Rock und Rap im Sherwood Forest

Von: Eckhard Hoog
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Es geht gar lustig zu im Sherwood Forrest: „Robin Hood” wurde nach der Premiere im Theater Aachen von den kleinen Zuschauern begeistert gefeiert. Regisseur Martin Philipp verstand es raffiniert, das junge Publikum um den Finger zu wickeln... Foto: Ludwig Koerfer

Aachen. Gemessen an dem lauthals herausgebrüllten Countdown „Zehn, neun, acht...” vor dem noch geschlossenen Vorhang nach der Pause, dem vielstimmigen Chor der Zuschauer während der Aufführung und dem ohrenbetäubenden „Zugabe”-Sturm nach knapp zwei Stunden am Ende der Premiere hat das Theater Aachen mit dem Familienstück „Robin Hood” am Freitag einen riesigen Erfolg eingefahren.

Regisseur Martin Philipp, der hier mit „Tom Sawyer”, „Das Traumfresserchen” und „Räuber Hotzenplotz” zauberhafte Inszenierungen geschaffen hat, konnte auch diesmal wieder die kleinen Zuschauer - diesmal abgezielt auf Menschen ab sieben Jahren - um den Finger wickeln. Allerdings ist das diesmal durchaus wörtlich zu nehmen...

Reine Witzfiguren

Bei den grandiosen Vorleistungen muss man dem genialen Regisseur zugestehen, dass er sich nicht noch einmal selbst übertrifft. Die Geschichte aber um den Volkshelden vom Sherwood Forest wird mehr verhohnepipelt als erzählt. Fast alle Charaktere sind aus dem gleichen Holz geschnitzt, und das auf beiden Seiten: Little John (Björn Büchner), Much, Sohn des Müllers (Robert Seiler), Michelle, Schwester Marians (Franziska Lehmann) wie auch das Feindbild Prinz John (Roman Kohnle) ernten als reine Witzfiguren naturgemäß viele Lacher - aber eine Bande „mit Witz, Schlagfertigkeit und Fantasie”, wie angekündigt, ist das nicht.

In dem Stück überfällt Robin Hood (Philipp Manuel Rothkopf) nicht einen einzigen Reichen, um plausibel zu machen, wieso er dem Sheriff (Oleg Zhukov), der immerhin eine gewisse geölte Bosheit und Raffinesse ausstrahlt, solch ein Dorn im Auge ist.

Das Bühnenbild (Susanne Kudielka), gemischt aus waldlich bemalten Prospekten und etwas seltsamen Objekten wie hängenden Autoreifen, einer Rutschbahn als Königsthron und allerlei Gestänge, markiert deutlich: Alles nur Theater. Diesem Motto entspricht auch die Figur des Allan (Malcolm Kemp), der als Bandenmitglied schweigend im Walde nur seine E-Gitarre sprechen lässt.

Sämtliche Akteure führen keine Dialoge, sondern sprechen fast ausschließlich frontal ins Publikum hinein - die Folge: eine Art Dauer-Animation der Zuschauer, die gezielt aufgerufen werden, das Geschehen zu kommentieren. Statt einer erzählten Geschichte läuft eine showartige Folge von Einzelnummern ab: Robin Hoods Bande trommelt, singt, rockt und rappt, wenn sie sich im trostlosen Forest offensichtlich wieder einmal langweilt.

Es ist mehr die musikalisch unterlegte Fernseh-, Videoclip- und Sketch-Ästhetik mit Tänzen und entfernt kampfartigen Szenen im Zeitlupentempo, die hier die Quote bringt. Aber vielleicht ist das ja tatsächlich bereits auch fürs Theater die zeitgemäße Vermittlungsmanier. Die jungen Zuschauer sind jedenfalls damit zu begeistern, wenn Robin Hood mit seinen Mannen und der Marian (Anne Wuchold) nach Art der Fußballspieler Hand in Hand in Siegerpose dem Publikum entgegenstürmt - Bilder wie aus dem TV, so etwas kennt man doch...

Da nehmen es die Kleinen auch nicht übel, wenn eine ganz andere, seltsame Geschichte von einem Zauberer und einem Riesen langatmig erzählt wird und der eigentlich doch sehr abgebrühte Sheriff am Ende ziemlich unlogisch vor diesem „Riesen” in die Knie geht. Und selbst, dass Held Robin nicht einmal einen rechten Bogen mit sich führt, sondern eine Art Gummistock ohne Sehne, wird umstandslos verschmerzt. So sind die modernen Zeiten - da kämpft Robin Hood wie die Japaner Kendo. Allerdings: Der Trick, wie der Pfeil des Sheriffs auf der Zielscheibe von dem Robins gespalten wird, der ist nicht von schlechten Eltern.

Die Schauspieler kommen allerbestens an mit ihren Clownerien. Die Bösen (Roman Kohnle und Oleg Zhukov, der einen wirklich ansehnlich schmierigen Sheriff spielt) werden kräftig ausgebuht, wie es sich gehört. Die Guten (allen voran Philipp Manuel Rothkopf als Robin) ernten stürmischen Applaus. Die sehnlichst herbeigebrüllte Zugabe der Robin-Hood-Hymne klingt tatsächlich richtig schmissig. Und dem möglicherweise etwas altmodischen, nicht mehr ganz so jungen Zuschauer blutet das Herz...

Familienstück „Robin Hood” im Theater Aachen. Weitere Aufführungstemine: 7., 8., 9., 10., 11., 12., 15., 18., 19., 22. November; 6., 7., 8., 9., 10., 13., 14., 15., 16., 17., 18., 19., 20., 22., 23., 26., 27. Dezember; 24., 25., und 26. Februar.
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