Royal Southern Brotherhood: Keine Musik fürs Picknick

Von: Albrecht Peltzer
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Laut und gut: Royal Southern Brotherhood auf der Burg Wilhelmstein mit (v.l.) Cyril Neville, Charlie Wooten und Mike Zito. Foto: Markus Bienwald

Würselen. Man weiß nicht so genau, was die beiden Damen mittleren Alters, die ihren Picknick-Korb – Käsewürfel, Paprikastreifen (rot), Weißbrot und Rotwein – zur Burg Wilhelmstein schleppen, an diesem sonnigen Sonntagabend erwarten. Das Programm verspricht besten Southern Rock, eine Mixtur aus Karibik, Blues, Rock, Jazz und Folk. Spannend!

Nach dem ersten Song der Royal Southern Brotherhood verstopft sich die eine die Ohren mit einem Papiertaschentuch, ab dem zweiten hält sich die andere die Ohren zu. Die Käsehäppchen bleiben liegen. Manchmal passt es eben nicht. Die „Bruderschaft“ um die beiden Gitarristen Devon Allman – Sohn des Allman-Brothers-Key- boarders Gregg – und Mike Zito lässt es auf der gut besuchten Burg mächtig krachen.

Den Stilmix hat die fünfköpfige Formation offensichtlich in den Staaten gelassen, auf Tour wird die laute Variante bevorzugt. Keine Musik fürs Picknick, aber fast durchgehend ein Ohrenschmaus für Freunde handgemachten Gitarrenrocks. Vor allem auch, weil diese Band ganz offensichtlich Spaß am eigenen Treiben hat.

Drummer Yonrico Scott ist ein solcher Spaßvogel hinter der Schießbude, dass selbst ein Schlagzeugsolo zum reinen Vergnügen wird, Bassist Charlie Wooten steht auf dem Fünfsaiter seinen Gitarrenkollegen in Sachen Virtuosität in nichts nach. Und Cyril Nevilles (Neville Brothers) Qualitäten hervorheben zu wollen, hätte etwas von Eulen und Athen an sich. Royal Southern Brotherhood sind eine unglaublich starke, eingespielte Einheit.

Eine Formation, die die Tradition legendärer Jam-Bands wie Grateful Dead fortführt, die sich nicht auf strenge Songstruktur beschränkt, sondern der Kreativität Raum gibt. Wie beim Dead-Klassiker „Fire On The Mountain“, bei dem Zito und Allman Rücken an Rücken stehend minutenlang improvisieren. Allman ist der Virtuosere der beiden, Zito aber der Ausdrucksstärkere, weil abwechslungsreichere Gitarrist. Wo Allman sich auf beste Saiten-Artistik beschränkt, setzt Zito den richtigen Ton zum richtigen Moment.

Man hätte sich vielleicht ein wenig mehr Dynamik im Set gewünscht, ein Durchschnaufen für Band und Publikum. Das ist wohl das einzige Manko eines Konzertes, das die Band mit einem rauschenden „One Way Out“ im Stil der Allman Brothers nach 90 Minuten beendet, um dann mit der letzten Zugabe „Gimme Shelter“ noch einmal ein letztes Ausrufezeichen zu setzen.

Die beiden Damen haben zu dem Zeitpunkt übrigens schon den Picknickkorb nach Hause geschleppt.

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