Plattform für neue Sichtweisen: NAK feiert 30-jähriges Bestehen

Von: Eckhard Hoog
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Sie stehen an der Spitze des Neuen Aachener Kunstvereins (NAK), der jetzt sein 30-jähriges Bestehen feiert: Werner Dohmen (rechts), der Vereinsvorsitzende, und Ben Kaufmann, der Direktor und künstlerische Leiter. Foto: Harald Krömer

Aachen. Vom bescheidenen Ladenlokal in der „Bronx“ des Aachener Ostviertels zur weithin geschätzten Adresse der zeitgenössischen Kunst – eine beachtliche Entwicklung hat der Neue Aachener Kunstverein (NAK) genommen.

Vor 30 Jahren von einem Motor der Szene, dem Künstler Karl von Monschau alias Charly Winter, und einer Handvoll Gleichgesinnter gegründet, zählt der NAK heute mit zu den führenden privaten Einrichtungen seiner Art in Deutschland. An diesem Wochenende wird das Jubiläum angemessen begangen –mit einer Diskussion um die wohl eher rhetorisch gemeinte Frage „Ein Grund zum Feiern?“ und einer Gala mit zwei namhaften Laudatorinnen: Hilde Scheidt, Bürgermeisterin der Stadt Aachen, und Renate Goldmann, Direktorin des Dürener Leopold-Hoesch-Museums.

Werner Dohmen, von Hause aus Arzt und leidenschaftlicher Kunstsammler, ist gleichfalls ein „Mann der ersten Stunde“: Seit 28 Guinnessbuch-rekordverdächtigen Jahren leitet er den NAK als Vorsitzender. Dabei ist er auch noch erblich vorbelastet: Sein Urgroßvater hob im 19. Jahrhundert in Meran eine der Mütter aller bürgerlichen Kunstvereine aus der Taufe.

Gegründet wurde der NAK zu einer Zeit, als weit und breit fast ausschließlich Peter und Irene Ludwig der zeitgenössischen Kunst eine Plattform bescherten. Aber das ist lange her – der mit 75.000 Euro dotierte Förderpreis der Kunststiftung NRW für das beste Programm im Jahr 2009 belegt, wie „reif“ sich der NAK mittlerweile in der Szene etablieren konnte.

Aber Hand aufs Herz: Wofür braucht die Welt eigentlich heutzutage noch Kunstvereine angesichts einer museumsübersäten Kulturlandschaft? „Zunächst mal sind wir sehr viel unabhängiger“, sagt Werner Dohmen, „unabhängiger und nur uns selbst verpflichtet.“ Und genau das macht für ihn den wesentlichen Unterschied zur musealen Szene aus: „Dort werden weitgehend kuratorisch abgesegnete Positionen präsentiert.“ Dagegen stehen Kunstvereine wie der NAK für das noch nicht Etablierte, das „Unverbrauchte“, für „ganz neue Sichtweisen“. „Bei uns gibt es Ausstellungen, die es woanders noch nicht gab. Da werden die Werke gezielt für unsere Räume konzipiert.“

Für viele ganz junge Künstler bedeutet das, ein kleineres Häuschen sehr viel leichter bespielen zu können als eine große Ausstellungshalle. „Zwei Räume mit jeweils 80 Quadratmetern – das funktioniert immer.“ Domizil ist seit 15 Jahren die im Bauhausstil umgebaute ehemalige „Muffelbude“ (Dohmen) des Grünflächenamts im Stadtpark.

Als qualitative Sternstunden gelten solche Ausstellungen von blutjungen Positionen, die im Nachhinein eine hohe internationale Anerkennung finden. Und genau das ist dem NAK immer wieder gelungen. Dafür stehen Namen wie der Berliner Anselm Reyle, der mittlerweile bei Sammlern Rekordpreise erzielt, der in Tokio geborene Jonathan Meese oder die Fotografin Candida Höfer, Tochter des Fernsehjournalisten Werner Höfer, sowie Franz Ackermann. Unvergessen ist auch die öffentliche Verleihung des sogenannten „Neuen Preises“ an einen Künstler, der bis dato ausschließlich im Untergrund gearbeitet hatte und bei der Gelegenheit zum ersten Mal sein Gesicht offenbarte: der Aachener Wandmaler Klaus Paier (1945-2009).

Internationale Kontakte der künstlerischen Leitung sind des A und O. Seit dem 1. September 2013 steht dafür als Garant der ehemalige Berliner Galerist Ben Kaufmann, selbst studierter Künstler und Ausstellungsmacher.

Er ist beim NAK in die Fußstapfen getreten von Direktorinnen wie Melanie Bono, Stefanie Kreuzer und Susanne Titz, die mittlerweile allesamt leitende Positionen in Museen innehaben. Der NAK als Sprungbrett.

Seit Ben Kaufmann die NAK-Geschicke leitet, hat die Mitgliederzahl den Höchststand von 551 erreicht. „Das neue Team ist viel intensiver aufs Publikum zugegangen“, freut sich Dohmen über den gewachsenen Zuspruch und die vermehrte Resonanz. Und die Zahl der Follower auf Facebook hat auch beachtliche 8000 erreicht.

Fünf Ausstellungen pro Jahr plus die Präsentation von einmal im Jahr versteigerten Kunstwerken lassen sich mit dem Etat von 150.000 Euro bestreiten, wobei 85.000 allein die Personalkosten decken. Der städtische Zuschuss beträgt 30.000 Euro pro Jahr, der von der Sparkasse Aachen 10.000 Euro. Überdies unterstützt die Stawag eine Förderung junger Kunst aus der Euregio mit einem entsprechenden Preis.

Mit Spannung erwarten kann man ein Projekt, das für das nächste Jahr geplant ist: Ben Kaufmann steht in Kontakt mit der amerikanischen anonymen Aktivistengruppe Indecline, die kürzlich für Furore sorgte, indem sie in fünf amerikanischen Städten lebensgroße, völlig nackte und äußerst unschmeichelhafte Figuren des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump aufgestellt hat.

In der kalifornischen Mojave Wüste hatte Inde-cline ein riesiges Graffito auf eine alte Landebahn gemalt – mit 910 mal zehn Metern das angeblich „größte illegale Graffito der Welt“ mit dem Schiftzug „This Land Was Our Land.“ So etwas ließe sich im Aachener Stadtpark doch sicher auch machen . . .

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