Monschau - Schöne Lügen und fesselnde Momente im Monschauer KuK

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Schöne Lügen und fesselnde Momente im Monschauer KuK

Von: Eckhard Hoog
Letzte Aktualisierung:
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Die Neue Leipziger Schule im Monschauer Kunst- und Kulturzentrum der Städteregion Aachen (KuK): mit (von links) Jan Dörre, Matthias Ludwig und Christian Brandl. Der Vierte im Bunde, Johannes Rochhausen, tritt gerade ein Stipendium in New York an. Foto: Peter Stollenwerk

Monschau. Ein gewisses „Wir-Gefühl“ eint sie schon, zumal ihre Ateliers in Leipzig nur einen Steinwurf weit voneinander entfernt liegen, und auch gegen das Label „Neue Leipziger Schule“ wehren sie sich im Ernst nicht: „Schließlich ist damit vieles leichter geworden“, sagt Jan Dörre. „Aber eine plausible Definition ist mir noch nicht begegnet.“

Ähnlich sehen es seine Kollegen Christian Brandl, Matthias Ludwig und vermutlich auch Johannes Rochhausen, der gerade ein Stipendium in New York angetreten hat. Vor allem der amerikanische Geschmack trieb die Preise der neuen deutschen figurativen Malerei der Leipziger Spielart in astronomische Höhen. Seit der Finanzkrise 2009 ist der ganz große Boom zwar vorbei – allein: Die Marke bleibt. Und wie man sieht: auch die ganz individuelle Ausprägung. Das Kunst- und Kulturzentrum der Städteregion Aachen (KuK) in Monschau, namentlich dessen Leiterin Nina Mika-Helfmeier, stellt das Kleeblatt ab heute in einer neuen Ausstellung vor – unter dem philosophischen Titel „Gedeutete Welt und fragile Wirklichkeit“.

Viele Gemeinsamkeiten

Die Gemeinsamkeiten und Parallelen sind unübersehbar: Alle vier studierten an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) als Schüler entweder von Sighard Gille oder Arno Rink, jener „zweiten“ Generation der Leipziger Schule nach den „Vätern“ Bernhard Heisig, Wolfgang Mattheuer und Werner Tübke. In deren Fußstapfen treten die „Dritten“ allerdings nur noch mit einem handwerklichen Qualitätsverständnis, das während ihres Studiums an der HGB damals noch gepflegt wurde. Die Motive und Themen sind ganz andere, und schon gar nicht geht es um Botschaften.

Matthias Ludwigs Gestalten verbinden alltäglich erscheinende Momentaufnahmen und Szenen mit einer magischen, unwirklichen Überzeitlichkeit maskenhaft erstarrter Figuren – in fesselnden Bildern.

Jan Dörre spielt zuweilen ironisch mit dem Genre Stillleben, indem er wie selbstverständlich die disparatesten Gegenstände darin versammelt. Die Krähe beäugt auf einem Tisch einen Augapfel vor einer Wasserschüssel und simuliert eine Symbolik, die wahrscheinlich gar nicht vorhanden ist und nur einen Ausdruck gedehnter Zeit vermittelt. In „Wanderers Rast“ schreibt ein sitzendes, bekleidetes Skelett mit Strohhut auf dem Schädel ein Wort in den Sand. „Mit Bildern kann man schöne Lügen erzählen“, sagt Dörre.

Christian Brandl reißt Geschichten an mit Figuren, um die herum er seine Kompositionen malt, Flächen und Linien, Hell und Dunkel, sonnige Szenerien und schattige Gärten, die verborgene Beziehungen symbolhaft umschreiben.

Johannes Rochhausen, mit 32 der Jüngste der vier, malt sein eigenes, totenstilles Atelier – in endlosen Variationen. Kalt, grau, nüchtern, wie eingefroren wirkend – präzise im Detail und doch verwischt und aufgebrochen. Eine beständige Suche nach den Möglichkeiten der Malerei zwischen Realität und Illusion.

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