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Schurren, fauchen, schluchzen: Joss Stone verzaubert Fans im E-Werk

Von: Susanne Schramm
Letzte Aktualisierung:
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Stimmgewalt im Seidenkleid: Joss Stone in Köln. Foto: Thomas Brill

Köln. Augen zu und lauschen. Ist sie wirklich erst 22? Schwarz oder weiß? Dick oder dünn? Augen wieder auf. Aber der erste Eindruck bleibt: Die junge, schlanke Frau, die da im bodenlangen weißen Seidenkleid auf der Bühne steht, überzeugt vor allem durch eins: ihre Wahnsinnsstimme.

Abseits aller Versuche, sie einzusortieren. Joss Stone im Kölner E-Werk ist das pure Entzücken. Mit Soul im Blut und Honig auf den Lippen reißt sie ihre Fans in der proppenvollen Halle zu wahren Begeisterungsstürmen hin.

Jocelyn Eve Stoker, wie sie mit bürgerlichem Namen heißt, kann schnurren, fauchen und scatten, Töne zerdehnen bis an die Schmerzgrenze, sich empor zu kristallklaren Höhen emporschwingen und die tiefsten Tiefen einer Seele ausloten, die für ihre tatsächlich erst 22 Jahre schon viel zu viel von dieser Welt zu wissen scheint. Mit ihrer Band, Saxofonist und zwei Backgroundsängerinnen durchmisst die Schöne aus Dover den Kosmos ihrer inzwischen vier CDs.

Gab das erste Album , „The Soul Sessions”, die Richtung vor, strahlt das Spektrum inzwischen in mannigfaltige Richtungen: relaxter Jazz steckt drin, erdiger Blues und elektrisierender Funk, mitreißender Reggae, intelligenter Pop und lyrischer Folk. Die Medien haben sie, halb bewundernd, halb spöttisch, eine „Miniatur-Janis” genannt, aber das wird Miss Stone bei weitem nicht gerecht. Wenn sie so schreit, schluchzt und gekonnt phrasiert wie hier, dann kann man nur ahnen, wie sie klingen wird, wenn sie 33 ist - dem Alter, in dem Janis Joplin starb.

Vom ersten Saxofon-Intro an packt die Magie ihrer Stimme. Bei „Free Me” bricht sie sich Bahn mit der Wucht eines Orkans, sie groovt sich einschmeichelnd durch „What We„re Gonna Do Now”, und niemals wurde ein simpler Kosename besser geadelt als in „Baby Baby Baby”. Dazwischen macht die Britin launige Ansagen und plädiert für eine bessere Welt.

Etwa dafür, beim nächsten Mal in der U-Bahn dem Sitznachbarn doch guten Tag zu wünschen, anstatt nur wortlos da zu sitzen („Parallel Lines”). Stone propagiert „Less Is More”, beschwört „Some Kind Of Wonderful” oder erbittet Rat: „Tell Me What We„re Gonna Do NowÓ. Eine ihrer schönsten, leidenschaftlichsten Liebeserklärungen an diesem Abend gilt dem, was sie im Innersten ausmacht: „Music”.

Also: Augen zu und lauschen. Gute 100 Minuten lang währt dieses Glück.
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