Aachen - Tief verwurzelt in Russlands Mythen- und Märchenwelt

Tief verwurzelt in Russlands Mythen- und Märchenwelt

Von: Pedro Obiera
Letzte Aktualisierung:
4657315.jpg
Unprätentiös: Rufus Beck und das Aachener Sinfonieorchester. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Mit „Russischen Weihnachten“ gab Kazem Abdullah, der amerikanische Generalmusikdirektor des Aachener Sinfonieorchesters, seinen Einstand beim traditionellen Weihnachtskonzerts „Gold und Silber“, mit dem sich auch diesmal der schütter geschmückte Eurogress zwei Mal füllen ließ. Dass sich nach dem Stabwechsel manches ändern würde, war nicht nur zu erwarten, sondern ist für jeden zünftigen Neuanfang unverzichtbar.

Dass man auf Marcus Boschs „Leitmotive“, die Ouvertüre und den Abendsegen aus Humperdincks Oper „Hänsel und Gretel“, verzichten muss, lässt sich verschmerzen. Schließlich können diese beiden Schmankerln derzeit im Theater im Kontext der gesamten Oper genossen werden. Ungewöhnlich dagegen die fehlende direkte Ansprache ans Publikum. Erst im Zugabenteil wandte sich Abdullah an die Hörer, um ihnen ein frohes Fest zu wünschen. Ansonsten lief das gut zweistündige Programm ohne Moderation und damit etwas unpersönlich ab, auch wenn die Programmgestaltung besonders viele Worte überflüssig machte. Denn kein bunter Strauß aus allen Gefilden der Musik erwartete den Hörer, sondern ein klug zusammengestellter Zyklus von Musikstücken, die sich um die zentrale Weihnachtsgeschichte, Nikolai Gogols Erzählung „Die Nacht vor Weihnachten“, rankte. Der vielseitige Schauspieler Rufus Beck nahm in kariertem Zwirn gelassen im Sessel Platz und sprach ebenso unprätentiös wie deutlich.

Peter Tschaikowsky und Nikolai Rimski-Korsakow haben die in der Ukraine angesiedelte Geschichte, die tief in die Mythen- und Märchenwelt Russlands eindringt, zu hierzulande wenig bekannten Opern verarbeitet, „Die Pantöffelchen“ beziehungsweise „Sonnwendnacht“, die auch unter dem Titel „Die Weihnacht“ kursiert. Abdullah stellte Instrumentalstücke, also Ouvertüren, Tänze und Zwischenspiele sowie zwei Arien zu einem stilistisch recht einheitlichen Reigen zusammen, ergänzt durch ein paar Takte aus Dvoáks Achter Symphonie und zwei Weihnachtsliedern, bei denen das Publikum mitsingen durfte.

Ein Problem bereitete allerdings die reichlich eingestreute Musik zu Tschaikowskys „Pantöffelchen“, die nicht unbedingt zu den inspiriertesten Partituren des Komponisten zählt. Rimskis „Sonnwendnacht“ klang durchweg origineller. Es ist bezeichnend, dass ausgerechnet ein „Fremdkörper“ wie der „Tanz der Spielleute“ aus Rimski-Korsakows Oper „Schneeflöckchen“ den stärksten Eindruck hinterließ. Die enge Verknüpfung der Musik zur literarischen Vorlage muss sich nicht immer als ideal erweisen. Da darf man sich nicht scheuen, das Repertoire wie den nicht vorhandenen Weihnachtsbaum zu plündern, um für eine angemessene Stimmung zu sorgen.

Irina Popova erwies sich als exzellente Interpretin der beiden emotional anrührenden Arien aus Rimskis „Sonnwendnacht“. Inter-essant, dass ihre Stimme im russischen Repertoire erheblich ruhiger ansprach als im Medley des Zugabenteils, das vier beliebte Weihnachtslieder vereinigte. Auch hier durfte mitgesungen wurden. Und die Chance ließ sich das freundlich gestimmte Publikum nicht entgehen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert