Köln - Starke Bilder, unbändige Energie: „Balè de Rua”

Starke Bilder, unbändige Energie: „Balè de Rua”

Von: Susanne Schramm
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Vielfalt in Ausdruck und Stil: „Balé de Rua”, die Tanzgruppe aus Brasilien, in der Kölner Philharmonie. Foto: dpa

Köln. Im Licht der Scheinwerfer glitzert der Schweiß auf muskulösen Körpern. Die Tänzer sind ununterbrochen in Bewegung. Sie springen, wirbeln um die eigene Achse, sausen wie Pfeile durch die Luft, abgeschnellt von einem unsichtbaren Bogen. Jeder Zoll ist Kraft, Energie und Spannung.

„Balé de Rua”, Ballett von der Straße, nennt sich das Ensemble, das 1992 in der Stadt Uberlandia im Südosten Brasiliens gegründet wurde und nun das 22. Kölner Sommerfestival in der Kölner Philharmonie eröffnete.

Was zugleich eine Deutschlandpremiere war, vermochte mehr, als nur zu überzeugen. Das „Balé de Rua” ist außerordentlich. Und die Show „The Beats from Brasil” ein furioses, mitreißendes Erlebnis. Elf Tänzer, eine Tänzerin und drei Percussionisten erzählen in starken Bildern die Geschichte ihrer Heimat. Sie entführen in elegante Clubs, wo man weiße Hüte zu weißen Anzügen trägt.

In den religiösen Schmelztiegel von Katholizismus, afrikanischer Götter-Verehrung und indianischem Brauchtum. Und unter die Planken der Schiffe, die einst die Sklaven aus Guinea und aus dem Sudan in die portugiesische Kolonie brachten, um Zuckerrohr zu ernten und später in den Gold- und Silberminen zu schuften. Zwischen Leid und Lebensfreude, Ketten und Karneval, ritueller Beschwörung und rasendem Rhythmus schlägt das Herz Brasiliens.

Das „Balé de Rua” kombiniert Samba und Capoeira, HipHop und Breakdance, Akrobatik und Modern Dance. Die Leichtigkeit von „Brazil” trifft auf den Ernst des „Ave Maria” und die Wut eines selbst geschriebenen Rap-Songs. Die Energie der Compagnie ist unbändig, das, was sie leistet, fast übermenschlich. „The Beats From Brazil” kommt mit wenigen Requisiten aus. Im Hintergrund steht ein Gerüst mit Plattformen auf mehreren Ebenen, mit Platz für die Percussionisten ganz unten.

Für Farbtupfer sorgen die Kostüme, riesige Papierblumen oder die rote, grüne, blaue und gelbe Paste, die in Eimern herbeigebracht und auf die Körper der Tänzer aufgetragen wird, wo sie sich mit dem Schweiß zu bunten Schlieren vermischt. Aus Tänzern werden Krieger, Fabelwesen aus einer anderen Welt, archaische Kreaturen, die sich am Boden krümmen, winden und zucken.

Flache Blechschüsseln mutieren zu Booten, schwarze Bänder verwandeln sich in Fesseln, der Bühnenboden glüht, so wie dereinst der Asphalt, auf den Straßen von Uberlandia auf den Sambatänzer, Schweißer und Schreiner, Hilfsarbeiter, Hausgehilfen und HipHopper mit den Füßen einhämmerten und -traten, weil sie es satt waren, von einem besseren Leben immer nur zu träumen. Heute gibt es dort das „Balé de Rua Cultural Center”, wo mehr als 160 Jugendliche eine fundierte Tanzausbildung erhalten, und damit die Option auf eine Zukunft.

Mit einer atemberaubenden Choreografie unter Schwarzlicht endet der Abend in der Philharmonie nach 80 Minuten (ohne Pause). Zeit, die wie im Flug vergangen ist, die nach Zugaben schreit, sie erhält und mit Standing Ovations belohnt wird.

„Balé de Rua - The Beats from Brasil” ist noch bis zum 12. Juli in der Philharmonie Köln zu sehen. Vorstellungen: dienstags bis sonntags 20 Uhr, samstags und sonntags zusätzlich 14 Uhr.

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