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Theater Aachen startet mit Lessings „Nathan”

Von: Eckhard Hoog
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Er hält Lessings „Nathan der Weise” für aktueller denn je: Ludger Engels, Chefregisseur am Theater Aachen. Foto: Harald Krömer

Aachen. Ein Jude steht wie erstarrt vor den gewaltigen Blöcken der Klagemauer und senkt den Kopf, offenbar zum Gebet - ist wieder etwas Schreckliches geschehen? Ein Bild, das wie ein Schlaglicht all das ins Gedächtnis ruft, was man mit dem Namen Jerusalem verbindet: religiöse und politische Konflikte, Fundamentalismus, Anschläge und ganz allgemein: Gefahr.

Das Foto ziert die Einladungskarte zu Lessings „Nathan der Weise” im Theater Aachen, die Premiere ist heute um 19.30 Uhr. Wir sprachen mit Chefregisseur Ludger Engels über die Inszenierung, die im Schauspiel die neue Saison einläutet.

„Krise! Welche Krise?” So lautet das Motto der Spielzeit 2009/2010, da lag es sehr nahe, sich dieser „Urkrise” Naher Osten zu nähern, sagt Engels. Wobei mit der Wahl von „Nathan” zugleich die Vorstellung eine Rolle spielte, das Klassikerfach zu bedienen - die Deutschlehrer dürften sich freuen.

Aber Engels graust es immer noch bei der Erinnerung an die eigene Schulzeit, als ihm das Stück wie ein „Brocken” vorkam, an dem die deutsche Aufklärung „abgearbeitet” wurde. „Dabei ist es doch eigentlich ganz aktuell.”

Im Kern geht es für ihn um jene „Riesenutopie”, die der „Individualist” Lessing so bahnbrechend formuliert hat: die Idee, „dass wir alle Brüder und Schwester sind, unabhängig vom Glauben”, und den ideellen Wert der Toleranz.

Die politische Situation und die Atmosphäre im Jerusalem des Jahres 1191 betrachtet Engels mit den Augen des heutigen Zeitgenossen. „Die politische Situation ist die, dass Saladin die Christen besiegt hat und eigentlich liberal regieren will, er aber unter Finanzdruck steht.” Er lässt Nathan zu sich rufen - bei dem löst das eine Menge „Stress” aus.

„Gestapo, Abtransport” - das sind die Assoziationen, die Engels mit dieser Situation verbindet. Und er erzählt, dass eine Kollegin aus dem Schauspiel jüngst in Isreal zu Besuch war und am eigenen Leib erfahren hat, wie sich das Leben unter ständiger Gefahr und Bedrohung abspielt. Die lässig an eine Wand gelehnte junge Frau mit der Maschinenpistole im Anschlag gehört dort zum ganz normalen Alltag...

Von all dem steckt nach dem Empfinden des Regisseurs und seiner Dramaturgin Sibille Hüholt viel in Lessings „Nathan”. Vor allem die Erkenntnis, „dass jeder für sich Entscheidungen treffen muss für sein Handeln und die Verantwortung nicht abschieben kann auf andere oder den Glauben”.

Beliebtes Urgestein Heino Cohrs übrigens spielt den Klosterbruder.

„Nathan der Weise” im Theater Aachen, Premiere ist heute, 19.30 Uhr. Dauer: etwa drei Stunden. Nächste Aufführungen: 19., 23. und 26. September.

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