Bonn - Puccinis „Manon Lescaut” an der Oper Bonn: Auf der Abschussrampe

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Puccinis „Manon Lescaut” an der Oper Bonn: Auf der Abschussrampe

Von: Pedro Obiera
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Eine Rampe führt ins Nirgendw
Eine Rampe führt ins Nirgendwo: An der Bonner Oper müssen die Sängerinnen und Sänger in Puccinis „Manon Lescaut” Standfestigkeit beweisen. Insgesamt ist die Inszenierung von Christine Mielitz etwas unentschlossen. Foto: Oper Bonn

Bonn. Nach seinem Abschied vom Aachener Theater wurde es still um ihn. Doch Michael Ende arbeitete weiter an sich und seiner Stimme, und jetzt wurde der Tenor im Bonner Opernhaus als Star des Abends gefeiert. Ebenso kraftvoll wie kultiviert, nahezu mühelos bewältigte er die enormen Anforderungen der männlichen Hauptrolle in Puccinis früher Oper „Manon Lescaut”.

Zusätzlich strahlt er eine menschliche und emotionale Wärme aus, die seiner Partnerin Galina Shesterneva in der Titelpartie teilweise fehlte. Deren Darstellung wirkte unterkühlt und taute auch im letzten Satz nur bedingt auf. Gleichwohl geriet der Schlussakt mit dem traurigen Ende in der Wüste von Nevada zum Höhepunkt des Abends, was nicht zuletzt der dramaturgischen Geschlossenheit des Akts zuzuschreiben ist, was man von den beiden ersten Aufzügen allerdings nicht unbedingt behaupten kann.

Natürlich wird nicht in einer Wüste gestorben, sondern auf einer metallenen Rampe, die wie eine Gangway in den Himmel ragt, aber letztlich ins Nichts führt. Einsam bleibt Manon dort am Ende zurück. Am Boden kauert der verzweifelte Des Grieux. Ein Akt, der seine Energie ausschließlich aus dem emotionalen Schmelztiegel von Liebe und Schmerz, Hoffnung und Resignation bezieht. Und für die seelischen Wechselbäder zeigt Christine Mielitz in ihrer ansonsten optisch überladenen und etwas unpersönlichen Inszenierung ein gutes Händchen.
Halbseidene Welt überzeichnet

Offenbart die Rampe von Hartmut Schörghofer erst am Schluss ihre Qualitäten, schränkt sie ansonsten die Bewegungsfreiheit der Darsteller und des großen Chors stark ein. Die Inszenierung von Christine Mielitz wirkt unentschlossen bis routiniert in der psychologischen Profilierung der Titelpartie, der man die Seelennöte in ihrem traurigen Los zwischen Kloster, Edel-Bordell und Wüstensand nicht abnehmen kann. Die halbseidene Welt der Pariser Salons wird grell überzeichnet, die demütige Deportation der verbannten Frauen immerhin angedeutet. Nebeneffekte, die die Mängel der blutarm gezeichneten Titelfigur nicht auffangen können.

Generalmusikdirektor Stefan Blunier zelebriert die Partitur mit viel Glut, drosselt die Tempi jedoch immer wieder bis zum Stillstand ab. Nicht nur das berühmte Intermezzo kommt kaum von der Stelle. Neben den beiden Protagonisten zeigt sich auch Mark Morouse als Manons Bruder von seiner guten Seite. Ein kerniger Bariton, der mehr Wärme verströmt als der Sopran seiner Schwester.
Durchweg begeisterter Beifall für eine durchwachsene Puccini-Produktion mit dem Comeback eines erstklassigen Tenors.

Weitere Aufführungen der Oper „Manon Lescaut” an der Bonner Oper: am 30. September sowie am 7., 15., 22. und 30. Oktober.
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