Sinfonieorchester Aachen erreicht virtuoses Niveau

Von: Pedro Obiera
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Aachen. „Erstlinge” standen auf dem Programm des 7. städtischen Sinfoniekonzerts im gut besuchten Aachener Eurogress. Stärker noch bestimmte allerdings die jüdische Prägung der drei Komponisten den hörenswerten Abend.

Am wenigstens noch bei der 1. Symphonie des 15-jährigen, längst konvertierten Felix Mendelssohn Bartholdy. Das Moll-getrübte Werk eines jugendlichen Feuerkopfs, das Marcus R. Bosch und die virtuos aufspielenden Aachener Sinfoniker mit so viel hochdramatischer Energie aufluden, dass ihm jede unverbindliche Geste ausgetrieben wurde. Ein kraftstrotzender Geniestreich.

Bosch und das Orchester bildeten in ihrem mitreißenden Elan eine vorbildliche Einheit. Angesichts der ebenso frischen wie forschen, in den Ecksätzen leicht überdrehten Tempi nahm man kleinere Ungenauigkeiten und einen bisweilen dicklichen Gesamtklang gern in Kauf.

Ernsthafte Auseinandersetzungen mit der jüdischen Identität und ihren Glaubensüberzeugungen boten die Komponisten der beiden Werke vor der Pause. Leonard Bernstein, neben Mendelssohn der thematische Schwerpunkt dieser Konzertsaison, hat immer betont, dass er seine geistlich gefärbten Werke als Zentrum seiner Arbeit ansah und seine drei Symphonien als Reaktion auf die allgemeine Glaubenskrise nach dem Holocaust verstanden wissen wollte.

Seine erste Symphonie mit Texten des Jeremias angesichts der Zerstörung Jerusalems bildet Bernsteins ersten gewichtigen Beitrag zu diesem Thema. Eine glänzend orchestrierte symphonische Reflexion in drei Sätzen, gewichtig wie eine Schostakowitsch-Symphonie, gleichwohl vom tänzerischen Duktus durchzogen, der seinen weniger vergeistigten Werken zu großer Popularität verhelfen sollte.

Auch hier trafen Bosch und das Aachener Orchester idiomatisch den Nerv der Musik, wobei sowohl die mächtigen Steigerungen eindrucksvoll entwickelt als auch die weit ausschwingende Klagen des 3. Satzes mit eindrucksvoller Inspiration zum Ausdruck gebracht wurden. Mit emotionaler Intensität, großen Legato-Bögen und einem samtweichen Mezzo-Timbre trug die Solistin Maria Ricarda Wesseling wesentlich zum Erfolg der Interpretation bei.

Nicht minder überzeugend gelang „Schelomo”, die „Hebräische Sinfonie für Violoncello und Orchester” des Schweizer Spätromantikers Ernst Bloch. Die raffiniert instrumentierte, auf der Höhe von Zemlinsky und Schreker stehende Rhapsodie erstrahlte trotz ihres abgedunkelten Timbres in üppiger orchestraler Leuchtkraft. Und der renommierte Cellist Alban Gerhardt deklamierte die langen, verhaltenen Monologe mit einer Tonschönheit und einer inneren Spannung, dass kein Wunsch offen blieb.

Viel Beifall für einen vorbildlichen Konzertabend.
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