„Qindie“: Literatursiegel stammt auch aus Aachen

Von: Eckhard Hoog
Letzte Aktualisierung:
5478046.jpg
In Roetgen lebender erfolgreicher Fantasy-Autor und Mitbegründer des Literatursiegels „Qindie“: Horus Odenthal. Foto: Eckhard Hoog
5477802.jpg
Unüberschaubares Angebot: E-Books werden heute immer häufiger im Selbstverlag der Autoren herausgebracht. Das Qualitätssiegel „Qindie“ soll Orientierung geben. Foto: Stock/imagebroker

Roetgen. „Q“ steht für Qualität. Und für „Revolution“. Davon ist Horus Odenthal jedenfalls aus tiefstem Herzen überzeugt. Der Aachener Fantasy-Autor gehört zu einer Gruppe deutschsprachiger Schriftsteller, die am 1. Mai ein Qualitätssiegel für „Independent-Literatur“ etabliert hat. Und ist damit auf Anhieb auf eine solche Resonanz gestoßen, dass sich die Interviewer auf seinem Anwesen in Roetgen die Klinke in die Hand geben.

Das Zauberwort heißt „Selfpublishing“ – und bedeutet nichts anderes als die schiere Revolution auf dem Buchmarkt, eines der wichtigsten Diskussionsthemen auf der letzten Leipziger Buchmesse. Vorbei die Zeiten, als Autoren, auf Knien rutschend, ihr geschriebenes Herzblut vor hochnäsigen Lektoren und Verlegern anpreisen mussten. Das Internet macht‘s möglich: Wer heute ein Buch veröffentlichen will, der lädt es einfach als E-Book bei Amazon hoch – fertig.

Abrufbar im Internet

Was eigentlich schön und eine grandiose Bereicherung der Buchwelt ebenso wie der allgemeinen Schreiblust sein könnte, hat allerdings einen gravierenden Haken: Nicht jede Stewardess, die sich berufen fühlt, einen neuen Frauen-Roman herauszubringen, beherrscht ihr Metier. Möglicherweise hapert es bereits an der Orthografie. Hier scheidet „Q“ die literarische Spreu vom geschreibselten Weizen – sprich: Qindie, gesprochen wie „Quindie“ als Zusammensetzung aus Qualität und Independent.

Quasi ein Selfpubli-sher-TÜV, ins Leben gerufen von der Düsseldorfer Schriftstellerin Susanne Gerdom (54). Fantasy-Kollege Horus Odenthal ist einer der Pressesprecher der Qindie-Bewegung. Das dazugehörige Internetportal www.qindie.de listet die geprüfte Ware auf – übersichtlich abrufbar nach Autor oder Genre, von Abenteuer & Western über Fantasy und Historische Romane bis zu Science Fiction, Theater & Lyrik.

Was hier landet, hat ein „Autoren-Korrektiv“, wie sich die literarische TÜV-Gemeinde nennt, gründlich geprüft, versichert Horus Odenthal. „Das ist lesenswert“, sagt er und beschreibt die Kritereien: „Literarische Qualität spielt keine Rolle“, sagt er. „Die soll der Leser selbst beurteilen“, und hebt sich mit den Seinen damit nachdrücklich ab von dem als altmodisch und unzeitgemäß empfundenen Verlegertum, das für Odenthal als Kind der Internetgeneration nichts anderes darstellt als ein „Geschmacksdiktat der Verlage“.

„Wir wollen nicht die Welt verbessern“, meint er und umschreibt damit treffend die Ablehnung jeglicher Programmatik des Autoren-Korrektivs. Qualität in diesem Sinne heißt denn auch in der Tat: die schlichte Lesbarkeit. Die Orthografie muss stimmen ebenso wie die Formatierung, Stilistik ist angesagt – kurz: „Das Buch muss so gelungen sein, dass es auch bei einem Verlag durchgehen könnte“, sagt Odenthal. Die inhaltliche Bewertung, die soll dem Leser überlassen bleiben. Bevormundung durch Verlage – ade.

„Wir nehmen den mündigen Leser ernst“, sagt der gebürtige „Erftländer“, der nach einem Grafikdesign-Studium an der Fachhochschule Aachen in der Region „klebengeblieben“ ist – zur Freude seiner Frau, die im gleichen Metier verwurzelt ist, mit der er zwei kleine Kinder hat.

Vor neun Jahren stellten wir „Horus“, wie sein Künstlername damals lautete, an dieser Stelle als Autor und Zeichner eines Schiller-Comics vor, den er zum Schiller-Jahr 2005 (200. Geburtstag) im Auftrag des Deutschen Literatur-Archivs in Marbach erstellte. Anspruchsvolle Themen und die Mittel des Comics – das waren für Horus widerspruchslose zwei Seiten einer Medaille.

So widmete er in dem Band „Wüstensöhne“ (Ehapa Comic Collection) drei Comicerzählungen dem Thema Faschismus. Jahrelang hatte Horus ausschließlich und mit großem Erfolg für amerikanische Verlage gezeichnet. In der ersten „Wüstensohn“-Geschichte unterhalten sich deutsche Emigranten in Los Angeles und formulieren ihr Bild von Deutschland nach dem Ende der Nazi-Diktatur. 2002 bekam Horus den ICOM Independent-Comic-Preis für seine Trilogie „Schattenreich“.

Seitdem hat sich im künstlerischen Leben Odenthals einiges getan: Er zeichnet nicht mehr – dauert zu lange – und schreibt nur noch. Vorwiegend Fantasy- und Science-Fiction-Romane. Nach Ansicht seiner Fans hat er mit seiner „Ninragon“-Trilogie selbst die Bildmacht des „Herrn der Ringe“ locker übertroffen – jedenfalls bezeugen das die Rezensionen auf der einschlägigen Amazon-Seite.

Soeben erschienen ist der E-Book-Sammelband seiner Fortsetzungsserie „Hyperdrive“. Darin geht es um zwei konkurrierende Mächte auf fernen Planeten, die kurz vor einem Krieg stehen, und eine starke weibliche Figur, Sam B., die dem Ganzen noch Einhalt gebieten kann.

Einen Verleger braucht Horus Odenthal für seine Geschichten genauso wenig wie seine Qindie-Freunde, die via Internet miteinander kommunizieren und ihre gemeinsamen Bewertungen abgeben – übrigens auch für Sachbücher. „Wir sehen uns nicht als Konkurrenz für Verlage“, sagt er, „sondern als Ergänzung.“ Und den klassischen Kollegen der Branche empfiehlt er, den Auftrag weiterhin ernstzunehmen und Qualität zu sichern. „Dem Leser gegenüber verantwortlich sein – darum geht es.“

Die Bewerberflut der Autoren mit ihren Werken ist bereits riesig angewachsen – jeder von ihnen wünscht sich das besagte „Q“ auf dem elektronischen wie dem gedruckten Cover – Printausgaben nehmen die Qindies ebenso unter ihre Fittiche. Über die Qualität wird ganz demokratisch abgestimmt. Und schon nach einer Woche ist das Siegel allseits hochbegehrt. „In meinem ganzen Leben habe ich noch nicht so eine aufregende Zeit gehabt“, sagt Odenthal. Die richtige Idee zur richtigen Zeit – man muss nur darauf kommen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert