Köln - Raureif legt sich auf die Seele: Leonard Cohen in Köln

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Raureif legt sich auf die Seele: Leonard Cohen in Köln

Von: Susanne Schramm
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Der Hut muss sein: Leonard Cohen sang vor 7500 begeisterten Fans in der Kölner Lanxess-Arena. Foto: Thomas Brill

Köln. „Here I stand, I´m your man”, singt der zierliche Mann im dunklen Anzug, den Hut tief in die Stirn gezogen. Seine Hände sind schmal und feingliedrig, ihre Haut schimmert durchscheinend wie knittrige Seide. Die eine hält das Mikrofon, die andere beschattet den unteren Teil des Gesichts. Es sind die Hände eines Greises. Aber der, der da singt, ist kein Greis.

Leonard Cohen ist alterslos. Und Mittwochabend für 7500 Fans in der Lanxess-Arena ihr Mann.

Das einzige Konzert, das der Kanadier in NRW gibt, gerät zum Triumph. Im Kleinen wie im Großen. Mehr als drei Stunden offenbaren sich als Wechselbad der Gefühle. Sie geben Raum für Rückbesinnung („So long, Marianne”) und Neubeginn („In my secret life”), für Politisches („Anthem”) und Poetisches („A thousand kisses deep”), für Religion („If it be your will”) und den Raureif, der sich auf die Seele legt, wenn man allein ist, um vier Uhr morgens, Ende Dezember, und versucht, einen Brief zu schreiben, in New York oder anderswo, an jemand, der weg ist und trotzdem immer noch da („Famous blue raincoat”).

Vor 40 Jahren das erste Album

Seitdem Cohen sein erstes Album veröffentlicht hat, sind mehr als 40 Jahre vergangen. Jahre, in denen sich die Menschen, die ihm so begeistert zujubeln, verändert haben. Sie sind reifer geworden, haben Berufe ergriffen, Wohnungen bezogen, Kinder bekommen, Häuser gebaut.

Aber etwas haben sie sich bewahrt: Die Erinnerung an Stücke wie „Suzanne” und „Sisters of mercy”, die sie schlagartig zurückkatapultieren, in jene Zeit, als die Traurigkeit noch gehegt werden wollte wie ein zartes Pflänzchen und nichts so süß und so bitter war wie der Schmerz des ersten Liebeskummers.

Doch Leonard Cohen ist weit davon entfernt, ein Retro-Festival der Melancholie zu veranstalten. Dafür besitzt der 74-Jährige, der Sänger, der Dichter, Komponist und Wortmaler, viel zu viel Lebensweisheit. Und einen leisen, feinen Humor, der hier und da aufblitzt, in seinen wenigen, aber umso wärmeren Ansprachen ans Publikum und an seine musikalischen Mitstreiter. Die fabelhaft sind.

Allen voran die ausdrucksstarke Sängerin Sharon Robinson, deren Kompositionen auf „Ten new songs” (2001) zu hören sind, und die Webb-Zwillinge Charlie und Hattie. Ihre Interpretation von „If it be your will” mit Gitarre, Harfe und Stimmen, die direkt aus dem Feenland zu kommen scheinen, gehört zu den Höhepunkten des Abends.

Und der hat, mit 20 Stücken in zwei Sets mit Pause dazwischen und sieben Zugaben, unzählige davon zu bieten: Man könnte eine lange Liste nennen. Um bei jedem einzelnen Stück wieder Leonard Cohens Stimme zu hören, tiefer, wärmer und ergreifender als je zuvor. Ja, das ist unser Mann.
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