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„Schrittmacher”: Zwischen Aufbruch und Absturz

Von: Grit Schorn
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Der Sonne zu nah: Das movingtheatre.de wandelt beim „Schrittmacher”-Festival auf den Spuren des Dädalus-Mythos´. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Nach dem rauschhaften Erfolg von Karole Armitages „Itutu” beim „Schrittmacher”-Festival hatte es das movingtheatre.de im Ludwig Forum nicht ganz leicht. Die Kompanie, die in Köln verortet ist, vereint Tanz, Sprechtheater und musikalische Inhalte.

Herbe, oft kühne bis spröde Tanzszenen treffen auf eine von Han Otten geschaffene faszinierende Klangcollage mit Geräuschen, basierend auf den Violinsonaten von Georg Philipp Telemann, und später auf polarisierendes Sprechtheater.

Helle, leichte Propeller aus Eisen und Gips des italienischen Bildhauers Gianni Guidi verweisen auf große Themen: Der Mensch zwischen Erdenschwere und Erhebung, der alte Traum vom Fliegen - es geht um Aufbruch in eine neue Zeit, um Hybris und tödlichen Absturz. Das Programm „Deadalus/Dreams” orientiert sich am Schicksal des mythischen Dädalus, der für sich und seinen Sohn Ikarus durch Wachs zusammengehaltene Flügel konstruiert.

Beide wollen der Gefangenschaft von König Minos entrinnen und von Kreta nach Sizilien fliehen. Während dem Vater die Flucht gelingt, stürzt der Sohn ins Meer, weil er der Sonne zu nahe kommt und das Wachs zu schmelzen beginnt.

Inspiriert von Ovids Metamorphosen, wird das Thema von allen Seiten eingekreist. Federn fliegen, man hört den Wind, der Ikarus abtreibt, Formeln werden in die Luft geschrieben, und immer wieder treibt es die fünf Protagonisten nach oben, in die Luft, in eine andere Dimension. Oft streng und spröde wirken die Bewegungen, die aber auch unmittelbar ins Leichte kippen können, sogar ins Akrobatische (Choreografie: Emanuele Soavi).

Zwischen Pantomime und Tanz zeigen sich Forschergeist und Fortschrittswahn ebenso wie das unzerstörbare Streben des Menschen nach Grenzüberschreitung und Macht. Ungeheure Triebkräfte werden auch im letzten Teil der Performance spürbar, wenn der Theaterschauspieler (und Gründer von movingtheatre.de) Achim Conrad wortgewaltige Ovid-Texte vorträgt, die sich mit der Sage und der Entstehung des Minotaurus befassen. Fast wie Slapstick kommt das rüber, allerdings in englischer Sprache, was vielleicht nicht jeden begeistert.

Herzlicher Applaus des nicht ganz so zahlreichen Publikums.
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