Simple Minds im Kölner E-Werk: Keine Hits in der Hitzeschlacht

Von: Thomas Thelen
Letzte Aktualisierung:
Wie bei einem Klassentreffen:
Wie bei einem Klassentreffen: Die Simple Minds mit Sänger Jim Kerr im Kölner E-Werk. Foto: Thomas Brill

Köln. Nach einer Stunde braucht Jim Kerr eine Pause. „See you in ten minutes” (Wir sehen uns in zehn Minuten) sagt der 53-Jährige und verschwindet mit seinen Kollegen hinter der Bühne. Das hätte es früher zu Hochzeiten der Simple Minds natürlich nicht gegeben.

Doch die Schotten sind in die Jahre gekommen. Und der Großteil der 2000 Besucher im ausverkauften Kölner E-Werk auch. Ein bisschen fühlt man sich wie bei einem Klassentreffen und fragt sich, wo die Jahre geblieben sind. Froh über die Pause sind jedenfalls nicht nur die Musiker. Im E-Werk steht die Luft. Draußen vor der Halle auch. Es ist ein schweißtreibender Abend.

Natürlich wissen die meisten Besucher, was auf sie zukommt. Es war ja angekündigt, dass die Simple Minds ausschließlich Songs von den ersten fünf Alben spielen würden. Dass sie das am Ende mit einer bemerkenswerten Konsequenz auch tatsächlich tun, scheint den einen oder anderen vielleicht doch ein bisschen zu überraschen.

Kein „Dontt You”, kein „Belfast Child” und kein „Alive And Kicking” - und doch der ultimative Kick! Die Simple Minds spielen die alten Songs mit einer Leidenschaft und Hingabe, die keine Zweifel lassen soll: Auch Stücke wie „Chelsea Girl” und „Calling Your Name” von den ersten beiden Platten „Life In A Day” und „Real To Real Cacophony” gehören zu dieser Band wie all die großen Hits.

Und die Simple Minds, so die Botschaft dieses Abends, schämen sich dieser alten Songs nicht, auch wenn die 33 Jahre nach ihrer Veröffentlichung fast ein bisschen albern klingen.

Einen perfekten Einblick in die wohl kreativste Phase der Band liefern die Songs von den Alben „Sons And Fascination” und „Sister Fellings Call” (erschienen 1981). „Love Song”, „The American”, „70 Cities As Love Brings The Fall” - musikalische Meilensteine, die möglicherweise auch Einfluss auf andere Bands hatten, wobei die Simple Minds wohl niemals eine einflussreiche Band im klassischen Sinne waren.

Ein Höhepunkt an diesem Abend: Das Instrumental „Theme For Great Cities”, bei dem Drummer Mel Gaynor und Bassist Ged Grimes zeigen, was sie können. Jim Kerr ist da übrigens wieder hinter der Bühne und wechselt nicht zum ersten Mal sein Oberteil. Gitarrist und Gründungsmitglied Charlie Burchill steht wie immer zuverlässig an Kerrs Seite. Manchmal wünscht man sich, er würde sich etwas mehr ins Scheinwerferlicht trauen. Doch das ist nicht seine Sache. Was er für die Simple Minds bedeutet, wissen die, die unten stehen und dem sympathischen Burchill zusehen, sowieso.

Andy Gillespie thront über allen anderen an seinen Keyboards, die meiste Zeit lächelt er. Man hat den Eindruck, dass es ihm Spaß macht. Vor allem bei den Songs des Klassikers „New Gold Dream”, die extrem von Keyboardklängen geprägt sind. „Someone, Somewhere, in Summertime”...

Am Ende sind die meisten Besucher nicht nur nass geschwitzt, sondern offensichtlich zufrieden. Und zwischen all den in die Jahre gekommenen 40ern, 50ern und auch 60ern flitzen einige Kinder hinaus an die Luft. Was sie wohl denken? Etwas in der Art wie: Das also haben Mama und Papa früher gehört. Ob sie selbst etwas mit dieser Musik aus längst vergangenen Zeiten anfangen können?
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert