Umjubeltes Sinfoniekonzert mit der „Alpensinfonie”

Von: Pedro Obiera
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Aachen. „Ich habe einmal so komponieren wollen wie eine Kuh, die Milch gibt.” Das Richard Strauss zugewiesene Bonmot im Programmheft zum 3. Aachener Sinfoniekonzert der Saison ist zwar amüsant. In Marcus R. Boschs Interpretation der riesigen „Alpensinfonie” schlug sich allerdings eher der verbriefte Ausspruch des Komponisten nieder „Jetzt hab´ ich endlich orchestrieren gelernt”.

Den metaphysischen Ballast um Nietzsche, der der Entstehung voranging, lässt Bosch ebenso beiseite wie manches Vorurteil gegen die plakativ illustrierende „Postkartenmusik” samt Kuhglocken und Windmaschine.

Bosch sieht das Werk als ein Kabinettstück besonders raffinierter Instrumentierungskunst, mit dem sich das Orchester klanglich effektvoll in Szene setzen kann. Und das gelingt dem Aachener Sinfonieorchester auch auf ganzer Linie.

Die klangliche Opulenz in den unwiderstehlich verführerischen Höhepunkten erklingt sogar im Eurogress mit ungewöhnlicher Strahlkraft. Allzu viel Pathetik lässt Bosch dabei nicht aufkommen.

Umso mehr lotet er die differenzierte Farbpalette der schillernden Partitur aus, wobei ihm die Sinfoniker aufmerksam folgen. Dass sich manches Bläser-Solo noch delikater vorstellen lässt, steht auf einem anderen Blatt.

Um Klangwunder anderer Art ging es vor der Pause mit György Ligetis Klassiker „Atmosphres”. Das 1961 uraufgeführte Werk erweitert die Klangsprache des Orchesters durch Klangbänder und Cluster, also eng gestrickte Tontrauben, die das Farbspektrum bis in extreme Regionen neu aufmischten.

Bosch näherte sich dem Stück subtil und milderte die klanglichen und dynamischen Schärfen, wodurch die immer noch aufregende Experimentierfreude, die das knapp zehnminütige Werk nach wie vor ausstrahlt, ein wenig in den Hintergrund rückte.

Austarierte Phrasierung

Zurückhaltend, als wollte er die Kräfte für die „Alpensinfonie” schonen, eröffnete Bosch auch den Kopfsatz von Beethovens Zweitem Klavierkonzert.

Der international versierte Solist Bernd Glemser schaltete gleich einen Gang höher, so dass letztlich ein kultivierter, aber auch etwas zahmer Dialog entstand. Da ist man von Glemser mit anderen Dirigenten aufregendere Beethoven-Interpretationen gewohnt.

Das schmälert natürlich nicht die wie immer sorgfältig austarierte Phrasierung, mit der Bosch das Werk belebt. Dennoch nahm sich das B-Dur-Konzert hier wie ein kleiner Bruder im Umfeld der bekannteren Geschwisterwerke aus.

Glemser selbst bestätigte seinen Ruf als einer der bedeutendsten deutschen Pianisten, auch wenn er im Schlusssatz soviel Schwung nahm, dass mancher Lauf an Präzision einbüßte.

Begeisterter Beifall für alle Beteiligten in einem ausverkauften Eurogress, der nahezu aus allen Nähten platzte. Und das Motto des Abends, „Schöne Aussicht”, traf diesmal ins Schwarze.
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