Schrittmacher-Festival: Rohe Mauern, tolle Tänzer, großer Andrang

Von: Jenny Schmetz
Letzte Aktualisierung:
Da tanzen die Puppen: Die Danc
Da tanzen die Puppen: Die Dance Company Theater Osnabrück zeigt zum Abschluss des Schrittmacher-Festivals „Synthetic Twin” der niederländerischen Choreografin Nanine Linning, einen Abend über Foto: Kalle Kuikkaniemi

Aachen. Die Stahlzange hängt an der Wand in seinem Büro. Griffbereit. Als Glücksbringer hat Rick Takvorian sie geschenkt bekommen, zum Start des diesjährigen Schrittmacher-Tanzfestivals am neuen Ort, der ehemaligen Aachener Fabrik Stahlbau Strang. Und das Werkzeug hat gewirkt! Heiße Eisen muss der Erfinder und Leiter des Festivals derzeit nicht anpacken.

Im Gegenteil: Takvorian darf den wärmenden Erfolg genießen. Vor der letzten Schrittmacher-Vorstellung am 7. April kann er schon eine beeindruckende Bilanz ziehen. Mit rund 8000 Zuschauern erreicht das Festival bei seiner 16. Auflage einen Rekord.

Die 19 Vorstellungen in Aachen und Heerlen waren beinahe alle ausverkauft. Knapp 200 Abos gingen weg, „fast doppelt so viele wie im Vorjahr”, sagt Takvorian. Im Jahr 2010 zählten die Veranstalter etwa 6000 Besucher. Ein Zuwachs von gut 33 Prozent also. „Unser Festival ist keine Insider-Veranstaltung”, behauptet Takvorian wohl zu Recht.

Vermutlich ist das gesteigerte Publikumsinteresse nicht nur auf das - wie immer - hochkarätige Programm mit elf Compagnien aus neun Ländern zurückzuführen, sondern eben auch auf die neue Spielstätte. Erstmals haben die Tänzer nicht den Boden im Ludwig Forum zum Schwingen gebracht, sondern ein bisschen Staub in der alten Fabrikhalle im Aachener Osten aufgewirbelt. An der Jülicher Straße musste Schrittmacher der großen Schau „Hyper Real” weichen, aber ziemlich schnell haben die Macher Ersatz an der Philipsstraße gefunden. „Der Raum wurde aus der Not geboren und hat sich zu einem Riesen-Glück entwickelt”, sagt Takvorian.

Natürlich war die eine oder andere „Kinderkrankheit” nicht zu vermeiden: Die Fabrik sei nicht perfekt sauber gewesen, gibt Takvorian zu. Auch eine Toilette mehr wäre wünschenswert gewesen, und hier und da habe es vielleicht mal gezogen. Aber das Publikum habe den Hinweis, lieber nicht das kleine Schwarze, sondern besser eine dicke Jacke anzuziehen, beherzigt. So waren die Reaktionen insgesamt sehr positiv: „Zuschauer und Künstler haben den Raum einhellig begrüßt.”

Technisch sei die Fabrik wegen ihrer Höhe ohnehin von großem Vorteil: „Erstmals konnten wir vernünftig beleuchten”, sagt der Festivalleiter. Und optimale Sicht hatten auf der ansteigenden Tribüne jeweils 400 Tanzfans - gegenüber knapp 300 Zuschauern im Ludwig Forum. Besonders gut angekommen sei das großstädtische Flair, der rohe Charme des Backsteinbaus mit den Eisenträgern. „Der Raum hat etwas Cooles, ein bisschen was von Underground”, findet Takvorian.

Wird das größte Tanzfestival in der Euregio also auch im kommenden Jahr unter rot glühenden Heizstrahlern stattfinden? Das ist laut Takvorian noch nicht entschieden. Zuerst wolle man im Kulturbetrieb nach dem Festival in Ruhe die Zahlen analysieren. Eine „kleine Miete” und die Heizkosten stünden gesteigerten Einnahmen gegenüber. „Ich bin zuversichtlich, dass finanziell nichts dagegenspricht”, sagt Takvorian immerhin. Aber auch eine Rückkehr ins Ludwig Forum sei möglich.

Als städtischer Kulturmanager kann er sich auch vorstellen, den neuen Spielort für andere Veranstaltungen - etwa Konzerte oder Performances - zu öffnen. „Die Fabrik ist ein Gewinn für Aachen”, meint er. „In dieser Größenordnung gibt es hier nicht viele Veranstaltungsräume - erst Recht nicht mit dieser Atmosphäre.”

Als Schrittmacher-Chef will sich Rick Takvorian trotz des Erfolges nicht zurücklehnen. „Wir versuchen, unser Programm jedes Jahr zu toppen”, sagt er - und ist schon wieder auf dem Sprung nach London, um sich eine Compagnie für das nächste Festival anzuschauen. Das startet am 2. März 2012 in Aachen, „Voreröffnung” ist am 25. Februar in Heerlen. Die zwei Jahre währende Kooperation mit dem niederländischen Partner wird also fortgesetzt. Auch sie sei ein großer Gewinn, schwärmt Takvorian. Dass der gebürtige Amerikaner inzwischen einen Niederländisch-Kurs an der Volkshochschule absolviert hat, lohnt sich also.

Abschluss am 7. April im Theater Heerlen

Das Schrittmacher-Tanzfestival geht am Donnerstag, 7. April, im Theater Heerlen zu Ende. Die niederländische Choreografin Nanine Linning präsentiert ab 20 Uhr mit der Dance Company Theater Osnabrück „Synthetic Twin”. Zu Musik von Händel, Scarlatti, Pergolesi und Purcell stellt sie ihre Faszination für siamesische Zwillinge dar. Zum Abschluss folgen Publikumsgespräch und Party.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert