Aachen - „Romeo und Julia” mit Happy End

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„Romeo und Julia” mit Happy End

Von: Sabine Rother
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Sportliche Kletterpartie am Ba
Sportliche Kletterpartie am Balkon: Philipp Scholz und Franziska Holitschke sind „Romeo und Julia” auf Burg Frankenberg, eine neue Shakespeare-Produktion des Das Da Theaters. Foto: Wilfried Schumacher

Aachen. „Romeo und Julia”, William Shakespeares berühmte Liebestragödie, hat im Aachener Das Da Theater ein Happy End. Theaterleiter und Regisseur Thomas Hirtz verleiht bei der Open-Air-Inszenierung im atmosphärischen Innenhof der Burg Frankenberg dem Werk eine sehr persönliche Prägung, in der er und sein gut trainiertes Ensemble mit der entflammten Liebe die Hauptpersonen aus der Shakespeare-Vergangenheit in eine moderne Jetztzeit wandern lässt.

Ein reizvoller und durchaus stimmiger Ansatz. Shakespeare auf der Burg - das ist alljährlich ein Ereignis. Zur Premiere gab es angenehme regenfreie Nachtstunden, Vogelgesang und einen wunderbaren Himmel, an dem - wie bestellt -zum Finale zwischen Turm und rauschenden Bäumen die Mondsichel leuchtete. Schlicht und mit gut gestrafftem Text entwickelt sich die Geschichte zwischen Romeo (Philipp Scholz) und Julia (Franziska Holitschke). Dramatisch kocht der alte Familienkonflikt Capulet-Montague hoch. Hier setzt Hirtz auf Publikumsnähe, spürt man die Innenspannung der Akteure.

Raffiniert und sehr variabel sind zwei von Bühnenbildner Frank Rommerskirchen entwickelte Gerüsttore auf Rollen, die jeweils in einer Spitze zulaufen und offene Elemente der Burg- oder Klosterarchitektur sein können. Zusammen mit Michaela Gabauer hat Rommerskirchen zudem für edle Kostüme der Shakespeare-Zeit gesorgt, denen das Liebespaar mit der heimlichen Hochzeit „entwächst”. Ab sofort trägt ein sportlicher Romeo Jeans und Windjacke. Während Franziska Holitschke als Julia mit kindlichem Ungestüm die Liebe entdeckt und zur jungen Frau reift, ist Philipp Scholz ein Romeo, der von den Macken des verliebt-verwöhnten Bürschchens aus gutem Hause zur klaren starken Leidenschaft eines Liebenden findet. Von beiden gut entwickelt, vom Regisseur schnörkellos gelenkt.

Schlüsselszene in der Gruft

Sie umwirbelt ein Reigen aus Menschen, die ihnen helfen, wie der lebenserfahrene Bruder Lorenzo (Jens Eisenbeiser) oder die deftige Amme (Karen Lauenstein) und andere, die sie instrumentalisieren wollen, allen voran Lady Capulet und ihr Mann (starke Auftritte von Patricia Rabs und Jens Eisenbeiser), eine straffe Lady Montague (Ina Pappert) und die flott kämpfenden oder dienenden jungen Leute (Pascal Acker, Mike Kühne, Jakob Blessing, Robert von Marck, Katrin Jansen und Tom Schreyer). Den Fokus lenkt Hirtz auf die berühmte Schlüsselszene in der mit roten Grablichtern erleuchteten Familiengruft, wo Romeo seine vermeintlich tote Julia sucht und nach herzzerreißendem Abschied Gift schluckt. Wie ein wachgeküsstes Schneewittchen legt Julia das Totenkleid ab.

Wie Romeo trägt sie Jeans und Glitzershirt, beide entschweben zu modern-sphärischer Musik glücklich Hand in Hand im roten Licht der hässlich kalten Welt -Sieg der unsterblichen Liebe. Dass nun die übrigen Darsteller als Engel mit hohen spitzen Fittichen einen Kreis bilden, ist vielleicht ein bisschen viel Burgromantik. Insgesamt eine frische Produktion.
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