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Schrittmacher-Festival: Im Stahlbau wird wieder getanzt

Von: Eckhard Hoog
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Auch das ist Schrittmacher: Kinder der Gruppe „Junger Tanz Aachen“ und der Grundschule Hanbruch zeigten gestern in der Fabrik Stahlbau Strang bei der Programmvorstellung ihr Können. Foto: Harald Krömer

Aachen. Model und TV-Casting-Juror Bruce Darnell hat hier Tränen der Rührung und des Glücks vergossen – was allerdings bei dem als Heulsuse bekannten Amerikaner an sich noch nichts Besonderes ist. Aber Rick Takvorian erinnert sich amüsiert und immer noch gerne und beeindruckt an diesen Moment – als ein Beispiel dafür, welche Emotionen sein Schrittmacher-Festival auslösen kann.

Jetzt steht schon die 20. Ausgabe an, am 26. Februar 2015 geht es wieder los: im Theater Heerlen mit einer Vorstellung von NDT1 und Produktionen der Choreographen Marco Goecke und Medhi Walerski. Da schnalzen nicht nur die Kenner der Szene mit der Zunge . . .

Als Experiment 1993 geboren von Rick Takvorian, damals noch Veranstaltungsmanager des Aachener Ludwig Forums – heute der ganzen Stadt –, hat sich dieses Tanzfestival zu einer „städtischen Marke mit Strahlkraft“ gemausert, wie es Kulturdezernentin Susanne Schwier gestern bei der Vorstellung des neuen Programms formulierte.

Die Fans stehen in diesen Tagen wie jedes Jahr in den Startlöchern, um mindestens eine der knapp 11.000 Karten zu ergattern – deshalb das Allerwichtigste hier gleich vorweg: Der Kartenvorverkauf beginnt am Montag, 17. November, um 10 Uhr. Die meisten Schrittmacher-Zuschauer allerdings, erzählt Steffi Gerhards, Takvorians rechte und linke Hand bei der Organisation und Gestaltung des Ganzen, wollen immer alles sehen, und das sind diesmal sieben Produktionen in Heerlen (eine der geplanten acht, die der Generation Company am 24. und 25. März, fällt aus und wird auf den Herbst verschoben) und sechs in Aachen.

Hier wird die ehemalige Fabrik Stahlbau Strang mittlerweile zum fünften Mal genutzt, um eine rohe, überkommene Industriearchitektur mit zeitgenössischem Tanz in einer unvergleichlichen Atmosphäre zu verbinden. Sowieso klar, dass Susanne Schwier und Heerlens Theater-Chef Bas Schoonderwoerd diese grandiose grenzüberschreitende Kulturinitiative in ihrer ganz besonderen Bedeutung noch einmal hervorhoben.

Kein Thema, kein Motto leitet das 20. Programm und schließt damit nach Takvorians Worten eben auch nichts aus. Stattdessen erwartet das erfahrungsgemäß sehr gemischte Publikum, das selbst aus Paris anzureisen pflegt, ein reizvoller Mix aus etablierten Compa-gnien und puren Entdeckungen. Wobei Internationalität großgeschrieben wird. Ein Schwerpunkt hat sich quasi wie ein roter Faden ganz von selbst ergeben: eine angloamerikanische Linie in einem Querschnitt durch die Welt des Tanzes. Und zum „20.“, verrät Takvorian, sind dabei auch Publikumswünsche erfüllt worden.

Schwer zu sagen, was hervorzuheben ist, alles erscheint gleichermaßen spannend. In der Szene findet das Schrittmacher-Festival weltweit Beachtung, die Bewerbungen kommen aus aller Herren Länder. Die französisch-deutsche Compagnie Sébastien Ramirez gehört sicher zu den Publikumswünschen, die weiteste Anreise dürfte die Grupo KM29 um Juan Onofri Barbato aus Argentinien antreten. Ein Höhepunkt dürfte der Auftritt der Michael Clark Company in Heerlen sein (17. März).

Aber das ist ja längst nicht alles, zum Rahmenprogramm gehören Jugendveranstaltungen, Workshops, eine Filmreihe der VHS und, und, und. „Das zeigt“, meint Rick Takvorian mit Blick auf den internationalen Zuspruch des Festivals, „dass wir hier nicht in der Provinz leben“. Und dass Kunst und Kultur keineswegs nur ein elitäres Feld für eine intellektuelle Gesellschaftsschicht darstellen muss. Georg Born, dessen Familie das alte Gemäuer im Aachener Arbeiterviertel Rothe Erde gehört, erzählt, dass ein ehemaliger Schlosser der Stahlbau-Fabrik Strang einer der größten Fans des Schrittmacher-Festivals geworden ist.

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