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Schau stellt Mythos von Lawrence von Arabien auf den Prüfstand

Von: dapd-nrw
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Ausstelung zu Lawrence von Arabien
Archäologe, Militärstratege, Geheimagent - das war Thomas Edward Lawrence, besser bekannt als Lawrence von Arabien. Die bis zum 11. September dauernde Ausstellung „Lawrence von Arabien” ist im Kölner Rautenstrauch-Joest-Museum zu sehen. Foto: dpa

Köln. Das erste Detail über das Idol ist recht ernüchternd: Lawrence von Arabien ist im wirklichen Leben viel kleiner gewesen als der Schauspieler Peter OToole, der den Abenteurer in dem gleichnamigen oscarprämierten Hollywoodfilm verkörperte.

Auch ansonsten hatte Kurator Detlef Hoffmann am Donnerstag bei der Vorstellung der Ausstellung im Kölner Rautenstrauch-Joest-Museum einiges am Nachruhm seines Protagonisten auszusetzen: „Immerhin schildert der Film Lawrence zutreffend als häufig zaudernde Figur. Der Rest ist überwiegend reine Drehbuchfantasie!”.

Mythos Lawrence hält Realität kaum stand

Mit dem Mythos um den vermeintlichen Helden des arabischen Aufstands gegen die Osmanen beginnt auch die Kölner Schau, ehe sie die ungewöhnliche Biografie des T.E. Lawrence (1888-1935) nachzeichnet. Er tauchte nicht nur in dem Hollywoodstreifen auf, sondern war auch Protagonist von etlichen Cartoons. Schon Zeitgenossen verbreiteten auf Vortragsreisen die Geschichten um den Archäologen, Soldaten, Autor und Konstrukteur.

Die multimedial angelegte Ausstellung soll zwischen historischer Realität und künstlerischer Aufbereitung ein neues Bild des Vorderen Orients ermöglichen, sagte Kuratorin Annabelle Springer. Dabei gehe es darum, den Mythos Lawrence von Arabien weder zu zerstören noch zu manifestieren.

Die Ausstellung führt die Besucher in die Welt des Orients zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Ein Thema sind die Wurzeln der politischen Auseinandersetzungen, die noch heute die Verhältnisse im Nahen Osten prägen. Zu sehen sind zahlreiche Fotografien, Aquarelle und Laterna-Magica-Bilder, die auch die damals stereotype Darstellung des Orients durch den Westen veranschaulichen.

Aufwendig nachgebaut ist ein Beduinenzelt, in dem Lawrence verkehrt haben könnte. Ein von ihm selbst gebauter Sessel ist in Köln ebenso zu sehen, wie seine Schreibmaschine und sein Grammophon. Das Motorrad, mit dem er tödlich verunglückte, wird durch ein baugleiches Modell vertreten.

Heute in Arabien verhasst

Heute dient Lawrence von Arabien in einigen orientalischen Ländern noch als Namenspatron für Supermärkte, bei der Bevölkerung ist er weitgehend verhasst. In ihren Augen habe er dazu beigetragen, dass die Kolonialmächte die Grenzen im Vorderen Orient so ziehen konnten, wie sie im Wesentlichen heute noch verlaufen, sagte der Archäologe Mamoun Fansa. Dies habe mit zu den aktuellen Konflikten beigetragen. In dem von Fansa geleiteten Landesmuseum für Natur und Mensch in Oldenburg war die Ausstellung zuerst zu sehen. Für ihn hat die Schau eine dramatische Aktualität erhalten. Der aus Syrien stammende Wissenschaftler sorgt sich derzeit um die Verwandten in seinem Heimatland.

Die Ausstellung „Lawrence von Arabien - Genese eines Mythos” wird am Freitag (29. April) eröffnet und bis 11. September gezeigt. Das Rautenstrauch-Joest-Museum ist dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags von 10 bis 20 Uhr geöffnet. Das Einzelticket für die Sonderausstellung kostet fünf Euro, ermäßigt drei Euro. Das Kombiticket Dauer- und Sonderausstellung ist für neun Euro, ermäßigt für sechs Euro zu haben.
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