Köln - Publikum rast beim „Aachener Paganini” David Garrett

Publikum rast beim „Aachener Paganini” David Garrett

Von: Pedro Obiera
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Betont lässig: der in Aachen gebürtige David Garrett im Gespräch mit unserer Zeitung in Köln. Foto: Thomas Brill

Köln. Für die „Bild am Sonntag” ist er der „coolste Geiger der Welt”, für Stefan Raab der „schönste Geiger der Welt”. Die Verkaufszahlen seiner letzten CDs küren ihn zum derzeit „erfolgreichsten Geiger der Welt”.

Seit Nigel Kennedy, Vanessa Mae und (schluck!) Andr Rieu verstand es kein Streicher, neue und vor allem junge Publikumsschichten so elektrisierend für das Saitenspiel zu begeistern wie David Garrett, das 28-jährige Riesentalent aus Aachen, das mit zwölf Jahren zusammen mit Yehudi Menuhin musizierte und mit 13 Jahren Mozart-Konzerte mit Claudio Abbado einspielte.

Konsequent brach er selbst seine problematische Wunderkind-Karriere ab und schlug in New York neue Zelte auf.

Er strahlt die reine Freude aus

Dass er als „Beckham der Violine” mit seinen populären Cross- over-Projekten von einem abgelegten Marketing-Korsett in ein noch engeres Publicity-Mieder geschnürt werden könnte, weist der sympathische Geiger von sich. Kennt man ihn und seine Biografie ein wenig, glaubt man ihm das.

Verbiegen lässt er sich nicht (mehr). Und die Freude, die er ausstrahlt, wenn ihm, wie jetzt zum Auftakt seiner Deutschland-Tournee in der Kölner Lanxess-Arena, 8000 zum Teil blutjunge Fans zuhören, wenn er nicht nur AC/CDs „Thunderstruck” rockt, sondern auch einen Satz aus Bachs E-Dur-Konzert „seriös” geigt, ist grundehrlich.

Sorgen über eine superkurze Blitzkarriere à la Vanessa Mae oder ein Schmalspur-Repertoire à la André Rieu sind also unbegründet. Im Mittelpunkt seiner Tournee stehen die Zugstücke aus seiner letzten, die Klassikcharts beherrschenden CD „Encore”, auf Deutsch „Zugabe”.

Keine Frage: Damit wird einer „Häppchen-Kultur” gefrönt, die lauter verführerische Desserts ohne Hauptgericht reicht. Doch was ist gegen ein wenig Showglamour in der Nachfolge Paganinis oder Sarasates zu sagen, wenn er mit Pizzicato-Tricks, halsbrecherischen Läufen und vertrackten Doppelgriffen das Publikum zum Rasen bringt?

Und das gelingt ihm nicht nur mit Zugstücken wie „Zorba´s Dance” und Montis „Csardas”, sondern auch mit Vivaldi, Metallica und Charles Chaplin. Zumal er bei der Stückauswahl einen überaus sicheren Geschmack beweist und vor allem dabei auch noch glänzend spielt.

Mit Band und mittelgroßem Sinfonieorchester ist auch für klangliche Abwechslung gesorgt, wodurch allerdings in den rockigen Beiträgen das Schlagzeug manches übertönt.

Und ob man Bachs „Air” mit extrem dominierender Geige zum Violinkonzert umstülpen sollte, in dem die Mittel- und Bassstimmen nur eine Statistenrolle spielen, mag ebenso anfechtbar sein wie die sentimentale Aufweichung von Dvoráks „Humoreske” als Vorgriff auf seine nächste CD.

Das Publikum ging glänzend mit, vor allem, wenn Garrett seinem Temperament freien Lauf ließ, ob in eigenen Kompositionen oder in Vivaldis „Jahreszeiten”. Standing Ovations für den geigenden Publikumsliebling.

Nach einem gestrigen Auftritt in München wiederholt David Garrett das Pogramm am 12. Januar in Leipzig und am 13. Januar in Berlin.
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