Rutscht auch die Liebe in den Abgrund?

Von: Sabine Rother
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Ratlos: Eine Szene aus „Kleiner Mann - was nun?”, Schauspiel nach Hans Falladas Roman, im Theater Aachen mit (von re.) Julia Brettschneider, Karsten Meyer, Björn Büchner und Philipp Manuel Rothkopf. Foto: Ludwig Koerfer

Aachen. Das Leben gerät in Schieflage. Wer rutscht als nächster? Wer versinkt im Abgrund? Juli 1931, ein schwarzer Monat für Banken, für Unternehmen, für Arbeiter und Angestellte in Deutschland. Und es wird schlimmer. Die Arbeitslosigkeit rollt wie eine Walze über Deutschland. Bald werden sechs Millionen Menschen Not leiden. Kann hier eine Liebe überleben?

Bleiben diese Liebenden unversehrt an Leib und Seele? In seinem Roman „Kleiner Mann, was nun?”, der zum Welterfolg werden sollte, hat Hans Fallada 1932 diese verwegene Frage gestellt.

Als Schauspiel mit Musik hat Regisseur Oliver Niehaus den Stoff in einer eigenen, geschickt konzipierten Fassung auf die Bühne des Aachener Theaters gebracht. Der Abend ist spannend - aber mit über drei Stunden viel zu lang.

Dennoch kann man sich der Anziehungskraft dieser Mischung aus Spiel, Aktion, Lesung und Musik nicht entziehen. Gelassen und sehr selbstverständlich sorgen Uwe Böttcher, Malcolm Kemp und Samuel Reissen als „Das Kleine Mann-Trio” für originelle Begleitung und wirkungsvolle Geräusche (musikalische Leitung: Malcolm Kemp).

Gleich zu Anfang steigen die Akteure, die außer den Hauptfiguren alle mehrere Charaktere zu verkörpern haben, aus der Tiefe der metallisch glänzenden, steilen Schräge auf das Spielpodest, dem noch ein weiterer mit Lämpchen besetzter Absatz folgt. (Bühne und Kostüme: Barbara Steiner). Hier wird man immer wieder hinaufklettern oder ausgleiten - ein Ensemble mit artistischen Fähigkeiten.

Gesungen wird so manches - vom Beatle-Song bis zu Abba. Nichts ist geschönt, die Schauspieler dürfen mit natürlicher Stimme auftreten und ihre Spielfreude ausleben, von der diese Inszenierung getragen wird.

Niehaus gelingt es, eine Spannung aufzubauen, die immer wieder neu belebt wird. Ernste Szenen erfahren Brechungen durch skurrile Überraschungen. Es geht bergab mit den Menschen, und Niehaus lässt sie rutschen - ganz konkret. Man spürt, dass diese durchdachte Regie Konzept und Ziel hat.

Auch was in der Ausstattung auftaucht, macht Sinn: große naive Sterne für die träumerische Sehnsucht, eine weiß glitzernde Gardine, die im Handumdrehen zum Brautschleier wird, ein Bettbezug mit Sonnenuntergang für die kleine Insel der Liebe. Was überflüssig erscheint, ist die Neigung, sich dauernd aus- und anzuziehen.

Dieses Herumkrempeln könnte man einschränken, denn generell braucht das Stück Straffung. Ansonsten viel verdienter Beifall im gut besetzten Große Haus für alle auf und hinter der Bühne, wo zudem eine reibungslos funktionierende Technik im Einsatz war.

„Kleiner Mann - was nun?”, Schauspiel mit Musik nach Hans Fallada, Theater Aachen, Bühne. Weitere Aufführungen: 23. und 26. März; 1., 5., 10., 21., 24., 25., 30. April; 12. und 24. Mai; 11. und 19. Juni; 9. und 15. Juli, jeweils 19.30 Uhr.

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