Tanz an einem unsichtbaren Seil

Von: Sarah Siemons
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Faszinierend: die Compagnie Carolyn Carlson mit ihrem Stück „Hidden” beim Schrittmacher Festival im Ludwig Forum. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Am Ende war selbst die mitgereiste Choreographin überrascht. „So ein Chaos auf der Bühne hatten wir bislang noch nie”, sagt Carolyn Carlson und lacht. Sie meint die Mulchstücke, die sich während der Vorstellung über den Boden der Mulde im Aachener Ludwig Forum verteilt haben.

Trotzdem - oder gerade deswegen - ist Carlson sehr zufrieden. „Ich lasse meinen Tänzern bewusst einen großen Freiraum, den sie mit ihrer Energie füllen müssen, das hat heute Abend wunderbar funktioniert.”

Am dritten Wochenende des Schrittmacher-Festivals zeigte die Compagnie Carolyn Carlson „Hidden”, ein Tanzquartett des Centre Choreographique National Rubaix Nord-Pas de Calais. Die vier Tänzer, Jacky Berger, Yutaka Nakata, Isida Micani und Chinatsu Kosakatani, begeisterten das Publikum mit ihrer Interpretation des Verborgenen. Denn in „Hidden” steht nicht der Mensch, sondern das Unsichtbare im Vordergrund.

Mit pantomimisch angelehnten Bewegungen formten die Akteure immer wieder ein unsichtbares Seil, um damit eine Schleife in der Luft zu binden, trugen ein kostbares aber nicht sichtbares Kleinod in den Händen oder liefen gegen eine imaginäre Wand.

Begleitet wurden sie dabei von einer Videoinstallation im Hintergrund, die vorbeiziehende Wolken und somit den Lauf der Zeit und die Vergänglichkeit zeigte. Die Musik von Kaija Saariaho verwandelte den Schauplatz mal in eine düstere Szene mit unheimlichen Zischlauten, mal in ein Urwaldlichtung mit dem Gesang der Vögel. Doch hauptsächlich war es der Takt, der von einem melodischen Glockenspiel und dann wieder von schweren Trommeln vorgegeben wurde, der das Stück beherrschte.

Drei rote Hocker, drei blaue Tonnen und grüne Matten dienten den Tänzern in vielen Formen als Requisiten. Die Tanzfläche war zu allen Seiten hin begrenzt durch eine aufgeschüttete Linie aus Mulch, die während der 70-minütigen Vorstellung bewusst überschritten wurde.

Im Anschluss an die Vorstellung lud Carolyn Carlson die Zuschauer noch ein, sich mit ihr über das Stück zu unterhalten.
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