Aachen - Patrick Roth liest für den Dom

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Patrick Roth liest für den Dom

Von: Jenny Schmetz
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Unter der Lichterkrone des Bar
Unter der Lichterkrone des Barbarossa-Leuchters: Patrick Roth liest im Dom am 26. Oktober aus „Lichternacht”, einer Weihnachtsgeschichte, die Bibelsymbolik, Filmzitat und Traumspiel verbindet. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Charlie Chaplin und Maria Magdalena, Hollywood und Heilsgeschichte, Alltägliches und Göttliches. Wie passt das zusammen? Im Werk von Patrick Roth außergewöhnlich gut! Der 57-jährige Schriftsteller gilt als absolute Ausnahme-Erscheinung in der deutschen Literaturszene.

Er schreibt religiöse Prosa, spannend wie ein Krimi, bilderreich wie ein Film, berührend auch für Menschen, die nicht jeden Sonntag in die Kirche gehen.

Um Patrick Roth am Dienstag, 26. Oktober, in Aachen zu erleben, ist ein Kirchenbesuch allerdings ein Muss: Die Europäische Stiftung Aachener Dom hat den bekannten Autor zu einem literarischen Abend im Oktogon eingeladen.

Aus Los Angeles wird Roth anreisen - und auch das macht ihn zur Ausnahme: Seit 35 Jahren lebt der gebürtige Freiburger in den USA, doch die deutsche Sprache blieb seine Heimat. Treffend hat der Cineast diese Beziehung beschrieben, mit einer filmischen Überblendung: Im ersten Auto, „einem 500-Dollar-VW mit einem baren Hauch von Bremsbelägen” erkundete der 22-jährige Roth damals die Hügel Hollywoods, auf dem Beifahrersitz ein Tonbandgerät. Daraus ertönte seine eigene Stimme, Lieblingsautoren vorlesend: Hölderlin, Trakl, Celan, Arno Schmidt. So legten sich die bekannten Bilder auf die unvertraute Landschaft. So eignete er sich das fremde Land durchs Eigenste an.

„Los Angeles gibt mir die nötige Ferne vom ,Literaturbetrieb’, die ich beim Schreiben brauche”, sagt Roth heute. Auch das macht ihn zur Ausnahme: Er lässt die Moden des Marktes links liegen und bleibt sich selbst und biblischen Themen treu.

Mitte der 90er Jahre mit seiner Christus-Trilogie bekanntgeworden, hat Roth immer wieder biblische Figuren in die moderne Welt und Sprache verpflanzt. „In all seinen Geschichten - spielen sie nun zur Zeit der Bibel im Heiligen Land oder in der deutsch-amerikanischen Gegenwart - ist eine höhere Wirklichkeit hinter der Oberfläche des Alltäglichen spürbar wirksam”, beschreibt die Literaturwissenschaftlerin Michaela Kopp-Marx die besondere Qualität von Roths Werk. „Seine Texte (be)treffen den Menschen in seiner Existenz”, meint der Philosophie-Professor Hermann Lübbe, der im Dom in Roths Werk einführen wird. Große Worte über viel gepriesene „große Literatur”, für viele fremd und faszinierend zugleich.

Vielleicht bietet der persönliche Vortrag sogar den besten Zugang zu Roths anspruchsvollen Dichtungen. Denn beim Vorlesen fühlt sich der Filmjournalist, Drehbuchautor und Regisseur sichtlich wohl. Das Etikett „Entertainment-Profi” mag er zwar nicht, den Schauspiel-Unterricht merkt man dennoch. Nicht jeder Autor ist ein begnadeter Vorleser. Auch da ist Patrick Roth wohl eher eine Ausnahme.

Die Europäische Stiftung Aachener Dom lädt am Dienstag, 26. Oktober, 19 Uhr, zur Lesung mit Patrick Roth unter dem Barbarossa-Leuchter im Aachener Dom. Musikalisch begleitet wird die „Literatur zur Nacht” von Musikern der Jungen Philharmonie Köln. Karten sind an der Abendkasse erhältlich oder vorher in der Domschatzkammer. Eintritt: fünf Euro. Der Erlös kommt dem Erhalt des Doms zugute. Patrick Roth liest außerdem am Donnerstag, 28. Oktober, 18 Uhr, im Aachener August-Pieper-Haus, Leonhardstr. 18-20, aus seiner Erzählung „Magdalena am Grab”. Moderieren wird die Literaturwissenschaftlerin Michaela Kopp-Marx.
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