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Seltsamer Zoff im Menschenzoo

Von: Grit Schorn
Letzte Aktualisierung:
Starkes Darsteller-Duo: Stepha
Starkes Darsteller-Duo: Stephan Wurfbaum (l.) und Christian Cadenbach. Foto: Marijana Antic

Aachen. „Hey, Sie, ich war im Zoo . . .” Kühn auf seinem Skateboard balancierend, quatscht der hektisch wirkende Jerry einen lesenden Mann im Park an. Peter, der saturierte Verleger, ist nicht sonderlich erbaut über die Störung. Doch in seinen Kreisen ist man gut erzogen und hört dem anderen erst mal zu.

So beginnt der seltsame Kampf zweier Männer im tragikomischen Einakter, den Edward Albee („Wer hat Angst vor Virginia Woolf”) 1958 in nur drei Wochen verfasste. Es sollte sein Durchbruch als Dramatiker werden, doch zunächst winkten die amerikanischen Bühnen ab. „Die Zoogeschichte” erlebte ihre Uraufführung 1959 im Berliner Schiller-Theater, die US-Erstaufführung folgte 1960.

Im Theater K zeigt die kleine Rasenbühne im Foyer Rouge quasi einen Ausschnitt im Central Park von New York. Das Publikum umrahmt das grüne Viereck, das später zum Boxring wird. Schrille Pfiffe eines meist unsichtbaren Ringrichters „verwarnen” die ungleichen Kämpfer, denen Christian Cadenbach als aufdringlicher Jerry und Stephan Wurfbaum als biederer Peter starkes Profil geben. Wie getrieben wirkt der Underdog, der den gesetzten Bildungsbürger (mit Albee-Dramen in der Hand) hemmungslos provoziert. Und fein dosiert offenbart Wurfbaum Peters Ängste und Hilflosigkeit.

Gar nicht schlecht, diesen aufgeheizten „Menschenzoo” auf engstem Raum vorzuführen - Ismael Hawramys erste Regiearbeit spiegelt einen unausweichlichen Kampf wider, denn der „Eindringling” Jerry will Peter, den Mann mit Eigenheim, Frau, zwei Töchtern und zwei Wellensittichen, hemmungslos auf die Probe stellen. Faszinierend, wie sich Jerry in geheimste Gedanken des anderen einschleicht, ihm seine Parkbank streitig macht und Peters ganzes „gehobenes” Wohlstandsbürgertum in Frage stellt. Schließlich drängt die bodenlose Einsamkeit Jerrys immer mehr hervor, ebenso wie das Nichtverstehen des furchtsamen Spießers Peter.

Albees Wortwitz und der Hass zwischen den beiden Figuren kommen gut an, weil beide Schauspieler ihr ganzes Können einsetzen. Doch so richtig spannend wird der ausweglose Fight nur selten. Albees frühes Werk wirkt hier ein wenig wie ein Übungsstück. Das Ende nach 60 Minuten kommt schnell und blutig. Viel Applaus.
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