Star-Geiger: „Das Allerallerwichtigste ist die Musik“

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„Kreativität kommt nur dann, wenn du die Freiheit hast, spontan zu agieren“: David Garrett mit Geige in Düsseldorf. Foto: dpa

Düsseldorf/Aachen. David Garrett ist platt. Fast an jedem Abend tritt er derzeit mit dem Verbier Festival Chamber Orchestra in einer anderen Stadt auf. Fast alles ausverkauft – wie das Konzert am Freitag in der Kölner Philharmonie.

Immerhin zuckert der First-Class-Blick von der Terrasse des Hyatt in den Düsseldorfer Hafen seine Stimmung etwas auf. Der Star-Geiger geht also den Pressetermin zur Cross-over-Tour im Oktober routiniert an. Seine Stradivari packt der 33-Jährige für die Fotografen lässig vors Designer-T-Shirt, zeigt sein Lächeln und die aktuellen Klunker. Eine halbe Stunde gewährt der „Teufelsgeiger“ der schreibenden Zunft. Schließlich will er noch ein bisschen Ausruhen vorm Auftritt in Düsseldorf. Unser Mitarbeiter Armin Kaumanns fragt nach.

Wie halten Sie’s mit dem Üben, Herr Garrett?

Garrett: Vor den Konzerten nehme ich mir immer etwas Zeit für Tonleitern zum Warmspielen, Dreiklänge, ein paar Passagen aus den schwierigen Stücken. Langsam spielen. Das ist reine Konzentrationssache: Körper und Geist noch mal in Einklang bringen. Vor der Tour aber, und da gibt es fast keinen Unterschied zwischen Klassik und Cross-over, heißt das vom Geigerischen her: üben, üben, üben. Da kannst du mich nachts um drei Uhr wecken und ich kann dir alles sofort vorspielen. Perfekte Vorbereitung ist das A und O, um sich auf der Bühne wohl zu fühlen. Denn im Endeffekt kommt die Kreativität nur dann, wenn du die Freiheit hast, spontan zu agieren.

Was haben die Cross-over-Fans für Oktober zu erwarten?

Garrett: Das Allerallerwichtigste ist die Musik. Alles ergibt sich aus dem, was man sich musikalisch vornimmt. Es wird also wieder 50 Prozent brandneues Material geben, 20 Prozent Sachen, die die Leute gern hören, und etwa 30 Prozent vom letzten Album.

Steht das Programm?

Garrett: In meinem Kopf: ja. Aber ich hab es noch niemandem erzählt. Viele werden ihre Überraschung erleben. Sicher ist: Es gibt wieder das große Orchester und das deutsche Fernseh-Ballett. Und natürlich meine Band. Plan ist natürlich, zusammen mit der Musik ein Produkt abzuliefern, das das Konzert bereichert. Aber was auch immer gemacht wird: Es darf die Musik nicht beeinträchtigen. Da bin ich ganz klar im Herzen Klassiker.

Wann beginnen die Proben?

Garrett: Wenn es nicht mehr anders geht. Dann trommle ich alle zusammen. Ich mache das ja schon ein paar Jahre. Dann trage ich meine Ideen vor, dann geht’s an die Arbeit. Ich glaube daran: Wenn das von dir selber kommt, dann lebst du das auch ganz anders auf der Bühne. Je mehr Authentizität das Programm widerspiegelt, desto mehr mögen das die Leute.

Also alles ist Ihr Werk?

Garrett: Ja, aber ich habe zwei sehr, sehr gute Partner. Mit denen habe ich viel in der Vergangenheit zusammengearbeitet. Wir sind sehr gute Freunde geworden. Es geht immer damit los, dass ich das Stück toll finden muss. Das ist das Wesentliche. Dann kommen Fragen wie: Ist die Melodie für das Instrument geeignet, kann man da noch irgendetwas harmonisch verändern, etwas Unerwartetes hinzufügen. Was ich dann immer gern mache, ist: Geige und Klavier. Danach habe ich dann ein Gerüst. Und danach geht’s zusammen an die Details.

Ihre Cross-over-Konzerte versammeln immer einen fröhlichen Mix von Stilen und Epochen. Steckt da eine Idee dahinter?

Garrett: Diesen Mix hast du in der Klassik doch auch. Der große Gedanke ist, dass das alles für mich tolle Musik ist. Und unsere Arrangements verbinden die Stile miteinander, damit es rund wird.

Stellen Sie sich vor, ob die Leute das gut finden?

Garrett: Darum geht’s mir überhaupt nicht! Ich will vor allem eine gute Zeit auf der Bühne haben. Ich denke immer, man muss Spaß an dem haben, was man macht. Wenn man Spaß hat, ist es einem egal, was das Publikum denkt. Das, was ich auf der Bühne empfinde, mache ich für mich. Meine Erfahrung allerdings ist, dass die Leute meine Natürlichkeit mögen. Ich habe das vor vielen, vielen Jahren mal erlebt: Wenn man zu sehr versucht, das Publikum um den Finger zu wickeln, das geht nach hinten los. Und das ist in der Musik wie im Leben.

Das hört sich an, als seien Ihre Konzerte so etwas wie Ihr Leben?

Garrett: Das stimmt. Sie sind mein Leben.

Machen Sie mal Urlaub?

Garrett: Ja, denn irgendwann ist sonst die Batterie leer. Im Endeffekt ist der Urlaub ja nur ein Schutz, dass ich das alles nicht irgendwann nicht mehr machen kann. Ich muss ja intelligent an meinen Beruf und mein Leben herangehen. Ohne Auszeiten geht das nicht.

Sind Sie ein Meer- oder ein Berg-Typ?

Garrett: Ich glaube, je älter ich werde, desto schöner erscheinen mir die Berge. Ich liebe ja das Gefühl, dass man die Wichtigkeit aus sich herausnimmt. Natur ist für mich faszinierend und weckt meine Kreativität.

Wo fühlen Sie sich richtig zu Hause?

Garrett: In der Hauptstadt Berlin, in New York, bei meinen Freunden. Und in vielen Hotels dieser Welt.

Und wie steht’s mit Ihrer Heimatstadt Aachen, Ihren Eltern?

Garrett: Das mit den Eltern ist super. Ich komme leider nicht so oft an Aachen vorbei. Ich bin gerne da, aber selten. Weihnachten machen wie das seit langem so, dass wir entweder in Berlin feiern oder in New York, da wohnt inzwischen ja auch mein Bruder.

Welche Ziele haben Sie noch?

Garrett: Es gibt schon noch ein paar musikalische Ziele. Da ist die nächste Platte, um die ich mir Gedanken mache. Und die nächste Tournee. Da geht es um Konzepte, Arrangements. Das sind alles so kleine Etappenziele. Für die Herbst-Tour habe ich mir vorgenommen, etwas zu zeigen, was überraschend ist, was es so noch nicht von mir gab.

Wo sehen Sie sich denn in fünf Jahren?

Garrett: Keine Ahnung. Ich denke an morgen, übermorgen. Das reicht mir.

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