Würselen - Und dann brennt doch die Luft: Hubert von Goisern auf Burg Wilhelmstein

Und dann brennt doch die Luft: Hubert von Goisern auf Burg Wilhelmstein

Von: Sabine Rother
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Hahnkämpfe: Hubert von Goiser
Hahnkämpfe: Hubert von Goisern (rechts) und sein Gitarrist Severin Trogbacher auf Burg Wilhelmstein. Foto: Dagmar Meyer-Roeger

Würselen. Er ist ein Wanderer zwischen den Welten, einer, der robust wirkt und doch extrem dünnhäutig ist: Hubert von Goisern. Sein Konzert auf Burg Wilhelmstein war restlos ausverkauft, die Fan-Gemeinde mit Wunderkerzen bestens aufgerüstet.

Von Goisern, der sich nach seinem Geburtsort Bad Goisern in Oberösterreich benannt hat und eigentlich Hubert Achleitner heißt, hat sich sein Leben lang mit Leidenschaft Neuem geöffnet - ob in Grönland, Südafrika, Kanada, Afrika, Tibet oder zuletzt die Donau auf- und -abwärts auf einem zur Bühne umgebauten Frachtschiff.

All das fließt in eine Musik von enormer Bandbreite, wobei sich alles um einen tief in ihm glühenden Kern bewegt: die in frühen Jahren aufgenommene Kraft der Volksmusik, aus der er fantasievollen, harten Alpinrock mit urkräftiger Jodeltechnik schmiedet.

In fliegendem Wechsel kommen Ziehharmonika, Kuhglocken, Mundharmonika, Maultrommel und Keyboard zum Einsatz. Goisern will alles zeigen, den Komponisten empfindsamer Balladen und den rockigen Musiker, der den Blues lebt.

Dann wieder ist er der sich bis zur Schmerzgrenze in einen Titel hineinsteigernde Künstler, der alles um sich herum vergisst - nur nicht seine grandiose Band: Severin Trogbacher (Gitarre), Alex Pohl (Schlagzeug) und Helmut Schartlmüller (Bass). Goisern und Trogbacher genießen ihre Hahnenkämpfe, kommen sich oft so nah, dass einer in die Klang-Aura des anderen eintaucht.

Und gar nicht selten stehen die drei wie Geheimbündler vor Pohls Schlagzeug zusammen und wenden sich vom Publikum ab, während sie die Rhythmen vorantreiben.

Bei aller Qualität wirkt das Programm jedoch seltsam zerrissen. Die Konzertbesucher findet ihren Star zwar toll, warten aber zunächst ruhig ab - was Goisern bissig kommentiert. Er kultiviert nachhaltig sein Anti-Image des eben nicht allzeit charmanten Österreichers.

Als eine enthusiastische Verehrerin der Bühne zu nahe kommt und nicht gleich „entfernt” wird, verschwindet der Künstler empört in der Garderobe und beschwert sich später noch über zu viel Herumgelaufe in seinem Blickfeld. Alle versuchen ab sofort, sich brav zu bessern und ihn nicht weiter zu ärgern.

Als dann endlich Reißer wie „Brenna Tuats”, „Koa Hiatamadl”, „Goisern” (hier covert er Ray Charles „Georgia”) und sein „Weit, weit weg” aufklingen, wird mitgesungen und getanzt. Die Luft brennt. Zugaben lassen das Konzert der 65. Tour-Station unter dem Banner des Lindwurms eher melancholisch ausklingen. Dieses Motiv stammt übrigens aus dem Wappen von Bad Goisern. Heimat eben.
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