im Mitleiden und Mitsingen, im Schmusen und Disco-Fox-Tanzen, im Anstimmen von „O, wie ist das schön”, im Auf- und Abschwellen der La-O-La-Wellen und im Wissen, dass Wunderkerzen in der Arena zwar verboten sind, aber es ohne sie trotzdem nicht geht. Und dieses Gefühl gibt auch Frontmann Engler den Fans.

Die neuen Stücke, die mal Aufwach-Parolen („Stell Dich”) postulieren, mal Herzeleid vertonen („Geliebt”) oder von der Akzeptanz des Älterwerdens („Herbst”) handeln, kommen zwar gut an, können aber mit Dauerbrennern wie „Prinzessin”, „Mächtig viel Theater” oder „Lena” nicht mithalten. Da stehen alle Ränge, da wird der Refrain zum Choral und der Applaus zum tosenden Hagelsturm.

Engler geriert sich bei all dem als Dirigent der Emotionen: Wenn er sich um die eigene Achse dreht, die Arme hoch reißt und die Menge anfeuert, um hernach Minuten lang im Jubel zu baden, als sei der ein speziell für ihn erdachter Whirlpool, dann gibt es nur zwei Möglichkeiten: Ihm das gönnen oder Gänsehaut bekommen.
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