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Umjubelt und gefeiert: „Heut werd ich nicht alt” im Theater Aachen

Von: Grit Schorn
Letzte Aktualisierung:
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Experten in Lebensfragen: Doris Kollek-Schlunke, Elisabeth Schodder, Barbara Köhnen-Rehn, Henning Rohde, Josephine Kühnast, Klaus Rassau und Günter Goetzenich (v.l.) auf der Bühne der Kammer. Foto: Carl Brunn

Aachen. Vier Frauen und drei Männer stehen auf der Bühne und stellen sich vor: grundverschiedene Charaktere, verschiedene Herkunft und Schicksale. Sie alle sind über 60, die Älteste ist über 80. Und alle hatten Lust und den Mut, in das Bühnen-Projekt „Heut werd ich nicht alt” der jungen Regisseurin Jenke Nordalm „einzusteigen”.

Was ja schon mit der Frage anfing, ab wann man eigentlich „alt” ist oder wird. Nun steht die Gruppe in der Kammer des Theaters Aachen. Sie kennen die gängigen Klischees über die alternde Gesellschaft, jene Abziehbilder vom Altwerden, die von „Best Agern”, also frohgemut konsumierenden Pensionisten, bis hin zum armen, einsamen Rentner mäandern.

Mit Temperament und Humor

Jeder einzelne der Truppe erweist sich mit sehr persönlichen Äußerungen als „Experte in Lebensfragen”. Sie imponieren mit Offenheit, Temperament, Ausstrahlung und Humor. Warum allerdings Birgit Stoessels Bühnenbild mit scheußlichen Lampen und stereotypen Kunstledersesseln aufwarten muss, bleibt ein Geheimnis.

Der frühere „politische Feuerkopf” Klaus Rassau (mit 60 der Junior unter den Senioren) hatte „eigentlich eine lange Jugend” und will auf jeden Fall „Neugier und Erstaunen bewahren”. Flammende rhetorische Breitsalven feuert die 66-jährige Doris Kollek-Schlunke ab - gegen eine „new generation”, die „keine Oasen, keinen Raum für Reflexion” lasse und die sich überdies mit den „global players” verbünde.

Barbara Köhnen-Rehn (72) lässt das Alter in Ruhe auf sich zukommen. Sie fand eine neue „alte” Liebe und will „die schönen Stunden genießen”. Zahnarzt Henning Rohde (65) spricht nicht nur über ausgefallene Zähne, sondern liest auch aus einem recht ausgefallenen Text mit „widerborstigen Anmerkungen” über Siechtum im Alter. Die Bedrückung und Ödnis des hohen Alters - selbst im bestgeführten Heim - wird mit Seufzen, stereotypen Bewegungsabläufen und Dösen angedeutet.

Es wird aber auch die Lebenslust älterer Menschen offenbar, wenn etwa die Bühne zum Tanzsaal wird und die „Glorreichen Sieben” in elegante Kleidung schlüpfen (Kostüme: Birgit Stoessel). Walzer, Rock und Swing - da schwingen auch die Herzen der Zuschauer mit.

Und die attraktive 82-jährige Elisabeth Schodder, die ihr Leben „aktiv gestalten” will, bleibt trotz wunderschöner Robe ohne Tänzer - ein unaufdringliches Zeichen dafür, dass viele Frauen im Alter allein sind, weil die Männer früher sterben. Finni Kühnast (78) ist „Pretty in Pink” und zufrieden: „Ich hab´ alles gehabt.”

Still wird´s im Theater, wenn Günter Goetzenich (79) ruhig vom Sterben seiner Frau erzählt. Und die Zuschauerinnen, ob jung oder älter, amüsieren sich prächtig über Simone de Beauvoirs verräterische Aussagen über die weibliche Sexualität, die im Alter vitaler sei als die der Männer.

Am Ende die fast schon philosophische Bemerkung von Henning Rohde: „Älterwerden ist unsere Mission, unsere Aufgabe, die wir alle im Leben haben.” Nach 75 Minuten Riesenapplaus und stürmisch geforderte Zugaben im ausverkauften Haus.

„Heut werd ich nicht alt” ist noch am 11., 13. und 21. Februar, 1., 7., 20. und 24. März, 1., 5., 18. und 24. April sowie am 9. und 12. Mai in der Kammer im Theater Aachen zu sehen. Infos im Internet.

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