Aachen - Poesie, Musik, Emotionen: Eine wunderbare Einheit

Poesie, Musik, Emotionen: Eine wunderbare Einheit

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Lyrischer Tenor der Spitzenklasse: Christoph Prégardien. Foto: © Rosa-Frank.com

Aachen. Mit Christoph Prégardien kommt einer der nach Kritikermeinung herausragenden lyrischen Tenöre unserer Zeit nach Aachen. Dass sein Name allerdings nur einem überschaubaren Kreis von Experten geläufig ist, liegt auch daran, dass Prégardien sich besonders dem Liedgesang widmet, und das ist nun mal eine Angelegenheit für Spezialisten.

Warum das so ist, was man dagegen tun kann und was die besondere Faszination dieser Kunstgattung ausmacht, darüber sprach unser Redakteur Hermann-Josef Delonge mit dem 1956 in Limburg an der Lahn geborenen Sänger und Professor an der Musikhochschule Köln, der übrigens Wurzeln in Aachen hat: Seine Urgroßmutter war eine Enkelin des Unternehmers Friedrich August Neuman.

Herr Prégardien, ist das, was Sie dem Publikum in Aachen bieten, nicht eine höchst exklusive oder sogar elitäre Angelegenheit?

Prégardien: Dem Ausdruck elitär möchte ich scharf widersprechen. Aber ich weiß, worauf Sie hinauswollen. Es ist wohl wahr, dass dem Lied und dem Liedgesang nicht mehr viel Interesse entgegengebracht wird. Umso schöner, dass es so ambitionierte und erfolgreiche Veranstaltungen wie die Accordate-Reihe gibt.

Warum hatte es das deutsche Kunstlied so schwer?

Prégardien: Im Ausland liegt das sicherlich an den Sprachbarrieren. Generell habe ich festgestellt: Im Elternhaus, im Kindergarten und in der Schule wird generell weniger gesungen. Die klassische Musik spielt keine große Rolle mehr. Dem muss entgegengewirkt werden. Daran beteilige ich mich.

Wie?

Prégardien: Mit Projekten wie „Wiegenlieder” oder „Rhapsody in School”, das Lars Vogt initiiert hat. Wir besuchen Schulen und bauen so Berührungsängste und Hemmschwellen ab. Die Schüler sehen, dass wir ganz normale Menschen sind. Aber das alles reicht natürlich nicht. Die Schulen müssten mehr Konzertbesuche organisieren. Und es geht natürlich nicht an, dass so viel Musikunterricht ausfällt.

Beschreiben Sie dem Durchschnittsmusikkonsumenten bitte die Faszination des Liedgesangs.

Prégardien: Da ist vor allem die Verbindung von Poesie, Musik und den Emotionen des Interpreten. Das ist, wenn es gelingt, eine wunderbare Einheit. Der Zuhörer kann dann Dinge spüren, die sonst vergraben sind. Er kann zur Besinnung kommen. Dafür allerdings muss man sich öffnen und bereit sein, innezuhalten. Viele Menschen können das nicht mehr - eine Folge unserer schnelllebigen Zeit.

Wo liegt für den Sänger die spezifische Herausforderung des Lieds, im Unterschied zur Oper etwa?

Prégardien: Bei der Oper kann und man einen Charakter über einen Abend hinweg entwickeln. Beim Lied hingegen muss man sehr unterschiedliche Charaktere rüberbringen - emotional und sängerisch. Das kann einen extremen Wechsel innerhalb von fünf Minuten erfordern. Ein Liedsänger muss die verschiedensten Schattierung vom extremen Pianissimo bis zum Fortissimo beherrschen. Und er muss bereit sein, dem Publikum auf der Bühne ganz nahe zu kommen. Das mag nicht jeder.

Daten zum Konzert im Aachener Krönungssaal

Christoph Prégardien ist im Rahmen der Kammermusikreihe Accordate in Aachen zu erleben: am Sonntag, 24.Oktober, ab 18 Uhr im Krönungssaal des Aachener Rathauses. Begleitet wird er bei seinem Liederabend von Ulrich Eisenlohr (Klavier).

Auf dem Prgramm stehen Robert Schumanns Dichterliebe op. 48 und Franz Schuberts Neun Lieder nach Gedichten von Ernst Schulze (1789 bis 1817).
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