Aachen - Todesengel und Skelette im Kupferstichkabinett

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Todesengel und Skelette im Kupferstichkabinett

Von: Alexander Barth
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44 Grafikblätter: Walter Dohmen (77) stellt im Suermondt-Kabinett aus. Foto: Harald Krömer

Aachen. Den Todesengel hat er lediglich als Künstler vor Augen, und das bereits seit Jahrzehnten. Ansonsten ist Werner Dohmen auch mit 77 Jahren alles andere als ein dem Ruhestand entgegenstrebender Zeitgenosse.

 „Im Gegenteil“, sagt der Mann aus Langerwehe, dessen vielseitiges grafisches Schaffen europaweit einen hervorragenden Ruf genießt. „Stillstand ist der Tod. Ich bin noch immer neugierig und willig, zu arbeiten und zu entdecken.“ Einen Überblick über Dohmens Schaffen der vergangenen fünf Jahrzehnte liefert ab morgen eine Schau im Kupferstichkabinett des Aachener Suermondt-Ludwig-Museums.

Neben besagtem Todesengel finden sich auf den 44 Grafikblättern, die als frischer Ankauf die Sammlung des Museums erweitern, auch zahlreiche weitere wiederkehrende Motive und Techniken, die Dohmen seit den 1970er Jahren in sein breites Spektrum eingepflegt hat.

Menschliche Figuren spielen eine zentrale Rolle in Dohmens Form- und Bildsprache, mal mehr, mal weniger abstrakt und abgründig. Ihnen nähert sich der diplomierte Designer, der auch als Lehrer an Dürener Schulen arbeitete, seit jeher vor allem auf experimentellen Pfaden – etwa dann, wenn er die wenig bekannte Tiefdruck-Technik der Collagrafie einsetzt oder seine Kenntnisse in der Papierherstellung zum Trage kommen. Dohmens auf anatomischen Röntgenbildern basierende Skelett-Grafiken sind ein Hingucker im Kabinett. „Ich stelle Empfindungen dar“, sagt Dohmen. „Realität interessiert mich dabei nicht, nur der Charakter des Inneren.“

Nicht nur als Künstler, auch als Bewahrer rarer Arbeitsweisen komme Dohmen eine besondere Stellung in der zeitgenössischen Künstlerschaft zu, sagt Dagmar Preising, als Kuratorin für die Auswahl der Ankäufe und damit auch für die Ausstellung verantwortlich: „Er ist einer von ganz wenigen, die heute den Kupferstich auf hohem Niveau beherrschen.“

Der Titel „Arbeiten auf Papier aus fünf Jahrzehnten“ deutet schlicht wie treffend auf das breite Spektrum der Ankäufe hin, möglich gemacht durch Unterstützung der Heinz-Heinrichs-Gedächtnisstiftung und des Museumsvereins Aachen. Zur Schau erscheint ein Katalog mit 20 ganzseitigen Abbildungen (für sieben Euro an der Museumskasse). Am Sonntag, 9. September, 12 Uhr, findet ein Künstlergespräch statt.

 

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