Silbermond wollen nicht abheben

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Liveauftritte als Elixier: Stefanie Kloß und Gitarrist Thomas Stolle von Silbermond. Foto: Stock/Scherf

Eupen. Noch erfolgreicher geht´s eigentlich nicht für Silbermond. Am Anfang als Schmusetruppe mit butterweichen Herzschmerzballaden verschrien, hat sich die Band durch endlose Tourneen längst den Ruf eines beachtenswerten Live-Acts erspielt.

Die vier jungen Bautzener treten gerne vor der Haustür ihrer Fans auf und verzichten auf die großen Hallenauftritte - mit großem Erfolg. Das aktuelle Album „Nichts Passiert” hält sich seit April konstant in den Charts.

Es wäre also kein Wunder, wenn die Eupenarena am Sonntag, 16. August, aus allen Nähten platzen, wenn Silbermond - nach den Ärzten im letzten Jahr - als Headliner die Bühne des Festivals entern wird. Im Interview mit unserem Mitarbeiter Michael Loesl versuchen Sängerin Stefanie Kloß und Gitarrist Thomas Stolle, den Erfolg zu erklären.

Seid ihr süchtig nach Applaus, oder warum wird eure Tour noch bis zum Jahresende fortgesetzt?

Kloß: Jeder Bühnenakteur besitzt ein gewisses Auftrittssuchtpotenzial, was allerdings nicht zwangsläufig auf dem möglichen Applaus fußt. Wenn ich ein Konzert von Peter Fox oder Incubus besuche und lange nicht mehr selbst auf der Bühne stand, möchte ich am liebsten die Hand heben um klarzustellen, dass ich auch auf Bühnen stehen kann. Man erlebt die eigene Musik körperlich intensiver, wenn man live spielt, und deswegen sind wir vermutlich tatsächlich ein wenig bühnensüchtig.

Das klingt ein bisschen brav.

Stolle: Wenn es nach uns geht, zählt die Musik und nicht die Show, oder zumindest wirklich nur das, was nötig ist, um den Blick der Zuschauer auf die Bühne interessant zu gestalten. Aber wir sind wirklich nicht die Sorte Musiker, die sich hinstellen und sagen: „Guckt mal wie geil wir heute wieder sind!”. Obwohl wir andererseits auch nicht mehr so verklemmt sind wie in unseren Anfangstagen.

Die Silbermond-Männer sind ja nun mal auch kein Blickfang.

Stolle: Herzlichen Dank! Wenn es nach uns gegangen wäre, hätten wir aber tatsächlich am liebsten das Licht ausgemacht. Wir mussten erst lernen, dass eine gewisse Präsentation auf der Bühne dazu gehört.

Das musste man eurer Frontfrau bestimmt nicht erst beibringen.

Kloß: Ich war früher statisch am Mikro, bin nicht herumgelaufen, sondern stand wirklich nur in der Mitte. Das mag man jetzt nicht mehr so richtig glauben, aber es war wirklich so. Die Jungs meinten immer, dass ich mich bewegen sollte, was ich mich nicht traute. Okay, in meiner Natur liegt es halt, mit dem Publikum zu kommunizieren. Aber auch ich musste mit den Jahren erst lernen, frei und offen zu sein.

Dafür funktioniert es ja jetzt umso besser. Wundert ihr euch manchmal selbst über euren Erfolg?

Stolle: Dass wir viele Platten verkauft haben, heißt nicht, dass wir so geile Typen sind und das Recht haben, die Nase ganz weit im Himmel zu tragen oder arrogant zu werden. Wir sind immer noch dieselben Typen, die wir vor zehn Jahren waren, und das soll bitte auch so bleiben. Am Ende machen wir nur Musik, nicht mehr und nicht weniger.

Wie bescheiden!

Stolle: Jede andere Reaktion wäre der Tod unserer Band. Ich finde, dass wir uns den Erfolg redlich verdient haben, weil wir kein Retortenprodukt waren, sondern von Anfang an darauf bauten, uns einen Ruf als gute Songschreiber und Live-Musiker zu erkämpfen. Aber wenn ich jetzt ständig die Gold- und Platinschallplatten an der Wand betrachten würde, müsste ich darauf achten, dass jede neue Platte auch unbedingt an den Erfolg der letzten anzuknüpfen hätte, was das Aus der Kreativität bedeuten würde.

Ist das ständige Unterwegssein nur Freude?

Kloß: Wenn man lange auf Tour war, freut man sich darauf, Ruhe zu haben. Man lernt auf Tour Menschen kennen, die innerhalb kürzester Zeit wieder gehen oder man erlebt heute Sachen, die morgen schon nicht mehr da sind. Dann wächst natürlich der Wunsch nach Beständigkeit und einem Platz, an dem alles so ist, wie es vorher war. Wir haben uns jetzt auf dieser Platte getraut zu sagen, dass wir Beständigkeit und Halt haben wollen, weil sie uns gut tun neben all dem Schnellen, was sonst passiert.

Es geht in erster Linie um Mut?

Stolle: Das ist gerade vor dem Hintergrund der düsteren Prognosen für diese Welt wichtig. Man muss lernen, Kraft aus sich zu schöpfen und wieder den Mut zu bekommen, etwas zu machen. Das Lied „Alles Gute” reflektiert diese Stimmung mit der Aussage, dass alles Gute vor einem liegt. Mut und Kraft aus sich zu schöpfen, hat auch etwas Erschöpfendes. Aber man muss es probieren, denn „alles Gute liegt vor dir”. Abgesehen von dem, was uns nach der Bundestagswahl bevorsteht - vielleicht.

Ich + Ich mit Sänger Adel Tawil und Milow (links) sind neben Silbermond bei der zweiten Auflage des Festivals in der Eupenarena im Industriegebiet an der Textilstraße am Start.

Veranstalter Roger Feyen rechnet mit mindestens 10.000 Zuschauern. Einlass ist ab 14 Uhr, das Programm beginnt um 14.30 Uhr mit Comedy von Roberto Capitoni, den „Pommesgabeln”, The Art of Mouth und Mambo Kurt sowie als Vorbands Bosse und Johannes Oerding. Schluss soll gegen 24 Uhr sein.

Neben dem großen Areal vor der Bühne gibt es in diesem Jahr erstmals auch zwei Tribünen, deren Sitzplätze nummeriert und zu reservieren sind.

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