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Road-Trip voller kreativer Energie

Von: Günter H. Jekubzik
Letzte Aktualisierung:
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Lasst mich den Fotografen auch noch spielen: Musiker Hans Narva und Regisseurin Tanja Krone sprengen die Genres – und drückten für dieses Doppelporträt gleich mal selbst auf den Auslöser.

Aachen. Mit „Zwei arme, polnisch sprechende Rumänen“ deutet sich ein besonderes Theaterereignis im Mörgens an. Das liegt nicht nur an der erfolgreichen polnischen Autorin Dorota Masowska (29), die in ihrem ersten Bühnenstück nach den Erfolgsromanen „Schneeweiß und Russenrot“ und „Die Reiherkönigin“ ihre dichte, ungezügelte Sprache beibehält.

Mit der Regisseurin Tanja Krone und dem Musiker Hans Narva inszenieren zwei Multitalente, die dem Text ein ziemlich wildes Leben einhauchen. Nach „Boy’s do(n’t) cry“ in der Spielzeit 2010/11 ist das Stück der „Rockerin der polnischen Gegenwartsliteratur“ die zweite Inszenierung von Tanja Krone in Aachen. Wieder ist Hans Narva „für die musikalische Begleitung zuständig“, wie man üblicherweise sagt.

Kennengelernt haben sich die beiden ziemlich verrückt, als Narva die Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn für die Aufnahme einer Platte nutzen wollte und Tanja Krone mitmachen sollte. Um nur eine Ahnung davon zu bekommen, wer in diesen Wochen freundlich und aufgeweckt unter seiner grünen Häkelmütze immer wieder in Aachens Subkultur auftaucht und entgegen dem ersten Anschein meint, er sei ein Punk, muss man noch weiter zurückgehen. Bevor sich Hans Tomato, wie er damals hieß, mit seiner bekannten Band Herbst in Peking 1989 als historischen Treppenwitz ein letztes Auftrittsverbot der fast ehemaligen DDR einhandelte, saß er dort schon als 15-Jähriger monatelang in Haft. Auch wegen „Verdachts auf Vorbereitung einer Republikflucht“, wie die schöne und traurig berührende Dokumentation „Hans im Glück“ (Regie: Claudia Lehmann) über ihn erzählt.

Das Auffällige am Mittvierziger Narva ist eine unfassbare kreative Energie, die er mit einer faszinierenden Gruppe besonderer Menschen auslebt: In seiner Band Hands Up – Excitement! spielen etwa der Schauspielstar August Diehl, dessen Frau Julia Malik, die in Aachen eine Rolle in „Konfetti“ hatte, und die Film-Regisseurin Claudia Lehmann („Schilf“ nach dem Roman von Julia Zeh).

Man ahnt es schon: Tanja Krone, die mit den Maiden Monsters auch ein eigenes Musik-Kunst-Projekt hat, und Hans Narva als Regisseurin und Musiker zu bezeichnen, greift viel zu kurz. Auf die Definitions-Frage und nach einem kurzen kreativen Gedankenwechseln fällt der Begriff Brummkreisel. So erklärt Narvas „Lieblings-Regisseurin“ die Dynamik des Austausches mit anderen Kreativen, ein Abgeben und Annehmen gleichermaßen. Das Motiv des Aufbruchs bestimmt Leben und Arbeit der beiden Künstler in ihren vielen eigenen und gemeinsamen Projekten – bis hin zum aktuellen Stück „Zwei arme, polnisch sprechende Rumänen“. Denn „da begeben sich zwei Personen auf einen Trip und begegnen verschiedenen Wesen“, so die Zusammenfassung von Tanja Krone. „Eigentlich inszenierst du ja unser Leben, und ick steuer ein paar Melodien hinzu“, meint immer leicht berlinernd Narva.

Spannend sind die „Rumänen“, oder wohl doch eher Polen, durch mangelnde Festlegung auf jeder Ebene: In direkter und indirekter Rede, mit vielen Flüchen und starken Wortkreationen bleibt offen, wo sie herkommen und wer sie sind. Der Road-Trip ist die kurze gemeinsame Reise von Pascha, der vielleicht ein bekannter TV-Schauspieler und Priester-Darsteller ist, mit Dschina, die wohl ihr Kind vergessen hat, ganz genau weiß sie es aber nicht. Beide kommen von einer Party und wollen oder müssen nach Warschau, voller Drogen und Erinnerungslücken. Die Hauptrollen spielen Philipp Manuel Rothkopf und Emilia Rosa de Fries.

Narva komponierte für jede einzelne Figur und ihr Instrument eigene Musik und macht so das Mörgens zum Klangraum. Ein ähnliches und doch ganz anderes ortsspezifisches Theater- und Musikprojekt stießen Tanja Krone und Hans Narva im Dezember 2012 bei dem Performance-Politikum „Tha New Bigbang!“ gemeinsam mit Musikern und Performern in Johannesburg für die „United African Utopias“ an. „Zwei arme, polnisch sprechende Rumänen“ von diesen zwei ideenreichen, alles möglich machenden Menschen wird wohl eine aufrüttelnde, schwer zu packende Inszenierung. Aber auch ein nicht nur im Klang vibrierender Knotenpunkt, der wieder zu anderen faszinierenden Begegnungen, Projekten und Personen führt.

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