Seeed: Party mit zackigem Reggae

Von: Bernd Schuknecht
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Die Berliner Band Seeed versteht es, Party zu feiern: gleich zwei Mal im Hockeypark Mönchengladbach. Das Bild zeigt Seeed im August in Berlin – in Mönchengladbach durfte nicht fotografiert werden. Foto: dpa

Mönchengladbach. Die Sonne hat sich gerade orangerot glühend verabschiedet, als es erneut orange zu leuchten beginnt. Es sind Scheinwerfer, die die Open-Air-Bühne des Mönchengladbacher Hockeyparks in ein Sonnenuntergangslicht tauchten. Seeed feiern dort mit den Fans einen Reggae-rhythmisch-beschwingten Sommernachtstraum.

Das Konzert ist ein vorgezogenes Zusatzkonzert, da der erste Termin am 6. September mit 17.000 verkauften Tickets – bislang Rekord im Hockeypark – schnell ausverkauft war. Zusammen mit dem Zusatzkonzert haben rund 26.000 Fans eine Sommerparty mit der Reggae-Formation aus Berlin gefeiert.

„Heute sind wir besser als morgen“, verspricht ein bestens aufgelegter Pierre Baigorry, der seit seinem phänomenalem „Stadtaffen“-Soloerfolg den meisten Fans wohl eher als Peter Fox bekannt sein dürfte. Sein Erfolg hat sich auch auf die Karriere von Seeed ausgewirkt. Heute ist jedoch wieder das „Wir“ angesagt und die Reggae-, Dub- und Dancehall-Spezialisten agieren singfreudig eingespielt wie selten zuvor.

13 Akteure auf der Bühne

„Wir sind Seeed“ skandieren Fox, Demba „Boundzound“ Nabé und Frank Dellé bei „Le Monde“ und wirken in ihrem edlen Zwirn wie Banker, die spät nach einer Betriebsfeier noch einen durchgezogen und dann ihre Business-Steifheit ablegt haben. Insgesamt 13 Akteure geben auf der Bühne alles und haben nichts mit der jamaikanischen Ganja-Entspanntheit gemein. Seeed klingen regelrecht nach Speed, Reggae, Dub und Dancehall, werden mit der preußischen Zackigkeit punktgenauer Gesangs- und Bläser-Einsätze sowie treibenden Beats von Schlagzeug und tiefschlagendem Bass-Wummern versetzt und holen von Beginn an die Fans von ihren Tribünenplätzen.

So gut es geht, versucht das Publikum sich tänzerisch zum Rhythmus zu bewegen, unten vor der Bühne strebt die Menge auf Kommando mal nach links, mal nach rechts, während Fox, Nabé und Delle Tanzschritte in bester Rude-Boy-Attitüde präsentieren. Ältere Klassiker wie „Dancehall Caballeros“ wechseln sich mit Songs des jüngsten Albums wie „Deine Zeit“, „You & I“, „Molotov“ oder „Augenbling“ ab.

Zum Seeed-Remix von Peter Fox‘ „Mach‘ neu“ kommen zusätzlich vier Trommler von Cold Steel auf die Bühne, die den Abrissbirnen-Rhythmus druckvoll unterstützen. Aber es gibt auch zahlreiche romantische Momente. So klingt „Beautiful“, als wollten die Seeed-MCs dem einstigen Rat Pack mit Frank Sinatra, Sammy Davis jr. und Dean Martin mal zeigen, wo heute der swingende Hammer hängt. Nach der Zugabe viel Jubel für ein Konzert, das nicht nur Publikumsrekord für den Hockeypark war, sondern auch atmosphärisch wie musikalisch ein herausragendes Erlebnis.

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