Schnellkurs in Kunstgeschichte: Kunstpalast wiedereröffnet

Von: Dorothea Hülsmeier, dpa
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Museum Kunstpalast
Das Bild „Eine Spinnerin mit Feigen” von Giacomo Francesco Clipper hängt hinter der Skulptur „Der Gähner” von Messerschmidt: Nach zweieinhalbjähriger Sanierung wird die Sammlung des Museums Kunstpalast in Düsseldorf mit Werken von Rubens bis Gerhard Richter wiedereröffnet. Foto: dpa

Düsseldorf. „Schatzhaus der Düsseldorfer Bürger” wird das Museum Kunstpalast auch genannt. Doch mehr als zwei Jahre mussten die Werke von Cranach, Rubens, Liebermann, Corinth, Macke, Kirchner, Beuys und der Zero-Gruppe im Depot schlummern.

Nun sind die Kunstschätze wieder ans Tageslicht geholt worden. Von diesem Samstag an werden die in frischen Farben gestrichenen und mit moderner Lichttechnik ausgestatteten Säle wieder geöffnet.

Besucher können einen einzigartigen Rundgang durch die Kunstgeschichte absolvieren - von der niederländischen und flämischen Malerei seit dem 15. Jahrhundert über die weltberühmte Düsseldorfer Malerschule im 19. Jahrhundert bis zur wieder aufgebauten Künstler-Kneipe „Creamcheese” aus den 1960er Jahren mit einem großen Wandbild von Gerhard Richter.

Nebenbei wird deutlich, welche internationale Ausstrahlung Düsseldorf als künstlerische Ausbildungs- und Produktionsstätte bis heute hat. „Die Auseinandersetzung mit dem Ort Düsseldorf ist nie eine mit einem kleinen Horizont”, sagt der Generaldirektor des Museums, Beat Wismer - ein gebürtiger Schweizer.

Der Horizont ist zwar weit, aber Platz ist auch im sanierten Kunstpalast knapp. Wismer und seine Kuratoren haben 450 Kunstwerke ausgewählt, die die Vielfalt der 100.000 Gemälde, Skulpturen, Zeichnungen und Kunsthandwerksobjekte umfassenden Sammlung widerspiegeln: mittelalterliche Madonnen, japanische Kimono-Anhänger, ein hölzernes Moscheetor aus Nahost bis hin zu einem Möbelraum von Thomas Schütte.

Auf 5500 Quadratmetern wandelt man durch Säle in Mint- und Dunkelgrün, Rot oder kühlem Grau. Ein Höhepunkt ist der Rubens-Saal mit den Gemälden „Venus und Adonis” und „Die Himmelfahrt Mariae” von Peter Paul Rubens aus der legendären Sammlung des Kurfürsten Jan Wellem.

Zwar gelangte die kurfürstliche Sammlung einst durch Erbfolge nach München und bildet dort heute den Grundstock der Alten Pinakothek. Doch die Rheinländer sammelten fleißig weiter, vor allem Werke der Düsseldorfer Malerschule. Ihr wird im Herbst eine Sonderausstellung gewidmet. Neben Neuerwerbungen wie zwei Gemälden der von Goethe hochverehrten Malerin Angelika Kauffmann hat Kuratorin Bettina Baumgärtel rund 25 Werke erstmals aus den Depots geholt.

Da wird das subtil erotische Bild der schlafenden Diana des Symbolisten Arnold Böcklin schon mal mit einem „Salonschinken” von 1893 kontrastiert, auf dem sich zwei nackte Schönheiten vor einem Flöte spielenden Pan räkeln. Expressionistische Werke von Macke, Marc bis Kirchner sind ein weiterer Glanzpunkt der Sammlung. Kurator Kay Heymer schafft bei seiner Hängung sinnliche Durchblicke.

Der Blick konzentriert sich wieder auf Düsseldorf als Experimentierlabor der 60er und 70er Jahre. Der Zero-Raum mit Licht- und Rotor-Installationen von Piene, Mack und Uecker wurde ebenso rekonstruiert wie Daniel Spoerris „Eat Art Galerie” von 1968. Die Kunstwerke aus vergänglichem Material haben sich erstaunlich gut gehalten: Puppenbeine aus Marzipan, grüner Graskuchen, ein Hase aus Kötteln und Stroh und natürlich die Fischgräte von Beuys.
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