Aachen - Thomas Beaujean verabschiedet sich als Leiter der Cappella Aquensis

WirHier Freisteller

Thomas Beaujean verabschiedet sich als Leiter der Cappella Aquensis

Von: Sabine Rother
Letzte Aktualisierung:
15755894.jpg
Der Dom ist ein wichtiger Ort für ihn: Hier hat Thomas Beaujean seine Leidenschaft für den Gesang entdeckt. Nach 40 Jahren Cappella Aquensis gibt er nun die Leitung des Chores ab. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Stets korrekt, sicher auf künstlerischem Parkett, eine selbstbewusste Erscheinung, hochmusikalisch – wer Thomas Beaujean (71) als Dirigent seines Aachener Chors Cappella Aquensis erlebt, ist überzeugt von der Kompetenz und Erfahrung dieses Mannes. Selbstzweifel? Niemals! „Oh doch“, lächelt der Chor- und Orchesterleiter nachdenklich.

„Ich habe immer wieder nach neuen, besseren Formen gesucht. Und manche Leute haben mich tatsächlich für arrogant gehalten“, sagt er.

Wenn das Konzert der Cappella Aquensis am Sonntag, 3. Dezember, in der Kirche St. Michael verklungen ist, hat das Ensemble sein Abschiedsgeschenk „überreicht“. Nach 40 wechselvollen Jahren gibt Thomas Beaujean die Leitung der Chores ab, den er stark geprägt hat. Ulrich Brassek (53), Lehrer für Musik und Deutsch sowie Leiter der Big Band des Aachener Pius-Gymnasiums, wird die Cappella Aquensis als Chorleiter übernehmen. „Mein Wunschkandidat“, versichert Beaujean.

Der geborene Aachener, Jahrgang 1946, Knabe im Domchor, Kind musikalischer Eltern und einer unter vier Brüdern, sagt offen: „Ich liebe diese Stadt mit allen Schwächen, die sie hat.“ Auch Vater und Großvater haben bereits im Domchor gesungen – Familientradition eben. Für ihn stand sehr früh fest, dass er beruflich etwas mit Musik zu tun haben wollte. „Meine Begabung war einseitig, obwohl mich romanische Sprachen bis heute faszinieren.“ Neben der Musik hat er Französisch studiert – aus Neigung und aus Vernunft, im Hinblick auf eine mögliche Tätigkeit als Lehrer. Schnell wurde klar, dass die Schule nicht sein Traumziel sein würde, obwohl er später die Aachener Musikschule 16 Jahre lang leiten sollte. Aber da ging es ja um den musikalischen Nachwuchs, der ihm am Herzen liegt.

„Ich liebte die Gemeinschaft im Chor, das war für mich etwas ganz Besonderes, aber zunächst habe ich das Aachener Kammerorchester, heute Euro-Kammerorchester gegründet, später dann den Aachener Kammerchor“, erzählt er rückblickend. Sein Vater Alfred Beaujean, der seit 1962 Musikkritiker unserer Zeitung war, stellte höchste Ansprüche an sich und den Sohn. „Das war nicht leicht“, erinnert sich Thomas Beaujean an das erste von ihm mit der Cappella Aquensis erarbeitete Oratorium – Georg Friedrich Händels „Messias“ in der Kirche St. Paul. „Nach dem Konzert kam er nicht, um mir zu gratulieren. Am nächsten Tag stand er vor mir und meinte: ,Das war eine hochvirtuose Angelegenheit, die mich kalt gelassen hat bis in die Füße.‘ Ich war total betroffen.“

Als er den Mitschnitt der Aufführung abhörte, wusste er, dass es stimmte, dass alle Tempi zu schnell waren. Er entwickelte mit dem Chor einen völlig neuen „Messias“, der den Papa beeindruckte. Über 25 Chorwerke sollten es in 40 Jahren werden, darunter größte Herausforderungen wie Johann Sebastian Bachs h-Moll-Messe oder Felix Mendelsohn-Bartholdys „Elias“, ungezählte A-cappella-Konzerte, Weihnachtskonzerte mit Chor und Kammerorchester.

Wie kam er zur Cappella Aquensis, jenem Chor von Sängerinnen und Sängern, die sich 1963 vom Domchor getrennt hatten, weil dort nach einem Kapellmeister-Wechsel die Arbeit mit Knabenstimmen Priorität gewonnen hatte? Hier spielte das Schicksal mit. Als Beaujean sein Weihnachtskonzert 1976 plante, wollte er eine Bach-Kantate integrieren. Wer sollte singen? „Ich traf Leo Hugot, den damaligen Dombaumeister, Vorsitzender des 1963 gegründeten Vereins Cappella Aquensis.“

Die Zusammenarbeit klappte so gut, dass der Verein Beaujean die Cappella Aquensis antrug. Er sagte zu. „Nach den häufigen Leitungswechseln dort ließ die Ordnung zu wünschen übrig“, erinnert sich Beaujean. Die Mitglieder waren unpünktlich und plauderten gern während einer Probe. Unmöglich für ihn, der auf Disziplin bestand. Er war fachlich der Richtige, kannte die sakrale Tradition des Domchors und hatte bei seinem Studium der Chor- und Orchesterleitung andere Musikrichtungen kennengelernt.

Das Repertoire der Cappella Aquensis wuchs. 1979 zeichnete die Stadt den aufstrebenden Chorleiter mit dem Förderpreis aus, man feierte Erfolge. „Ohne meinen Vorstand, der mir bis heute so unglaublich viel abnimmt, hätte ich das gar nicht bewältigt“, sagt Beaujean. „Da bin ich sehr dankbar.“

Eine Krise gab es noch, als man die Altersgrenze einführte, 72 Jahre bei Männern, 70 Jahre bei Frauen. Und nun ist Beaujean selbst 71 Jahre alt. „Nur konsequent, dass ich gehe“, lächelt er. Wandern und Sport wird er intensivieren. Auch seine Tätigkeit als Musikkritiker – etwa bei Chorkonzerten, die bisher tabu waren.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert