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Suermondt-Ludwig-Museum: Wundern und Staunen sind angesagt

Von: Eckhard Hoog
Letzte Aktualisierung:
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Was Aachener Bürger im Laufe der Zeit gesammelt und dem Suermondt-Ludwig-Museum gestiftet haben: Das ist ab 7. Dezember auf Dauer in der Ausstellung „Bürgerliche Kunstkammer“ zu sehen – unter anderem 42 Pfeifenton-Gruppen zum Thema „Totentanz“. Michael Rief, der stellvertretende Leiter des Museums, hat die Schau konzipiert. Foto: Harald Krömer

Aachen. Ein grinsender Mann mit wallendem Haar, in Holz geschnitzt, blickt von der Wand und amüsiert sich offenbar königlich – denn keiner weiß, wer er ist. Dagegen ist bestens bekannt, woher die furchterregenden metallenen Mordsmeuchelinstrumente stammen, die ganz in der Nähe des Unbekannten aufgehängt sind: aus dem Kongo.

Links davon prangt das echte Exemplar eines Objektes, das man gänzlich ohne zu beleidigen zu Recht Armleuchter nennen darf. Und über all dieser pittoresken Versammlung von Seltsamkeiten thront ein Haifisch – an Seilchen aufgehängt unter der geschnitzten Kassettendecke.

Wundern und Staunen sind angesagt in der neuen Dauerausstellung des Aachener Suermondt-Ludwig-Museums. Am Mittwoch wurde der zweite Teil der Doppelschau „Weltensammler“ vorgestellt, der erste – frühe naturkundliche Sammlungen – ist bereits seit ein paar Tagen im Couven-Museum am Hühnermarkt zu besichtigen. Die neue „Bürgerliche Kunstkammer“ im Suermondt-Ludwig-Museum wird am 7. Dezember eröffnet.

Die Idee ist acht Jahre alt

Die Idee – bereits vor acht Jahren geboren – ist so frappierend schlicht und naheliegend wie wirkungsvoll in der Ausgestaltung: Tausende Objekte, die weltoffene Aachener Bürger mit dem Eifer von Schmetterlingsfängern im Laufe der Zeit für das Museum ihrer Heimatstadt zusammengetragen haben, schlummern bislang im Kellerdepot. Dabei bilden sie doch eine buchstäblich begeh- und greifbare Enzyklopädie – und letztlich die Wurzeln und den Grundstock des Hauses als Resultat und Ausdruck bürgerlichen Engagements.

Als Erster stiftete der Utrechter Bankier Barthold Suermondt dem 1877 gegründeten Museumsverein eine Sammlung von 104 Gemälden. Ihm folgten zahlreiche weitere Stifter mit ihren großzügigen und mitunter ziemlich skurrilen Gaben, ehe Peter und Irene Ludwig 1977 die ganze Abteilung der städtischen kunsthandwerklichen Kollektion mit ihrer Schenkung auf ein bis dato unerreichtes internationales Niveau anhoben. Sie sammelten nur das Feinste vom Feinsten.

Eine der größten Sammlungen

„Wir verfügen über eine der größten kommunalen Sammlungen in ganz Deutschland“, erklärt Michael Rief, stellvertretender Leiter des Museums, der die Ausstellung „Bürgerliche Kunstkammer“ zusammengestellt hat. Im Keller ist er reichlich fündig geworden – wie groß die Zahl der Exponate geworden ist, da kann er nur mit den Schultern zucken. „Vielleicht tausend.“

Fast unzählbar ist die Fülle an Schätzchen, die nun im Straßensaal des Hauses im ersten Obergeschoss zu ihrem Recht gelangen. „Das ist ein niederschwelliger Einstieg ins Museum“, sagt Rief. „Man muss nichts wissen.“ Die Objekte sprechen für sich – wobei der Kurator gerne zugibt, dass er bei manchem Stück selbst nicht weiß, um was es sich überhaupt handelt. „Bei ostasiatischer Kunst muss ich wirklich passen“, meint er. Jetzt hofft er gewissermaßen auf den „Publikumsjoker“ – auf sachverständige Besucher, die ihm auf die Sprünge helfen können.

Die Wurfeisen und Kurzschwerter, mit denen man sich im Kongo um die Ecke zu bringen pflegte, brachte der Aachener Kaufmann Alfred Coumont Ende des 19. Jahrhunderts als Souvenirs mit, die er dann dem Museum schenkte. Der vermutlich älteste Hundemaulkorb Europas besteht aus Eisen und stammt aus Tirol, um 1500 in spätgotischem Stile gewirkt.

Des Menschen Einfallsreichtum ist so grenzenlos wie gelegentlich absonderlich: Ausgerechnet in einer Hummerschere, Hinterlassenschaft eines Mordsviehs von Krabbe, mit angebrachtem Drehverschluss bewahrte ein Jäger das Pulver für seine Flinte auf. Mangels der noch nicht erfundenen Plastikdose trug der Weidmann sein explosives Zubehör im Hirsch- oder Kuhhorn, in Glas-, Leder-, Kürbis- oder Kokosnussbehältnissen mit sich. All das findet sich wohlsortiert und nach Themen gruppiert, die noch ausgeweitet werden sollen – „Afrika“ zum Beispiel oder auch „Versteckte Botschaften der Liebe“.

Und so gesellt sich zu der gerade vom Hausmeister entdeckten über 2000 Jahre alten Falkenmumie (wir berichteten) eine altägyptische Frauenmumie, bei der es sich garantiert nicht um Nofretete handeln soll.

Das allerkostbarste Stück des gesamten Museums darf im Übrigen nicht fehlen: der Lobkowitzsche Kaiserpokal, wie vieles andere auch eine Dauerleihgabe der Peter und Irene Ludwig Stiftung. Kaiser Ferdinand III. hatten den Prunkpokal in Auftrag gegeben. Der gelangte in den Besitz seines Ministers, des Fürsten Wenzel Eusebius von Lobkowitz (1609-1677). Der Witz bei dem Stück: Alle 144 römischen Kaiser bis zu Caesar sind als Mikroschnitzereien in grünem Speckstein porträtiert.

Der Pokal muss die Ludwigs eine Unmenge gekostet haben. Eine Großzügigkeit gegenüber dem Haus, die jetzt von der Peter und Irene Ludwig Stiftung fortgesetzt wird: Deren Geschäftsführerin Brigitte Franzen hatte dafür gesorgt, die Ausstellung „Bürgerliche Kunstkammer“ mit einem „wahnsinnig hohen Betrag“ (Rief) zu unterstützen.

Der Kurator hatte noch versucht, die Kollektion um einen eigenen Beitrag zu bereichern: der Ersteigerung einer Colaflasche von 1934 bei Ebay. Aber: „Bei 600 Euro habe ich aufgegeben.“

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