Spielarten der Macht im Fokus

Von: Sabine Rother
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Aachen. Sie sind berührend, heftig, empörend - und ganz besonders erschüttert die Tatsache, dass es sich bei jedem dieser zehn Filme um einen Teil unserer Lebensrealität handelt: „Über Macht” nennen „dieGesellschafter.de”, eine Initiative der Aktion Mensch, ihr bundesweites Filmfestival, das 13 Beiträge zu den „Spielarten” der Macht zusammengestellt hat.

Zehn davon sind im Aachener Kino Cineplex vom 23. bis 29. April zu sehen (Eintritt 6/erm. 5 Euro pro Film, Schülervorstellung am 24. April, 11 Uhr, 3,90 Euro.)

Um die Zuschauer mit den brisanten Inhalten nicht allein zu lassen, gibt es zu jedem Film einen kompetenten Partner. „Wir sind sehr froh, dass hier so viele Organisationen bereit sind, mitzuwirken”, betont Birgitta Hollmann vom „Welthaus”. In Kooperation mit dem Theater Aachen blickt man so hinter die Kulissen eines weltberühmten Politikers: „Citizen Havel” erzählt, wie aus dem Dissidenten ein Präsident „gemacht” wurde.

Nur einen Tag später (25. April) gibt es im Theater Aachen die deutsche Erstaufführung von Vaclav Havels Stück „Abgang” - und er wird persönlich zur Premiere kommen. „Der Film ist das schonungsloseste Politikerporträt, das es je gab”, urteilt Dramaturgin Ann-Marie Arioli.

Frankreichs Studenten

Nicht nur um die Politik eines Landes - diesmal Frankreich - geht es in „Streik(T)Raum”, einem Film zu den Studentenunruhen, die 2006 ein geplantes Gesetz auslöste: Die Regierung wollte beschließen, dass Berufsanfänger in den ersten zwei Jahren fristlos entlassen werden können. Doch wie organisiert man den Widerstand? Der Film rückt ganz nah heran an Barrikaden und Brötchenpausen.

In nächster Nähe liegt die Thematik, um die sich das Bildungswerk Aachen bei „Faustrecht” kümmert. „Es geht um Jugendliche, die kaum noch merken, wie gewalttätig sie sind”, erläutert Alfons Döhler. „Wir kennen das aus der Praxis, schließlich bieten wir auch Anti-Gewalttraining an und wünschen uns, dass sich noch mehr Schulklassen zu dem Film anmelden.”

Ansprechpartnerinnen sind gleichfalls wichtig zu „Dünne Mädchen”, einem Film über machtsüchtige junge Frauen, über Gesellschaft und Unterdrückung von Weiblichkeit. „Die Schuld, eine Frau zu sein” lenkt den Blick bis nach Pakistan, wo es bis heute „Stammesgerichtsbarkeit” lebt, in der Frauen weder Opferschutz noch sonst ein Recht haben. „Frauen werden behandelt wie geschlachtete Hühner”, berichtet Michael Beck von Amnesty International. Und noch eine Macht: Wie zerstörerisch Psychopharmaka sein können, hat die Regisseurin Sandrine Bonnaire dokumentiert. „Ihr Name ist Sabine” widmet sich als Eröffnungsfilm ihrer autistischen Schwester.

Geld und Macht - das sind nahezu Synonyme, wenn man sich bei „Manda Bala” die brutalen Techniken von Geldwäsche und Profitgier mittels einer Froschfarm in Brasilien betrachtet, oder den diktatorischen Irrsinn, der in Turkmenistan Realität war, wo ein Diktator einen extremen Personenkult zur Staatsreligion erhoben hat. „Ruhnama - Im Schatten des heiligen Buches” erzählt eine unglaubliche Geschichte, in der nicht zuletzt westliche Unternehmen eine Rolle spielen.

Machtausübung mittels Biotechnologie spielt in „Monsanto, mit Gift und Genen” die erschreckende Hauptrolle. Die umfassende Recherche von Marie-Monique Robins zu den Bestrebungen, weltweite Macht rund um die Ernährung zu erlangen, gibt Anlass zum (nicht nur filmischen) Nachdenken. Skurril, aber nicht minder heftig ist schließlich die wahre Geschichte über einen Performance-Künstler in Amerika, der aus künstlerischem Impuls Bakterienkulturen züchtet...

Zehn Filme bieten im Cineplex ein breites Spektrum zum Thema

„Über Macht”, 23. bis 29. April in Aachen, Cineplex, Kapuzinerkarree.

Veranstalter: dieGesellschafter.de, Initiative der Aktion Mensch in Zusammenarbeit mit Partnern, die Gesprächsrunden bieten.

Programm: 23, April, 19.45 Uhr, „Ihr Name ist Sabine”, von S. Bonnaire (Foto, Lebenshilfe Aachen).

24. April, 11 Uhr, „Faustrecht” (Bildungswerk Aachen); 19.45 Uhr, „Manda Bala - Send A Bullet” (Attac Aachen).

26. April, 17 Uhr, „Die dünnen Mädchen” (WABe, Dikaonisches Netzwerk Aachen, Betroffene).

19.45 Uhr, „Citizen Havel” (Theater Aachen, Gast ist das Ensemble von „Abgang”, Stück von Vaclav Havel, das am 25. April im Theater Premiere hat).

27. April, 17 Uhr, „Streik(T)raum” (VHS Aachen); 19.45 Uhr, „Monsanto, mit Gift und Genen” (Greenpeace Aachen).

28. April, 17 Uhr, „Strange Culture”; 19.45 Uhr, „Ruhnama - Im Schatten des heiligen Buches” (Eine Welt Forum Aachen).

29. April, 19.45 Uhr, „Die Schuld, eine Frau zu sein” (Stadt Aachen, Gleichstellungsbeauftragte).
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