Aachen - Theater Aachen: Premiere von „Verrücktes Blut”

Theater Aachen: Premiere von „Verrücktes Blut”

Von: hjd
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Bildung muss lebendig sein: In
Bildung muss lebendig sein: Inge Zeppenfeld, Chefdramaturgin am Theater Aachen. Foto: H. Krömer

Aachen. Auf dem Cover des Magazins zur aktuellen Spielzeit sieht man den Platz vor dem Theater Aachen. Wahrscheinlich ist gerade Pause; Menschen, die sich unterhalten, stehen im und vor dem Haus - erhellt vom Licht (der Erleuchtung?), das aus dem Theater auf sie fällt.

„Bewegung in der Mitte” ist zu lesen - das Motto der Spielzeit. So hätten es die Theaterleute gern: im Gespräch sein in der Stadt, mittendrin statt nur dabei - und das nicht nur geografisch. Das funktioniert mal besser, mal nicht.

Inge Zeppenfeld hat den Eindruck, dass es gerade besser funktioniert; die Chefdramaturgin und stellvertretende Intendantin versichert, dass sie das nicht von Berufs wegen sagt. Ob Werner Schwabs Kaffeekränzchen-Farce „Die Präsidentinnen” oder die Adaption von Wolfgang Herrndorfs Roman „Tschick”: „Die Leute in der Stadt sprechen uns an auf die Themen, die wir verhandeln - und wie wir es tun.” Wobei „Tschick” eine besondere Erfolgsgeschichte schreibt: Alle Aufführungen bis Mitte Dezember im Mörgens sind ausverkauft, großes Interesse bei den Schulen - so gelingt es, die Jugend ins Theater zu holen.

Stichwort „Bildungsauftrag”. Ein Begriff, den Inge Zeppenfeld nicht verdammt, sondern mit Leben erfüllen will. Und dabei kann es hoch hergehen. Samstagabend etwa in der Kammer, wenn „Verrücktes Blut” in der Regie von Eike Hannemann Premiere feiert, das Erfolgsstück von Nurkan Erpulat und Jens Hillje. Es spielt mit Klischees und dem Blick des Zuschauers darauf, ist voller Brüche und mit einer Geschichte, die einen starken Sog entwickelt: Schüler mit „postmigrantischem Hintergrund” sollen Schillers „Räuber” lesen - null Bock. Als eine Pistole aus einer Tasche fällt, zwingt die Lehrerin die Schüler mit vorgehaltener Waffe, den Text zu lesen. Kann der Nationaldichter mit seinem Menschenbild, seiner voluminösen Sprache, seinem Sturm- und Drang-Pathos im heutigen Schulalltag noch etwas bewirken? Eine Inszenierung, die auf mehreren Ebenen funktionieren muss und die deshalb für Ensemble, Regie und Dramaturgie besonders knifflig ist. Ein Stoff aber auch, der das Zeug dazu hat, zum Thema bei Facebook zu werden.

Ob das auch Goethes „Iphigenie auf Tauris” schaffen kann, sei dahingestellt. Der Schrecken ganzer Schülergenerationen kommt ab kommenden Donnerstag auf die Bühne des Mörgens, inszeniert von Jörg Reimer. Die Nachfrage bei den Schulen ist enorm, das Stück steht im Curriculum. Nicht jeder wird also freiwillig ins Theater gehen. Aber auch die sollen erleben, verspricht Inge Zeppenfeld, dass ein Stück wie „Iphigenie” noch spannend sein kann.

Wenn es gelingt, würde sich der Bildungsauftrag mit dem Anspruch des Theaters verbinden, mittendrin statt nur dabei zu sein. Und ein bisschen Licht der Erleuchtung hat noch niemand geschadet.
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