Aachen - Suermondt-Ludwig-Museum zeigt Irene Ludwigs Nachlass

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Suermondt-Ludwig-Museum zeigt Irene Ludwigs Nachlass

Von: Eckhard Hoog
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Aachen. Das Kaminzimmer im Suermondt-Ludwig-Museum bietet seit Mittwoch das repräsentative Ambiente für denjenigen Nachlass-Teil der im vergangenen Jahr verstorbenen Irene Ludwig, den sie ihrer Heimatstadt Aachen zugedacht hat.

Von den insgesamt 47 vererbten Kunstwerken präsentieren Museumsdirektor Peter van den Brink und Restaurator Michael Rief hier bis Mitte Februar 2012 als Gedächtnisausstellung zum ersten Todestag der Mäzenin (28. November) eine übersichtliche Auswahl von rund 30 Objekten. Den materiellen Gesamtwert der 47 Erbstücke beziffert Rief auf 20 Millionen Euro.

Absolutes Spitzenstück ist dabei das Tafelbild „Anbetung der Könige” von einem „Meister der Verherrlichung Mariens” genannten Nachfolger von Stefan Lochner, das zwischen 1480 und 1490 in Köln entstanden ist. Das Werk ist weltbekannt, befindet sich seit 1965 als Dauerleihgabe der Ludwigs im Hause und gilt als eines der Erkennungszeichen des Suermondt-Ludwig-Museums. Was wäre nach dem Tod Irene Ludwigs damit passiert, wenn es nicht als Nachlass-Schenkung an das Museum gegangen wäre? Rief: „Es hätte wohl weiter hier seinen Platz als Dauerleihgabe behalten.” Keine große Änderung also, allein: „Der verwaltungstechnische Umgang mit eigenen Werken ist bedeutend einfacher als mit Dauerleihgaben.”

Die regelmäßige Zustandsbeschreibung für eine Versicherung entfällt zum Beispiel, weil die nicht mehr zwingend nötig ist.
Ähnliches gilt für die „Thronende Madonna” aus dem Umkreis Hans Memlings von 1623, an der das Herz der Sammlerin ganz besonders gehangen haben mag: Ihr Vater Franz Monheim erstand das Werk in den 30er Jahren auf einer Auktion. Überliefert ist die Legende, dass Irene Ludwig das Bild im Rucksack auf dem Fahrrad aus Aachen herausgeschafft hat, um es vor den Bomben zu retten. Wie die anderen „Erbstücke” auch befand es sich bereits seit langem als Dauerleihgabe im Hause.

Auch nach jahrelanger Erfahrung im Umgang mit der Sammlung Ludwig erstaunt Restaurator Rief immer wieder aufs Neue, mit welch traumwandlerischer Sicherheit die Ludwigs immer nur die allerhöchste Qualität erstanden - und vor allem: dass sie selbst die abenteuerlichsten und exotischsten Sammlungsgebiete nicht ausgelassen haben. Rief: „Die sammelten einfach alles!”

So gehören zum Nachlass auch drei Erzbrocken aus dem Bergbau, auf denen versierte Tüftler putzige Häuschen und winzige Männeken aus Silber wie eine frühe Modelllandschaft zusammengebastelt haben. Solche Stücke waren im 18. Jahrhundert in Slowenien vermutlich als Jubiläumsgeschenke für Steiger oder Grubenbesitzer en vogue, genannt „Handstein”.

Erstaunlich auch, was die ganz neuen Dauerleihgaben, soeben von der Ludwig-Stiftung zur Verfügung gestellt, zutage gefördert haben: zum Beispiel ein Orchester aus zwölf kuriosen Figürchen eines Anton Sohn aus Zizenhausen mit einem tönernen Geiger darunter - ein handgroßer David Garrett des Biedermeier.

Die blasebalggroße Zitronenpresse aus Holz, bei der der Saft aus dem Maul einen geschnitzten Schnabeltiers herausläuft, dürfte ebenso kostbar sein wie ein gläserner Stiefel, der beweist, dass das berüchtigte „Stiefelsaufen” in einschlägigen Kreisen bereits im 17. Jahrhundert gang und gäbe war.

An die vergangenen Zeiten, als Aachen noch europaweit einen Ruf als mondänes Bad genoss, erinnert eine Schatulle aus Rubinglas, die man hier im 19. Jahrhundert als Souvenir erwerben konnte: mit eingeschliffenen Ansichten der Stadt, etwa dem Elisenbrunnen. Gleich daneben in der Vitrine: das grüne Modell eines Kachelofens aus der Schweiz, Ende 17. Jahrhundert, und ein Waidbesteck, alpenländisch, 18. Jahrhundert.

Sammeln: Da liegen zwischen Leidenschaft und Besessenheit mitunter nur Nuancen.
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