Spiel-Ausstellung: Wenn das Kardinal Meisner wüsste!

Von: Christoph Driessen
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Alte und sakrale trifft zeitgenössische Kunst: Ein Mann fotografiert bei der Präsentation der Jahresausstellung im Kölner Kolumba neben der Ton-Raum-Installation „Serpentinata“ von Gerhard Leitner ein Kruzifix. Foto: Thomas Brill/dpa
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Das Kolumba Museum in Köln. Foto: dpa

Köln. Wenn das Kardinal Meisner wüsste! Im dunkelsten Raum des vor sieben Jahren von ihm eröffneten Kölner Museums Kolumba spielen sich in der neuen Jahresausstellung verstörende Dinge ab. Wenn man dort kleine Hebel betätigt, knallt es laut oder es zischt, ein Latex-Handschuh wird aufgeblasen, oder ein Federbausch saust durch die Luft.

Es handelt sich um eine „Licht- und Luftmaschine“, die der Ausstellungsbesucher selbst bespielen kann.

Der Guckkastenbühne von Manos Tsangaris gegenüber steht ein mittelrheinischer Hausaltar von der Verkündigung der Geburt Christi. Die geschnitzten Figuren der Jungfrau Maria und des Verkündigungsengels lassen in Verbindung mit den verschließbaren Seitenklappen sofort blasphemische Assoziationen zur Augsburger Puppenkiste aufkommen. Tatsächlich will die Ausstellung das Spielerische betonen und trägt deshalb den Titel „playing by heart“ – die englische Bezeichnung für „auswendig spielen“.

Die Kuratoren des erzbischöflichen Kunstmuseums wollen dies auf das Glück bezogen wissen, das sich einstellt, wenn man zum Beispiel ein Musikstück beherrscht. Ein weiterer Bezug ist das Zweite Vatikanische Konzil, das die katholische Kirche vor 50 Jahren reformierte und das 1965 mit dem Dokument „Gaudium et Spes“ – Freude und Hoffnung – abgeschlossen wurde.

Nur wer dazu fähig sei, Freude zu empfinden, könne sich der derzeitigen Realität der Kriege, Seuchen und religiösen Intoleranz überhaupt stellen, sagt der Museumsleiter Stefan Kraus. Für seine letzten Ausstellungen hatte das Museum Preis um Preis eingeheimst, so war es von Kunstkritikern zum „Museum des Jahres 2013“ bestimmt worden.

Spielerisch ist schon die Muttergottes-Skulptur gleich zu Beginn, platziert vor dem wunderbar mit Bäumen bestandenen Innenhof des Museums. Das wenige Monate alte Jesuskind steht auf ihrem Schoß und hält eine Weltkugel wie einen Ball in seinen Händen.

Stark vertreten in der Ausstellung ist der Kölner Künstler Michael Buthe (1944-1994), dem sein Freund Wolfgang Niedecken mit dem BAP-Lied „Novembermorje“ ein Denkmal gesetzt hat. Von Buthe stammt zum Beispiel ein „Tagebuch“, ein riesiger Wälzer, den er von 1979 bis 1981 überall mit hinnahm und auf dessen Seiten er aus Farbe und Fundstücken ein wunderbares Kaleidoskop schuf. Aufgeschlagen ist eine Seite, auf der ein Ding, das aussieht wie ein Ballettschühchen, ein Boot darstellt, das über ein Seil an einem Stein verankert ist.

So lädt die aktuelle Jahresausstellung ein zum Entdecken, Neu-Sehen und Drauflos-Fantasieren. Fast ein ganzes Jahr ist sie zusehen, bis zum 24. August 2015. Und was den – mittlerweile pensionierten – Kardinal Meisner betrifft: Auch wenn er das Domfenster von Gerhard Richter nicht mag – er ist der modernen Kunst durchaus zugetan.

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