Rauer „Eigensinn” in barocken Räumen

Von: Eva Rother
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„Eigensinn”: So betitelt der Aachener Künstler Jupp Linssen seine Ausstellung in der ehemaligen Reichsabtei Kornelimünster. Foto: Ralf Roeger

Aachen. „Eigensinn” - Bescheidenheit und Demut ob der eigenen Beschränkung, aber auch Selbstvertrauen in die Sinnhaftigkeit des eigenen künstlerischen Schaffens legt dieser Ausstellungstitel nahe. Jupp Linssen, schon lange in Aachen lebender Künstler, hat damit seine am Samstag beginnende Ausstellung in der „Sammlung Kunst aus NRW” im Mitteltrakt der ehemaligen Reichsabtei Kornelimünster überschrieben.

In deren prunkvollen barocken Räumen treten Linssens raue, verschiedene Materialien verbindende Werke in eine spannende Beziehung. Übereinandergeschichtete, leicht versetzte Leinwände, deren Oberflächen mit gespachtelter Ölfarbe in hellen Naturtönen, horizontale oder vertikale Linien formend, in den Raum treten und die Flächigkeit von Malerei aufheben.

Materialien aus dem industriellen Bereich wie Zinkblech unterstützen den Objektcharakter. Plexiglas bricht neuerdings das Rohe oder Handwerkliche auf und fordert neue Sehweisen ein. „Eigensinn” war in anderer Konstellation in der Villa Zanders in Bergisch-Gladbach zu sehen. Durch diese Zusammenarbeit konnte auch ein Katalog realisiert werden.

Es sind stilistisch und inhaltlich bewusst sehr konträre Ausstellungen, die Maria Engels, die Kuratorin der Sammlung „Kunst aus NRW”, zusammengestellt hat. Die Klammer bildet der doppelte Auftrag: Künstler zu fördern, die das Land NRW angekauft hat, und die weiterführende, aktuelle Begleitung deren Arbeit.

Auch die zweite Ausstellung, die jetzt in Kornelimünster präsentiert wird, fußt auf der Kooperation zweier Häuser: Konzentrierte sich Schloß Moyland mit seiner Schau von Werken Robert Rotars (1926 - 1999) auf das Kernmotiv der Spirale in seiner Malerei, so stehen in Kornelimünster seine Objekte im Mittelpunkt. Rotar, der mit bürgerlichem Namen Holger Skiebe hieß, war ein umfassend gebildeter Künstler, der Ergebnisse naturwissenschaftlicher Studien ebenso in seine Kunst einfließen ließ wie Kosmologie, Zahlenmystik und Alchemie. Seine Objekte bestehen aus Alltagsgegenständen wie Uhren, Violinen, Federn, Knochen oder Schallplatten, die er aus ihrer Normalität herauslöst, indem er sie mit seinen Symbolen und seiner künstlerischen Bearbeitung einer neuen Bedeutung zugänglich macht.

In einem barocken goldenen Rahmen hat Rotar 1992 seine Kunstvision gestaltet: auf weißer Leinwand mit Bleistiftsymbolen in den vier Ecken, der magischen Zahl 22 (Symbol der höchsten Wahrheit) in der Mitte und drei Spiral-Achtstern-Siegeln (die Spirale als Zeichen des Lebens) - die Vereinigung der Gegensätze. Rotar schuf seine Werke eruptiv nach einer Eingebung, beschreibt seine Witwe Ingrid Skiebe. Der Betrachter erfährt die Wirkung, die er zulässt. Rotars Objekte dürfen „Symbol und Geheimnis” bleiben.

Die Eröffnung ist am Samstag um 16 Uhr

„Eigensinn - Jupp Linssen” und „Rotar”, Kunst aus NRW, ehemalige Reichsabtei, Abteigarten 6, Aachen-Kornelimünster.

Eröffnung: Samstag um 16 Uhr, Dauer: bis 25. April.

Öffnungszeiten: Sa. 15-18, So. 12-18, Di. u. Mi. 10-13 u. 15-17 Uhr sowie nach Vereinbarung, 02408/6492.
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