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Risse am Holocaust-Mahnmal: Stele in Aachen untersucht

Von: Amien Idries
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Gefahr für die Besucher? Hier streiten sich die Gutachter. Der eine spricht von 380 gefährlichen Stelen, der andere hat nur zwei identifiziert, die auseinanderfallen zu drohen. Foto: dpa

Berlin. Neun Jahre nach der Eröffnung des Berliner Holocaust-Mahnmals weisen Dutzende seiner Betonstelen größere Risse auf. Aktuell werden 44 Stelen mit Manschetten geschützt, wie die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden am Donnerstag mitteilte.

 Zuvor hatte die „Süddeutsche Zeitung“ (SZ) berichtet, dass auf dem Feld nicht mehr 2711, sondern 2710 Blöcke stehen. Das liegt nach Angaben der Stiftung daran, dass eine Stele untersucht in Aachen untersucht wurde.

Schon kurz nach der Eröffnung des vom US-Architekten Peter Eisenman entworfenen Mahnmals im Jahr 2005 waren Risse aufgetreten. Laut der Zeitung sollen 2200 der gut 2700 Stelen beschädigt sein. Das Denkmal in der Nähe von Reichstag und Brandenburger Tor sei „weitaus maroder“ als bislang angenommen. Dem widersprach die Stiftung: Es gebe keine neuen Erkenntnisse.

Das Berliner Landgericht hatte 2012 auf Antrag der Denkmalstiftung und der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung ein Beweisverfahren gegen die Baufirma eröffnet. Dabei soll geklärt werden, warum das für rund 27 Millionen Euro errichtete Mahnmal am Brandenburger Tor verfällt und wer dafür die Verantwortung trägt.

Als Gutachter wurde der RWTH-Professor Wolfgang Brameshuber bestellt, der eine besonders stark beschädigte Stele in Aachen untersucht hat, die vom Rand des Geländes entnommen wurde. „Die Risse sind mit großer Wahrscheinlichkeit auf Spannungen durch entsprechende Temperaturschwankungen zurückzuführen“, sagte Brameshuber im Gespräch mit den „Nachrichten“. Denkbar wäre, dass die Stelen in Berlin höheren Temperaturschwankungen ausgesetzt seien als ursprünglich geplant. Derzeit sei es aber zu früh, über etwaige Verantwortlichkeiten oder Schadensersatz zu spekulieren.

Im schlimmsten Fall, also beim Austausch aller betroffenen Stelen, könnten sich die Reparaturkosten auf einen zweistelligen Millionenbetrag summieren. Das Mahnmal war erst im Mai 2005 eingeweiht worden.

Hinsichtlich der Gefahr für Besucher gibt der Leiter des Instituts für Bautechnik Entwarnung. Zwar gebe es einen von der „SZ“ angegebenen Gutachter, der 380 Stelen als gefährlich eingestuft habe, er halte diese Zahl aber für überzogen. „Ich begehe das Stelenfeld etwa alle drei Monate und habe bislang nur zwei Stelen identifiziert, bei denen Gefahr im Verzug war“, sagte Brameshuber. Diese Gefahr sei inzwischen gebannt.

Auch die Stiftung erklärte, der Zustand des Feldes werde regelmäßig untersucht. Besonders betroffene Stelen bekommen Stahlmanschetten. Die Stelen sind bis zu 4,70 hoch und wiegen bis zu 16 Tonnen.

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