Singender roter Teufel eröffnet das Kulturfestival X

Von: Stefan Schaum
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Satan hat Stil: Statt Hörnern trug Dominique Horwitz als Teufel in Baesweiler einen feuerroten Zylinder. Foto: Stefan Schaum

Baesweiler. Wenn Dominique Horwitz den Teufel gibt, dann wird die Hölle zur reinsten Wundertüte. Und obendrein klingt sie noch, das steht mal fest, verdammt gut! Als Leibhaftiger eröffnete Horwitz mit seinem Programm „Me And The Devil“ in der Aula des Baesweiler Gymnasiums das Kulturfestival X der Städteregion Aachen.

Ein ganz schön heißer Ritt, den der Schauspieler und Sänger da hinlegte. Zwei Stunden lang bot er ein prächtiges Inferno, gekrönt von donnernden Ovationen.

Feuerrot war der Anzug samt Zylinder, in dem Horwitz den größten Teil des Programms bestritt. Kein Teufelsschwanz, kein Pferdefuß, kein sonstiger Schnickschnack – Horwitz‘ bewies als Satan Stil. Das galt unbedingt auch für seine siebenköpfige Begleitband („Die Tollen“ genannt), die mit weißen Overalls, Gummistiefeln, Sonnenbrillen und Elvis-Tollen wie eine Mischung aus den Leningrad-Cowboys und der Kubrick-Verfilmung von „A Clockwork Orange“ daherkam. Optisch war es ein Vergnügen – und musikalisch nicht minder.

Carl Maria von Webers „Freischütz“ nutzte Horwitz zwar als Fundamt der Show, nämlich die Geschichte des Jägerburschen Max, der einen Pakt mit dem Teufel eingeht, um seine geliebte Agathe zu erlangen. An die Oper erinnerten bei Dominique Horwitze_SSRq Interpretation aber lediglich ein paar Fetzen, und die kamen mit ordentlich Dampf eher im Gewand einer Rock-Oper rüber. Lange bei einer Sache blieb er zudem nie. Alles war Collage, musikalischer Zitatenreichtum vom Feinsten.

Ein paar Stücke von Tom Waits („Ein Kumpel von mir, auf den freue_SSRq ich mich als Teufel schon wie Bolle!“) wurden zwar in Gänze präsentiert – „Just The Right Bullets“ etwa – aber schon beim Waits-Song „November“ riss es Horwitz und seine Band mittendrin rüber zu Earth, Wind & Fires „September“, das mit der vollen Ladung Funk des Originals rüberkam. Nur stimmlich blieb Horwitz ein paar Oktaven drunter – aber so gehört es sich für den Teufel.

Immer wieder machte sich dieser Teufelskerl einen Heidenspaß daraus, die Erwartungen des Publikums zu unterlaufen. Und seinen Teufel gab Horwitz mit packender Verve. Er ließ seinen Beelzebub grimassieren, grunzen, kreischen. Die teuflisch-wilde Mischung wurde arrangiert vom Pianisten Jan Christof Scheibe, auf der Bühne flankiert von Sebastian John (Posaune), Michael Leuschner (Trompete), Gabriel Coburger (Saxofon), Mirko Michalzik (Gitarre), Martin Langer (Schlagzeug) und Johannes Huth (Bass).

Zum Schluss gab es stehende Ovationen. Und dann sah man einen Teufel, der ganz brav wurde – und Autogrammwünsche mit Feuereifer erfüllte.

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