Ralf König, der Comic-King der Schwulenszene

Von: Christoph Driessen, dpa
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Der Comic-Zeichner Ralf König steht während der Vorbesichtigung einer Ausstellung zu seinem 50. Geburtstag im Schwulen Museum in Berlin vor seinen Werken. Die Ausstellung ist vom 14. Juli - 04. Oktober 2010 am Mehringdamm 61 im Berliner Bezirk Kreuzberg zu sehen. Am Sonntag wird der gebürtige Westfale, der heute in Köln lebt, 50 Jahre alt. Foto: Wolfgang Kumm dpa/lbn

Köln. Ralf König hat in den 1980er Jahren das Schwulencomic als eigenes Genre etabliert. Sein bekanntestes Werk ist „Der bewegte Mann”, verfilmt mit Til Schweiger. Am Sonntag (8. August) wird der gebürtige Westfale, der heute in Köln lebt, 50 Jahre alt.

Für ein Treffen hat er im Moment keine Zeit, da er am dritten Teil seiner Bibeltrilogie arbeitet. Fragen beantwortet er per Mail. „Nach Adam und Noah gehts diesmal um Paulus”, berichtet er über den neuen Band. Kein leichter Stoff natürlich.

„Seine Briefe sind das ungefähre Gegenteil von Humor. Aber mich beschäftigt diese Figur sehr, weil ich in dem Apostel die Ursache sehe für das, was heute an der Kirche so problematisch ist, die ganze Lust- und Sexualfeindlichkeit und Homophobie. Der hat seinen ganzen Selbsthass dieser jungen Religion übergestülpt.”

König wuchs selbst in einem katholischen Dorf auf, wurde aber „nicht allzu katholisch erzogen”. Der Missbrauchskandal in der Kirche überrascht ihn nicht: „Ist doch immer klar, dass es in der Kirche gärt mit den bösen Trieben. Die massive Medienberichterstattung war allerdings neu und auch mal notwendig.”

König geht aber nicht nur Katholiken an, er hat sich auch an die Muslime herangewagt - in seinen beiden Comicbänden über den Teekannengeist Dschinn Dschinn. Die Muslime selbst reagierten offenbar gelassen. „Aber es gab grenzwertige Reaktionen von Nicht- Muslimen. Ob ich Muslime beleidigen wolle, besonders bezogen auf eine Zeichnung, da sind Frauen in Burka vor einen Pflug gespannt. Dabei kann man beim Blick auf die Realität kaum noch satirisch übertreiben.”

Nach seinem Paulus-Comic soll „erst mal Schluss mit Gott” sein. „Ich hab auch mal wieder Lust auf neue Geschichten im Hier und Jetzt, mit Charakteren, die durch die Kölner Straßen laufen mit Handy am Ohr, statt durch die Wüste Sinai mit der Stimme des Herrn im Kopf. Und da ich schwul bin, ist mein Blick auf die Realitäten immer ein schwuler.”
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